Industrieanlagen sind begehrte Ziele

IT-Sicherheit in der Industrie

Heute sind nicht nur Desktop-Computer mit dem Internet verbunden. Dies ermöglicht Cyberkriminellen neue Angriffsarten, zum Beispiel das Kapern von Sicherheitskameras oder gleich der ganzen Fabrik.

Auch ganze Fabrikanlagen sind vor Cyberkriminellen nicht sicher – über konkrete Fälle berichtet das BSI in einem aktuellen Lagebericht.

Absicht war es bestimmt nicht, was einer Bekleidungskette passiert ist: Die Sicherheitssysteme aller 250 Filialen waren über das Internet zugänglich – inklusive der Bilder der Überwachungskameras.

Jeder konnte darauf zugreifen und er musste nicht einmal die genauen Details wissen. Ein kurzer Ausflug zur Spezialsuchmaschine Shodan reichte. Anders als Google sucht Shodan nicht nach Webseiten, sondern nach Geräten, die sich im Internet befinden.

Die Suchmaschine durchforstet einen Teil der etwa drei Milliarden mit dem Netz verbundenen Maschinen (ohne Mobilgeräte und PCs). Nutzer haben damit bereits Ampelanlagen, Sicherheitskameras, eine Tankstelle, den Weinschrank eines Hotels und die Steueranlage eines Krematoriums gefunden, alles ohne Zugangsbeschränkung.

Einen ganz ähnlichen, aber längst nicht so glimpflich abgelaufenen Fall schildert das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem aktuellen Lagebericht zur IT-Sicherheit. Hierbei ging es um einen gezielten Angriff auf ein Stahlwerk.

Mithilfe einer ausgefeilten Angriffstechnologie und durch trickreiches "Social Engineering" (Erschleichen von Zugangsdaten) erhielten die Angreifer zunächst den Zugriff auf das Büronetz des Stahlwerks. Von dort aus arbeiteten sie sich sukzessive bis in die Produktionsnetze vor.

Cyberangriffe werden immer ausgefeilter

Dieser Vorfall führte zu Ausfällen einzelner Steuerungskomponenten oder ganzer Anlagen in dem Stahlwerk. Die Probleme kulminierten darin, dass ein Hochofen nicht geregelt heruntergefahren werden konnte und die Anlage anschließend massiv beschädigt wurde.

Das BSI resümiert: „Die technischen Fähigkeiten der Angreifer sind als sehr fortgeschritten zu bewerten. Das Know-how der Angreifer war nicht nur im Bereich der klassischen IT-Sicherheit sehr ausgeprägt, sondern erstreckte sich auch auf detailliertes Fachwissen zu den eingesetzten Industriesteuerungen und Produktionsprozessen."

In Zukunft werden die Gefahren solcher Cyberangriffe sicher noch wachsen, denn im Zuge der Industrie 4.0 soll die Wirtschaft mit einem lückenlosen Netz aus miteinander verbundenen Maschinen überzogen werden.

Bereits heute werden in nahezu allen Infrastrukturen der Industrie Systeme zur Fertigungs- und Prozessautomatisierung (Industrial Control Systems, (ICS) eingesetzt. Viele der aktuell eingesetzten IC-Systeme in diesem Bereich wurden allerdings nicht mit Blick auf mögliche Angriffe konzipiert, da eine weit reichende Vernetzung nicht vorgesehen war.

Vor allem die aktuell genutzten Fabrikanlagen sind eine besondere Herausforderung für die Sicherheit, denn sie haben eine sehr lange Lebensdauer. Die Technik wird nicht in kurzen Zyklen erneuert, sondern muss durchaus zwei Jahrzehnte funktionieren – und sicher sein.

Das BSI resümiert: „Zu den zentralen Erfolgsfaktoren und Rahmenbedingungen für die Realisierung und die Akzeptanz von Industrie 4.0 gehört die Entwicklung von IT-Sicherheitskonzepten, -architekturen und -standards."

Die Suchmaschine Shodan
Der BSI-Lagebericht


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok