Betrug durch Cyberkriminelle

Maßnahmen gegen Identitätsdiebstahl

Identitätsdiebstahl und -missbrauch ist eine lästige Sache, die ohne Anwalt und Kripo nicht bekämpft werden kann. Doch es gibt Gegenmaßnahmen.

Eines Tages steht das Inkassounternehmen vor der Tür und verlangt ein paar tausend Euro für auf Rechnung bestellte, aber nie bezahlte Waren. Das Problem dabei: Der vermeintliche Käufer kennt den Onlinehändler gar nicht, es handelt sich um einen Fall von Identitätsdiebstahl und -missbrauch.

Ein Betrüger hat einfach einen fremden, aber existierenden Namen zur Anmeldung in einem Shop genutzt, eine andere Adresse dazu eingetragen und damit Waren online auf Rechnung bestellt. Viele Internetshops bestehen zwar auf Vorkasse. Doch Identitätsdiebe haben immer wieder Glück, weil nicht alle Shops auf Nummer sicher gehen.

Nach ein paar Bestellungen verschwinden die Betrüger von der Bildfläche und verkaufen die Waren weiter. Für das Opfer des Identitätsdiebstahls beginnt nun eine äußerst nervige Zeit. Es muss mit anwaltlicher Unterstützung versuchen, alle „Inkassofälle“ aufzuklären und die Forderungen abzuwehren.

Auch kleine und große Unternehmen werden zum Opfer von Identitätsdiebstahl. Ein beliebter Trick ist dabei, im Namen des Unternehmens auf einer Handelsplattform aufzutreten, fiktive Waren per Vorkasse anzubieten und das Geld einzustecken.

An solchen Betrugsfällen lässt sich deutlich zeigen, dass Kriminelle nicht unbedingt hochsensible Angaben wie Kreditkartendaten oder gar die Zugangsdaten zu einem Girokonto benötigen. Eine Portion Frechheit und nachlässige Onlineshops oder Handelsplattformen ohne ausreichende Identitätsprüfung reichen völlig aus.

Und während geheime Daten wie Konto-PIN einigermaßen gut zu schützen sind, ist das bei offenen Angaben wie Name und Anschrift unmöglich. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die das Risiko eines digitalen Identitätsverlustes verringern.

Regelmäßige Schufa-Auskünfte
Bei der Schufa kann sich jeder über die eigene Bonität informieren und herausfinden, ob Kreditkarten oder Darlehen unter dem eigenen Namen laufen, die gänzlich unbekannt sind. Eine solche Auskunft ist einmal im Jahr kostenfrei und sollte tatsächlich regelmäßig ausgeführt werden.

Passwörter regelmäßig ändern
Die Passwörter zu Onlinekonten von Banken und Zahlungsdienstleistern (etwa PayPal) gehören zu den wichtigsten Absicherungen des jeweiligen Onlinezugangs. Aus diesem Grunde sollten sie regelmäßig geändert werden. Empfehlenswert ist der Einsatz eines Passwortmanagers, mit dem hochsichere Kennwörter aus mehr als zehn zufälligen Zeichen komfortabel verwaltet werden können.

Vorsicht vor Phishing-Versuchen
Cyberkriminelle versuchen regelmäßig, über gefälschte E-Mails von Finanzinstituten, aber auch über Quizze und Tests auf populären Webangeboten wie Facebook an „interessante“ Daten zu kommen. Sie sollten skeptisch werden, wenn sie in einer E-Mail von einer Bank aufgefordert werden, auf einen bestimmten Link zu klicken, um Adressangaben zu bestätigen oder ähnliches. Meist verbirgt sich dahinter der Versuch, auf einer gefälschten Webseite Passwörter und ähnliches abzugreifen. Wenn Sie sich unsicher sind: Geben Sie die Adresse der Bank direkt in die Adresszeile Ihres Browsers ein und überprüfen Sie Ihr Konto.

Keine Auskunft am Telefon oder per Mail
Identitätsbetrüger verlassen sich oft darauf, dass viele Leute auch sensible Informationen am Telefon oder per E-Mail weitergeben. Dies entspricht aber nicht der Politik von Banken und anderen Finanzinstituten. Sie werden weder am Telefon noch per E-Mail nach Ihrem Passwort gefragt.

Persönliche Informationen schützen
Wichtige Unterlagen wie Steuererklärungen, Kreditkarteninformationen oder Ausweise sollten nicht offen herumliegen, sondern immer in einem verschlossenen Schreibtisch oder Schrank aufbewahrt werden. Außerdem sollten wichtige Briefe wie Kreditkartenbestellungen, Darlehensanträge oder Steuererklärungen nur persönlich zum Briefkasten oder zur Post gebracht werden.

Auf Warnsignale achten
Identitätsdiebe ändern regelmäßig private Adressen, sodass Briefe den Empfänger nicht mehr erreichen. Ein erstes Anzeichen für Identitätsdiebstahl: Sie erhalten plötzlich keine Briefe mehr von ihrer eigenen Bank. Sie sollten auf jeden Fall mit ihrer Bank reden, wenn erwartete Briefsendungen wie Kontoauszüge nicht ankommen.

Außerdem sollten Sie unerwartete Post von anderen Finanzinstituten kontrollieren. Es handelt sich nicht immer um unerwünschte Werbung, sondern möglicherweise um den Versuch, ein Darlehen oder eine Kreditkarte in ihrem Namen zu beantragen.

Reaktionen bei einem Identitätsmissbrauch
Der wichtigste Punkt zuerst: Bewahren Sie Ruhe, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Panik und überstürzte Aktionen machen die Sache meist noch schlimmer.
Wenn in ihrem Namen betrügerische Geschäfte abgewickelt worden sind, sollten Sie umgehend Anzeige bei der Kriminalpolizei erstatten. Auch in anderen Fällen sollten Sie auf jeden Fall die örtliche Polizeidienststelle darüber informieren. Nehmen Sie außerdem Kontakt mit einem Anwalt auf und lassen sich beraten, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind.

Ändern Sie umgehend alle wichtigen Passworte zu sämtlichen (!) Internetdiensten, die Sie einsetzen: Mail, Facebook, sämtliche Onlinebankkonten, Zugänge zu Shops usw. Es ist nicht auszuschließen, dass die Kriminellen weitere Angaben von Ihnen besitzen und sich zu anderen Diensten einen Zugang verschafft haben.

 

Bildquelle: Thinkstock

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