Es geht um das digitale Wirtschaftswunder, meinte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Nationalen IT-Gipfel im letzten Jahr. Und 2015? Bisher ist die Bilanz durchwachsen, viele Unternehmen haben die Bedeutung der digitalen Transformation noch nicht erkannt. Immerhin ist die Nachricht in der Politik und den Konzernen angekommen: Sie müssen jetzt handeln.
Auf dem Nationalen IT-Gipfel 2015 wünscht sich die Kanzlerin, dass die Digitalisierung in die Breite der Wirtschaft geht: „Deutschland muss zu den Champions der Wertschöpfung gehören und darf nicht zur verlängerten Werkbank werden.“ Unterstützung erhielt sie dabei von Digital- und Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der bis 2020 die Gigabit-Gesellschaft erreichen will.
Doch das Ziel der Bundesregierung, alle Haushalte mit mindestens 50 Megabit zu versorgen, könne nur ein Etappenziel sein, mahnte Bitkom-Chef Thorsten Dirks auf dem IT-Gipfel. Der Breitbandausbau koste viel Geld, betonte er. Doch ohne diese Investitionen verliere Deutschland die Schlüsseltechnik für die digitale Gesellschaft.
Dabei ist die IT-Branche inzwischen der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber hinter dem Maschinenbau. Bei den Unternehmen der Bereiche Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik soll der Umsatz laut Bitkom 2015 um 1,9 Prozent auf 156 Milliarden Euro wachsen. Bis Jahresende erwartet der Branchenverband erstmals mehr als eine Million Beschäftigte in der IT.
Doch Deutschland ist bei der Digitalisierung lediglich im Mittelfeld: Mit 53 von 100 möglichen Indexpunkten erreichte es nur den sechsten Platz von zehn Ländern - das Ergebnis des Berichts Wirtschaft Digital von TNS Infratest und ZEW Mannheim im Auftrag des Bundeswirtschaftsministers.
Dr. Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland, ortet die Gründe in der Zurückhaltung bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Geschäftsmodellen im Mittelstand. „Es geht deshalb auch darum, konkrete Anwendungsszenarien und Praxisbeispiele zu zeigen und den Nutzen der Digitalisierung in unterschiedlichen Bereichen deutlich zu machen.“
Erfolgsgeschichten der digitalen Transformation
Solche Beispiele gibt es. „Der digitale Standort Deutschland hat bereits viele Erfolgsgeschichten geschrieben – Erfolgsgeschichten, die mich optimistisch stimmen, dass die digitale Transformation in Deutschland ein Erfolg wird“, betont der Microsoft-Manager in einem Beitrag im Presseblog von Microsoft.
Ein Beispiel für erfolgreiche Digitalisierung eines Traditionsunternehmens ist Thyssen Krupp Elevators, das auf Basis von IoT (Internet of Things)-Technologien seinen Service verbessert hat und einen weiteren Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz geschaffen hat.
Auch ein Start-up wie Sensorberg gehört zu diesen Erfolgsgeschichten. Das Unternehmen bietet eine Beacon-Infrastruktur an, mit der kleine Bluetooth-Sender/Empfänger und mobile Apps verknüpft werden. Zu den Kunden gehören die Deutsche Messe AG, die Standinfos via Beacon auf die Messe-App überträgt oder Außenwerber Ströer und die Bahn, die im Bahnhof Düsseldorf Werbeaktionen und Coupons auf die Smartphones der Besucher überträgt.
Die Kooperation der drei Unternehmen Bahn, Ströer und Sensorwerk zeigte: Die Digitalisierung ist keine Aufgabe für Einzelkämpfer. In diese Richtung ging auch ein wichtiger Vorschlag des Branchenverbandes Bitkom auf dem nationalen IT Gipfel: Die Schaffung von Hubs für Leitbranchen wie Automotive, Logistik, Pharmazie oder Banken und Versicherungen.
In diesen Hubs sollen die Flaggschiffe der Branche gemeinsam mit Mittelständlern und Start-ups, Hochschulen und Forschungseinrichtungen an der digitalen Transformation arbeiten. „Wir sollten dort ähnlich wie im Silicon Valley all das zusammenbringen, was ein funktionierendes digitales Ökosystem braucht“, sagt Bitkom-Chef Thorsten Dirks. „Es wäre genau der Leuchtturm, von dem wir so oft sprechen, mit weltweiter Strahlkraft. Orte, an denen sich die digitale Avantgarde versammelt.“
Der Monitoring-Report Wirtschaft Digital
Dr. Klaus von Rottkay über digitale Erfolgsgeschichten
Die IoT-Lösung von Thyssen Krupp Elevators
Die Beacon-Plattform von Sensorberg
Weitere Beispiele bei Microsoft
Vorschläge des Bitkom zum IT-Gipfel
Bildquelle: Thinkstock/ Moodboard