„Wir sind doch total unbedeutend, bei uns gibt es nichts zu holen.“ In der Top Ten der Ausreden für mangelnde IT-Sicherheit hat dieser Satz wohl eine Spitzenposition, vor allem bei kleinen Unternehmen. Doch leider ist nichts zu unbedeutend, als dass es nicht sofort ausgespäht würde.
Zum Beispiel ein Wasserwerk. Der TÜV Süd hat vor kurzem ein aufschlussreiches Experiment abgeschlossen. Für acht Monate simulierten die Sicherheitsexperten mit einer virtuellen Infrastruktur die Einrichtungen und Server eines nicht besonders beeindruckenden Wasserwerks in einer deutschen Kleinstadt.
Schon nach kurzer Zeit war klar, dass Infrastrukturen und Produktionsstätten gezielt ausgeforscht werden. Mehr als 60.000 Zugriffe verzeichneten die Server. Die Hacker kamen aus der ganzen Welt und nutzen teils verschleierte IP-Adressen. „Damit konnten wir nachweisen, dass selbst eine relativ unbedeutende Infrastruktur im Netz wahrgenommen und ausgeforscht wird“, sagt Dr. Thomas Störtkuhl, Senior Security Experte und Teamleiter Industrial IT Security bei TÜV Süd.
Sorgloser Umgang mit Technologie
Dies heißt für so gut wie jedes Unternehmen, dass der Hacker-Angriff bereits geschehen ist oder im Moment geschieht. Vor allem die komplexe und verteilte IT-Struktur von digitalen Geschäftsmodellen bringt neue Gefahren, bei denen herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen wie eine Firewall oder Virenschutz längst nicht mehr ausreichen.
Doch laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage haben die ersten Unternehmen das Problem erkannt. So planen 17 Prozent der Unternehmen konkret, eine Verschlüsselung ihrer Daten einzuführen, 18 Prozent wollen in naher Zukunft E-Mails verschlüsseln und ebenfalls 18 Prozent stehen vor der Einführung eines Angriffserkennungssystems.
Doch häufig sind es nicht Cyberkriminelle, die für Sicherheitsprobleme in den Unternehmen sorgen, es ist der sorglose Umgang mit der Technologie durch die Anwender. Dies betrifft vor allen Dingen die Enterprise Mobility. Nach der IDC-Studie „Mobile Security in Deutschland 2015“ gehen etwa 43 % der Sicherheitsvorfälle auf das Konto der Mitarbeiter.
Ein Beispiel: In den letzten zwei Jahren verloren 39 % der befragten Fachbereichs-Verantwortlichen ein Smartphone mit darauf befindlichen Business-Daten, 10 % sogar öfter als einmal. Dagegen ist kein technologisches Kraut gewachsen, deshalb empfiehlt IDC auch Anwender-Trainings als wirksamstes Mittel.
„Die Sensibilisierung der Mitarbeiter muss in deutschen Unternehmen künftig einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen“, sagt Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC. „Denn für viele Unternehmen ist das Anwenderfehlverhalten nach wie vor die größte Hürde bei der mobilen Sicherheit. Am Ende ist eine Security-Lösung wirkungslos, wenn der Mitarbeiter sie umgeht.“
Umfassende Sicherheits- und Datenschutzkultur
Sicherheitsverletzungen haben Wirkungen, die weit über die Kosten der Problemlösung hinausreichen. Das Vertrauen der Kunden und das Image der Marke können irreparabel geschädigt werden. Besonders neue, digitale Geschäftsmodelle müssen durch den Aufbau einer umfassenden Sicherheits- und Datenschutzkultur abgestützt werden. Dies kann nur im Rahmen einer Sicherheitsstrategie geschehen, die drei wichtige Aspekte berücksichtigt:
Digitale Geschäftsmodelle befinden sich in einem digitalen Raum, der gewissen Eigengesetzlichkeiten gehorcht. So ist beispielsweise die Wechselbereitschaft von Kunden deutlich höher. Je digitaler das Geschäftsmodell Modell ist, desto leichter und kostengünstiger ist der Wechsel für einen unzufriedenen Kunden.
Sollten Sicherheitsbrüche bekannt werden, können sie binnen kürzester Frist zu einer Abwanderung großer Kundenmassen und zu einer Implosion des Geschäftsbetriebs führen. Die einzige Konsequenz: Für jedes digitale Geschäftsmodell sind umfassende IT-Sicherheit, Datenschutz und eine strikte Sicherheitskultur die unverzichtbare Basis.
Das simulierte Wasserwerk des TÜV Süd.
Die IDC-Studie „Mobile Security in Deutschland 2015“
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