Digitales Wirtschaftswunder

Prozesseffizienz alleine reicht nicht für die Zukunft

Langsam entsteht in der deutschen Wirtschaft Aufbruchsstimmung in Sachen „Digitale Transformation“. Doch es darf nicht bei bloßen Effizienzfortschritten bleiben.

Die Botschaft von der digitalen Transformation hat die deutsche Wirtschaft auf breiter Front erreicht, wie die Ergebnisse verschiedener aktueller Studien recht eindeutig aussagen. Laut dem vom BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) und der Unternehmensberatung PwC gemeinsam erhobenen aktuellen „Mittelstandspanel“ setzt etwa jedes dritte Industrieunternehmen aus dem Mittelstand digitale Technologien für Vertrieb und Absatz ein.

Eine Studie des IT-Dienstleisters Materna und des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens PAC ergab, dass jeder zweite Manager aus Vertrieb, Marketing und HR eine Digitalisierungsinitiative vorbereitet. Ihnen ist deutlich bewusst, dass sich die Wirtschaft wandelt.

Fast drei Viertel der Befragten stellen fest, dass sich Ihr Unternehmen in den letzten zwei Jahren durch die Digitalisierung deutlich oder sogar sehr stark verändert hat. Und etwa ebenso viele Befragte vermuten, dass sich dieser Trend in den nächsten zwei Jahren fortsetzen wird.

„Insgesamt lassen die Umfrageergebnisse den Schluss zu, dass in Deutschland bei der digitalen Transformation eine echte Aufbruchsstimmung herrscht. Daher gehen wir davon aus, dass immer mehr Unternehmen konkrete Digitalisierungsprojekte für die Funktionsbereiche Vertrieb, Marketing und Personalwesen starten werden“, erläutert Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets bei PAC.

Für die Untersuchung befragte PAC im Juli 2015 Leiter aus HR, Vertrieb und Marketing von 100 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 500 Mitarbeitern. Für viele dieser Firmen ist die Digitalisierung längst keine kurzfristige Modeerscheinung mehr. Beinahe 60 Prozent der Führungskräfte sieht das Innovationspotential der digitalen Transformation innerhalb der eigenen Organisation noch nicht ausgeschöpft.

Prozesseffizienz steht im Vordergrund

Zu den geplanten Digitalisierungsinitiativen der Personalleiter zählen unter anderem die Identifikation und Förderung von Fach- und Führungskräften sowie Employee Branding. Doch auch Themen wie die Digitalisierung von HR-Papierakten, inklusive intelligenter Suche, und die Kostenreduktion bei HR-Prozessen verfolgen die Manager mit ihren Projekten.

Auf der digitalen Agenda der Vertriebs- und Marketingmanager stehen personalisierte Kampagnen und ein über alle Kanäle durchgängiges Nutzererlebnis. Die Führungskräfte sehen aber auch Bedarf für eine verbesserte IT-gestützte Zusammenarbeit zwischen Vertrieb und Marketing.

Die Art der geplanten Projekte zeigt eindeutig, dass die digitale Transformation der Unternehmen zuerst im Inneren beginnt. Ein sehr wichtiger Bereich ist die Verbesserung der Arbeitsabläufe im Rahmen von Vertriebs-, Marketing- und Recruitment-Strategien.

Auffällig ist, dass in beiden Untersuchungen eher die Prozesseffizienz im Vordergrund steht. So nennen zum Beispiel im Mittelstandspanel gut 83 Prozent der Befragten die Optimierung von Geschäftsprozessen als wichtigen Nutzen der Digitalisierung. Neue Geschäftsmodelle (28,6 Prozent) und Produkt-/Dienstleistungsinnovationen (43,7 Prozent) rücken jedoch deutlich seltener in den Fokus der Unternehmer.

Wird das schon ausreichen, um ein digitales Wirtschaftswunder auszulösen? Reine Effizienzinnovationen sind sicher nur die halbe Digitalisierung. Denn obsolete Produkte und Services können auch durch noch so viel Effizienz nicht gerettet werden.

Das Management eines Unternehmens muss frühzeitig überlegen, ob die bisherigen Geschäftsmodelle auch in fünf oder zehn Jahren noch funktionieren. Wie das viel zitierte Beispiel von Kodak und der Digitalkamera zeigt, ist das nicht einfach. Wichtig ist jedoch eine strukturierte Digitalisierungsstrategie.
Ein gutes Beispiel dafür ist General Electric (GE). Der traditionsreiche Mischkonzern ist in den Bereichen Energie, Gesundheit, Finanzierung und Transport aktiv und bereitet sich bereits jetzt auf eine „nachindustrielle“ Zukunft vor.

Dafür setzt GE stark auf Software und Analytics, was sich auch an den Firmenübernahmen der letzten drei Jahre zeigte: Etwa 1,5 Milliarden Dollar flossen in diesen Sektor. Inzwischen kann das Unternehmen eine Reihe von Produkten aus den Bereichen Big Data und Industrial Internet anbieten und ist somit bereits in zwei wichtigen Digitalmärkten aktiv.

Links:
BDI-Mittelstandspanel
PAC/Materna-Studie zur digitalen Transformation
Fallbeispiel: Die digitale Transformation von General Electric


Bildquelle: Thinkstock/ Wavebreak Media

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