Verwaiste Warenkörbe

Wenn der Online-Einkauf zu umständlich wird

Einkaufabbrüche sind ein großes Problem im E-Commerce. Meist sind wenig effektive Webshops der Grund: Sie sind nicht für den reibungslosen Einkauf optimiert.

Dass ein Kunde den Laden ohne einzukaufen wieder verlässt, kommt oft vor. Aber ein Kunde, der seine Sachen an der Kasse ablegt und dann schnell flüchtet? In Webshops ist das die Realität. E-Commerce-Spezialisten wissen, dass etwa jeder zweite Einkauf trotz vollem Warenkorb abgebrochen wird.

Die E-Commerce-Analysten von trbo aus München haben in einer aktuellen Studie nachgefragt. Spitzenreiter unter den Abbruchgründen sind zu hohe Versandkosten (57 Prozent) und nicht ausreichende Zahlungsmethoden (53 Prozent). Diese Zahlen sind von der Größenordnung her nicht besonders neu, sie werden bereits seit Jahren von der Branche kolportiert.

Trotzdem ist es erstaunlich, dass die altbekannten Gründe immer noch wirksam sind. Der Hintergrund ist vermutlich die traditionell geringe Marge im Handel, die gerade durch Dinge wie Versandkosten und die Nebenkosten von Zahlungssystemen unter Druck gerät.

Kunden lieben Kauf auf Rechnung

Die Berliner Digital Agentur Creative Construction hat zum Thema Zahlungssysteme alle Fakten zusammengetragen und stellt fest: Es gibt sehr viel ungenutztes Potential, aber auch eine große Diskrepanz in den Interessen von Händlern und Kunden.

Ganz typisch: Händler bevorzugen Vorkasse, Kunden dagegen die Rechnung. Doch auch bei anderen Zahlungssystemen gibt es bei den Shops noch Nachholbedarf. So dürften Online-Händler ihre Kaufabbrüche stark senken können, wenn sie auf jeden Fall die beliebtesten Zahlverfahren anbieten: Rechnung, Lastschrift, PayPal und die Kreditkarte. Letztere wird von einem guten Drittel aller Kunden genutzt und hat sich damit für deutsche Verhältnisse recht weit verbreitet.

Wer dagegen in erster Linie auf exotische Verfahren wie die Sofortüberweisung oder umständliche wie Vorkasse setzt, spricht nur eine Minderheit der Kunden an. Doch eine große Auswahl an Zahlungsverfahren noch lange keine Garantie für ein Sinken der Kaufabbrüche. Aus der trbo-Analyse lässt sich ableiten, dass Kunden auch von Umständlichkeiten und lästigem Herumklicken vertrieben werden.

Ganze 39 Prozent finden das Anlegen eines Kundenkontos zu aufwändig. Und ein langer, eher mühseliger Kaufprozess im Allgemeinen war für ein knappes Viertel (23 Prozent) ein Grund, die Bestellung nicht abzuschließen.

PayPal für die Ein-Klick-Bestellung

Kurz: Einkauf und Checkout sollten möglichst flott und bequem über die Bühne gehen, sonst geht der Kunde lieber zur Konkurrenz. Die nutzt schon seit Jahren die Ein-Klick-Bestellung, um den Onlinern das Geldausgeben möglichst einfach zu machen.

So etwas ist auch für kleine Shops zu verwirklichen: Mit PayPal oder einem Login-Service. Bei PayPal muss ein Kunde nur Mailadresse  und Kennwort eingeben, Name und Lieferadresse können aus den PayPal-Daten ausgelesen werden.

Eine andere Alternative, die zumindest das Erzeugen eines Shop-Kontos mit einem Klick möglich macht, ist der Einsatz des Logins via Facebook, Google oder Microsoft-Konto. Dann sind alle wichtigen Daten bereits vorhanden und der Kunde kann direkt loslegen mit dem Einkauf.

„Bereits ein Verschlanken des Registrierungsprozesses kann die Zahl der Warenkorbabbrecher deutlich verringern," meint Dr. Daniel Kirchleitner, Geschäftsführer der trbo GmbH. „Viele weitere Abbruchgründe können mit intelligenten Lösungen einfach und rechtzeitig erkannt werden, bevor es zum Verlust des Kunden kommt."

 

Links:
Die trbo-Analyse zu Kaufabbrüchen
Die Infografik von Creative Construction zu Zahlverfahren

Bildquelle: Thinkstock/ iStock
 


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