Zuerst gab es das übliche Jammern und Klagen: Politiker und Unternehmer benörgelten auf der Internetkonferenz DLD den digitalen Rückstand. „Zu wenig, zu spät, zu langsam“, meinte Jens Spahn (CDU). Europa drohe den Anschluss bei der Digitalisierung zu verpassen. Es werde zu wenig Geld in neue Geschäftsmodelle investiert und viel zu viel über Regulierung geredet.
Oliver Samwer, CEO von Rocket Internet, beklagte die niedrige Risikobereitschaft hierzulande. Es fehle eine starke Start-up-Kultur wie in den USA. Doch die „Digital Live Design“, wie die vor elf Jahren von Hubert Burda ins Leben gerufene Konferenz ausgeschrieben heißt, bietet weitaus mehr als nur die Kunst der Klage.
Sie gibt interessante Einblicke in die digitale Wirtschaft sowie die Zukunftsvorstellungen zahlreicher Unternehmer. Ein paar auf der DLD vorgestellte Trends werden die nächsten Jahre bestimmen. Sie gehören damit zu den Rahmenbedingungen für das digitale Wirtschaftswunder.
Mal mehr arbeiten, mal weniger, mal hier, mal dort, mehr als einen Job haben, gleichzeitig oder nebeneinander – das sind die Merkmale der Gig Economy. Ein „Gig“ ist ein Kurzzeitjob, meist digital vermittelt. Oft handelt es sich dabei nicht um Jobs mit Arbeitsverträgen, sondern um Aufträge für Solo-Selbstständige.
In einer Podiumsdiskussion mit Gig-erfahrenen Praktikern ging es um die Hintergründe dieser Geschäftsmodelle. Besonders interessant waren die Beiträge eines Fahrers von Uber. Auch dieses Unternehmen gehört zur Gig-Ökonomie, denn der Fahrer bestimmt selbst, wie oft und wie lange er Fahrten annimmt.
Der Münchner Samuel Glöggl hat das Potential von Uber früh erkannt und ist vom Fahrer zum Unternehmer geworden: Er besitzt mehrere Wagen und lässt andere für sich fahren. Ebenfalls erfolgreich als Unternehmerin ist Brit Morin, die mit einem DIY-Portal in die Gig Economy eingestiegen ist.
Die wichtigste Erkenntnis des Panels: Wer die Gigs als Leiter zum Aufstieg auf die Unternehmerebene nutzt, kann sie rasch hinter sich lassen. Die Frage ist allerdings, welche Zukunft eine solche Arbeit hat. Denn durch den Globalisierungseffekt des Internets entsteht eine Preiskonkurrenz zwischen Millionen von Clickworkern. Wird es bald nur noch prekäre Jobs dieser Art geben?
Sehr eng verwandt damit ist die Sharing Economy. Hier lautet das einschlägige Stichwort „AirBnB“. Ein Vertreter dieses Unternehmens und ein Journalist vom Wired Magazine diskutierten über die Details des Geschäftsmodells und die Frage, ob es Auswirkungen auf die Hotellerie-Branche hat. Und in einem weiteren Panel diskutierten Experten über datengetriebene Geschäftsmodelle, die zu den großen Stärken des Silicon Valley gehören.
Alle bisher erwähnten Trends gehören zur nächsten industriellen Revolution, die Jeremy Rifkin in einem großen Überblick darstellte. Er meinte, dass wir einem fundamentalen Wandel in Gesellschaft und Wirtschaft gegenüberstehen. Seine Wertung ist in erster Linie positiv und er schilderte die ökonomischen und sozialen Möglichkeiten des Wandels.
Einen wichtigen Aspekt der digitalen Transformation beschrieb der Historiker Niall Ferguson: Den Unterschied zwischen Netzwerken und Hierarchien. Die Existenz selbstorganisierender Netzwerken ist für ihn die Voraussetzung für Innovationen. Mit zahlreichen Beispielen aus der Geschichte konnte er diese These belegen.
Um eine weitere Revolution ging es Don Tapscott, nämlich die verteilte, dezentrale Blockchain-Technologie. Bekannt geworden ist sie durch die digitale Währung Bitcoin, aber laut ihrer Verfechter sollen Peer-to-Peer-Datenbanken deutlich mehr können. Tapscott glaubt, dass diese Technologie einen ähnlichen Effekt haben wird wie das Internet.
Panel zur Gig Economy
Panel zur Sharing Economy
Panel zu Data-Driven Business
Panel zur digitalen Transformation
Jeremy Rifkin über die nächste industrielle Revolution
Niall Ferguson über Hierarchien und Netzwerke
Don Tapscott über die Blockchain-Technologie
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