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31.08.2017 SAP-Partner beraten in Sachen Cloud Computing

Die Cloud ist im Mittelstand bereits Realität

Im Interview berichtet Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets bei PAC Deutschland, wie es um die Cloud-Nutzung im deutschen Mittelstand bestellt ist und worauf es bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters zu achten gilt.

Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany

„Für viele Firmen auch in Deutschland ist die Cloud bereits Realität, da sie Cloud-basierte IT-Infrastruktur oder Cloud-basierte Anwendungen verwenden", weiß Frank Niemann, Vice President Software & SaaS Markets bei PAC Germany, zu berichten.

ITM: Herr Niemann, wie steht es hierzulande um die Digitalisierung im industriellen Mittelstand?
Frank Niemann:
Die Digitalisierung findet bereits seit einer Weile statt, auch wenn wir das früher nicht so bezeichnet haben. Mittelständische Unternehmen nutzen die Digitalisierung, um ihre bestehenden Abläufe zu automatisieren, zu verschlanken und effizienter zu gestalten. Zudem entwickeln einige Firmen Ideen für neue Services. Das Thema Kundendialog sowie die Vernetzung innerhalb von Wertschöpfungspartnern spielt bei der Digitalisierung eine zentrale Rolle dabei.

Mittelständler setzen die Digitalisierung primär im Bereich Industrie 4.0 in der Fertigung um. Es sind darüber hinaus Unternehmen des gehobenen Mittelstands bzw. Marktführer in einer Nische, die smarte Services wie etwa die vorausschauende Wartung („Predictive Maintenance“) als Ergänzung zu ihren Produkten entwickeln und sich damit positionieren.

Es könnte jedoch deutlich mehr passieren, was die Entwicklung neuer und innovativer Produkte und Services anbetrifft.

ITM: Die Akzeptanz von Cloud-Lösungen scheint in den letzten Jahren gestiegen zu sein, doch wie sieht es mit den Vorbehalten in Sachen Datensicherheit aus?
Niemann:
Die Vorbehalte gibt es noch wie vor. Doch die IT-Branche reagiert nun besser auf diese Vorbehalte in Deutschland. Zudem müssen wir unterscheiden, welche Cloud gemeint ist: Bei der Public Cloud (viele Kunden teilen sich eine Cloud-Infrastruktur) sind die Bedenken oftmals noch größer als bei der Private Cloud (auf der Cloud-Infrastruktur erhält jeder Kunde seinen dedizierten Bereich). Je nach Prozess bzw. Anwendung werden Public- oder Private-Cloud-Services in Anspruch genommen.

Für viele Firmen auch in Deutschland ist die Cloud bereits Realität, da sie Cloud-basierte IT-Infrastruktur oder Cloud-basierte Anwendungen verwenden.

ITM: Das Thema Cloud Computing wird vorrangig von SAP-Partnern betreut. Warum ist dieses Vorgehen gerade in Bezug auf mittelständische Unternehmen wichtig?
Niemann:
Bei Cloud Computing geht es letztendlich wie in der traditionellen IT auch um die Implementierung und Integration von Lösungen, die für den Kunden einen Mehrwert bieten. Dies erfordert im Falle von Cloud-basierten Applikationen Berater bzw. Integratoren, die die Anforderungen des lokalen Kunden in spezifischen Branchen bzw. Marktsegmenten verstehen und umsetzen können.

In Sachen Cloud Computing sind zudem noch Kompetenzen erforderlich, den mittelständischen Kunden bei seiner individuellen Cloud-Roadmap zu unterstützen: Was soll wann in die Cloud? Wie lassen sich In-House und Cloud-Systeme integrieren? Wie können Firmen Cloud-Services von verschiedenen Anbietern managen? Auch dies sind Themen, die ein auf den Mittelstand spezialisierter Dienstleister abdecken muss.

ITM: Welche Frage sollten Mittelständler den Cloud-Anbietern unbedingt stellen, beispielsweise hinsichtlich Datenschutz und Vertragsgestaltung?
Niemann:
Natürlich spielt die Herkunft es Anbieters und der Standort des Rechenzentrums sowie der Ort der Datenspeicherung eine Rolle. Zu beachten ist hierbei auch, dass ein Cloud-Anbieter häufig Dienstleistungen weiterer Dienstleister in Anspruch nimmt, die auch in diese Betrachtung mit einbezogen werden müssen.

Bei den Verträgen sind viele Themen wichtig, hier nur ein paar Beispiele:

  • Support und Reaktionszeit, also wie schnell reagiert der Anbieter, wenn der Kunde ein Problem hat.
  • Rückführung bzw. fristgerechte Löschung der Daten bei Anbieterwechsel oder bei Vertragsende.
  • Compliance: Einhaltung lokaler Gesetze und Verordnungen und branchenspezifische Richtlinien sowie Möglichkeit für Audits.
  • Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Störungsfall, Gewährleistung und Haftung sowie der Gerichtsstand.

ITM: Cloud-Lösungen sind per Definition auf Standardprozesse ausgelegt. Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Mittelständler dann noch bei der Individualisierung ihrer Abläufe?
Niemann:
Es gibt heute Cloud-basierte Anwendungen, die dafür ausgelegt sind, ein Customizing in bestimmtem Rahmen zuzulassen, so dass der Kunde individuelle Anpassungen und Erweiterungen vornehmen kann. Je nach Lösung lässt sich die Individualisierung auch durch eine individuelle Konfiguration vorhandener Funktionen und Workflows, im Bereich Reporting/Datenanalyse und bei der Benutzerschnittstelle.

Zudem lassen sich manche Cloud-Lösungen durch zahlreiche Zusatzfunktionen (Add-ons) ergänzen, die der Anbieter oder dessen Partner entwickelt haben, so dass Firmen auch auf diese Weise eine Individualisierung vornehmen können.

Darüber hinaus verfügen manche Cloud-basierte Anwendungen über umfangreiche Entwicklungsumgebungen, die es erlauben, eigene Apps zu schreiben und diese mit der Anwendung zu verknüpfen.

ITM: Wie sehen/bewerten Sie die Positionierung von SAP Business ByDesign? Wo liegen die Vorteile, wo besteht nach Handlungsbedarf?
Niemann:
Wir halten SAP Business ByDesign für ein mittlerweile ausgereiftes ERP-System aus der Cloud, dass auch international einsetzbar ist, auch für Betriebe aus dem industriellen Mittelstand. Handlungsbedarf besteht unter anderem beim Ausbau des Partnernetzwerks sowie beim Angebot an Zusatzlösungen für E-Commerce, Human Resources etc. Wichtig ist auch, dass SAP Kunden und Partnern deutlich macht, welche Rolle SAP Business ByDesign im Portfolio spielt und spielen wird, da sowohl SAP Business One als auch SAP S/4HANA in der Cloud-Option verfügbar ist.

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