Blick ins Werk der Aerzener Maschinenfabrik
„Dank strafferer Prozesse in der Lieferkette und beim Bestandsmanagement lassen sich unsere Warenvorräte im Lager deutlich senken, so dass wir bis Jahresende gegenüber unserem bisherigen System mit einer Kostenreduzierung von rund vier Millionen Euro rechnen“, sagt Günter Kuhnert, CIO des langjährigen AS/400-Anwenders mit Sitz in Aerzen im Weserbergland. „Wir gehen davon aus, dass sich die neue Lösung innerhalb von zwei Jahren amortisiert hat.“
Die Aerzener Maschinenfabrik GmbH beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter in über 35 Ländern und zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Gebläsen und Verdichtern. Unternehmen aus Energieversorgung, Bergbau oder Halbleiterindustrie setzen die Maschinen ein, um Luft und Wasser zu befördern. Das Unternehmen wurde 1864 gegründet und erwirtschaftete 2011 einen konsolidierten Jahresumsatz von 277 Mio. Euro.
Um die technisch anspruchsvollen Produkte zu entwickeln, benötigt der Maschinenbauer ein Heer an Produktionsmitteln, Bauteilen, Komponenten und Halbfertigprodukten, die er von externen Lieferanten erhält und dann auf Lager legt. Der Wert der Rohwarenbestände im Lager liegt bei rund 20 Mio. Euro – ein Fünftel davon kann nun dank des neuen Auftrags- und Supply-Chain-Managements (SCM) eingespart werden. Dabei kommt die Lösung Abbino des Berliner IBM-Geschäftspartners Nicando sowie die IBM-Software „Advanced Cross Inventory Optimizer“ (Axio) für die Bestandsplanung zum Einsatz.
Nicando implementierte innerhalb von acht Monaten eine umfassende Logistikintegrationslösung auf Basis der Websphere-Produkte Application Server, Message Broker sowie MQ und führte dabei parallel verschiedene neue Anwendungen ein. Den Kern bilden Axio und Abbino. Hinzu kommen Funktionen für den elektronischen Dokumentenaustausch (EDI), eOrdering und eine durch die Lieferanten verwaltete Bestandshaltung (Supplier Managed Inventory). Die Serverkomponente wurde auf einem Bladecenter H mit HS22-Servern und Intel Xeon-Prozessoren implementiert; als Datenspeicher kommt ein IBM-System DS8700 zum Einsatz.
„Der Einkauf im Maschinenbau erfordert heutzutage einen ganzheitlichen Ansatz und darf sich nicht auf Preisreduzierungen beschränken“, erläutert Hanno Hildebrandt, Director Procurement der Aerzener Maschinenfabrik. Fehler bei den Mengenberechnungen benötigter Artikel oder Rohmaterialien sowie Verzögerungen bei der rechtzeitigen Wiederbeschaffung von Waren zum Lagerbestandsausgleich können zudem Kunden verärgern, die Effizienz verschlechtern und die Profitabilität mindern.
Als Unternehmen mit großem Exportanteil ist die Aerzener Maschinenfabrik zudem mit einem hohen Verwaltungsaufwand konfrontiert. Zu jeder Lieferantenbestellung müssen umfangreiche technische und rechtliche Dokumente zusammengetragen werden: ein sich wiederholender, zeitaufwendiger Prozess, der nun automatisiert ist.
Mit der neuen Software für das Lieferantenmanagement lassen sich Lagerbestände auf Knopfdruck simulieren und präzise vorhersagen. Integriert in die Prozesse für Einkauf und Abrechnungen wird die komplette Lieferkette abgedeckt. Axio, bisher bekannt als Dynamic Inventory Optimization Solution (DIOS), analysiert dabei die Bestelldaten, erzeugt optimierte Bestellaufträge für Lieferantenartikel und sendet diese an das ERP-System der Aerzener Maschinenfabrik auf der Plattform IBM i, eine seit Jahren bestens bewährte Eigenentwicklung.
Die SCM-Lösung zieht mehrere Faktoren wie Verfügbarkeit, Nachfrageschwankung, Bestellzeit, Losgröße sowie Überschuss- und Minderbestände heran, um den Lagerbestand schnell zu senken und gleichzeitig die Verfügbarkeit zu verbessern. Das spart zwischen drei und vier Millionen Euro ein, gemessen gegen die bisherigen Annahmen. Nach Berechnungen von IBM kann das Umlaufvermögen im Lager bei der Aerzener Maschinenfabrik nach diesem Integrationsprojekt und mit Einsatz von Konsignationslägern innerhalb eines halben Jahres um circa vier Millionen Euro gesenkt werden. Damit würden die ambitionierten Einsparziele sogar noch übertroffen.
Die Bedarfs-, Bestands- und Zahlungsdaten werden aus unterschiedlichen Geschäftsanwendungen erfasst und in einer Portalanwendung konsolidiert. Axio analysiert die Daten und gibt die Ergebnisse an die eingebundenen ERP-Systeme weiter. Alle Aufträge an Lieferanten, die über die B2B-Integrationslösung Abbino abgewickelt werden, greifen auf Daten aus dem ERP-System und der Archivlösung zu und können von den Lieferanten automatisiert weiterverarbeitet werden.
Durch den Austausch sämtlicher EDI-Daten über den Websphere Message Broker und Websphere MQ entfallen die bisherigen Kosten für die Unterstützung mehrerer Plattformen. Bisher aufwändige Abstimmungen per Fax und Telefon lassen sich nun durch eine effiziente Online-Kommunikation ersetzen.
Bildquelle: Aerzener Maschinenfabrik