Einer der Gründe für die Wahl des SAP-Moduls war es, auf diese Weise auch international eine einheitliche Software für die logistischen Prozesse einsetzen zu können. Die zentral vorgegebene Lösung jetzt auch im nahe Straßburg gelegenen Distributionszentrum einzuführen, war dennoch mehr als ein simples Rollout. Auch wenn Produkt- und Artikelspektrum weitgehend identisch sind, so unterscheiden sich Umstände und Abläufe in den beiden Lägern doch deutlich. Das machte weitreichende Anpassungen erforderlich.
Stabilo France, die ihre Ware zum weit überwiegenden Teil aus den Stabilo-Produktionsstätten in Deutschland, Tschechien und Asien bezieht, differenziert zwischen zwei klar unterschiedenen Kundengruppen. Unter der Bezeichnung „modern trade“ (MT) versteht man hier Großabnehmer wie die großen Kaufhäuser und die Einzelhandelsketten. Der „traditional trade“ (TT) hingegen umfasst den klassischen Schreibwarenhandel.
Die Großkunden nehmen Ware regelmäßig karton- oder palettenweise ab. Häufig wird sie an einem zentralen Hub des Kunden angeliefert, von wo aus dieser die Unterverteilung selbst vornimmt. Dem MT-Geschäft trägt Stabilo France schon dadurch Rechnung, dass der Großkundenabwicklung ein eigener Lagerbereich zugeordnet ist mit jeweils eigenen Einlager- und Kommissionierstrategien sowie separaten Packplätzen.
Das Distributionszentrum in Weißenburg arbeitet in vielen Bereichen automatisch und ist mit hoch entwickelter Förder- und Kommissioniertechnik ausgestattet. Demgegenüber reichen im Lager der französischen Landesgesellschaft manuelle Abläufe vollständig aus. Einlagerung und Nachschub erfolgen mit Staplern, die Kommissionierung nach dem Prinzip Mann zur Ware wegeoptimiert mit Kommissionierwagen.
Nichtsdestotrotz waren ausgeklügelte Strategien zu berücksichtigen und die Gelegenheit der Einführung des SAP LES wurde gerne genutzt, um technisch und bei den eigenen Abläufen weitere wesentliche Fortschritte zu erzielen. Die Zielplatzermittlung bei der Einlagerung etwa ist ein mehrstufiger Prozess. Das LVS orientiert sich zunächst an Kriterien wie Lager- und Lagerplatztypen sowie Höhen- und Gewichtsklassen. Innerhalb der derart eingeschränkten Menge von Plätzen wird der nächste freie Platz gemäß der für den Lagertyp eingestellten Einlagerstrategie gewählt. Sortierschlüssel ordnen die Plätze zusätzlich nach günstiger Erreichbarkeit. Nachgeschoben wird dann nach Lieferungsbedarf (höhere Priorität) und nach Mindestbestand (geringere Priorität).
Über ein releasefähiges LVS-Template wird die Anbindung an das gruppenweite SAP-System gewährleistet – lückenlos von der Bestellavise bis zur Bestandausbuchung. Zugleich wurde die bestehende Weißenburger Lösung um die erwähnten spezifischen Funktionen und Anforderungen eines manuellen Lagers erweitert, die zum Teil durch den Einsatz von Datenfunktechnik und mobilen Endgeräten abgebildet werden. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass künftige Updates der SAP-Basissoftware übernommen und SAP-Servicepacks einfach eingebaut werden können. Dadurch ist auch künftig stets gewährleistet, dass Stabilo auf aktuellstem SAP-Stand arbeitet.