06.03.2017 Jobrouter treibt die Internationalisierung voran

Automatisierter Prozess für Mifid II

Die Mannheimer Jobrouter AG, global aktiver Hersteller einer branchenübergreifenden Digitalisierungsplattform, verstärkt jetzt das Engagement in Großbritannien und hat ein neues Produkt entwickelt, mit dem Banken und Finanzdienstleister ihrer künftigen Meldepflicht nach Mifid II nachkommen und sich absichern können.

Fritz-Jochen Weber, Vorstandsvorsitzender der Jobrouter AG

Jayesh Patel, ehemaliger „Director of Operations“ bei Kofax und Experte für den Bereich Finanzservices, ist seit Jahresbeginn Managing-Direktor für die neu gegründete Niederlassung in UK. Er bringt über 30 Jahre Erfahrung in Sachen Prozessautomatisierung und Workflow-Management mit.

Die zweite News betrifft die euro­päische Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Sie soll die Geldwäsche durch den Kauf und Verkauf von Aktien erschweren und bis Ende 2017 von allen Banken und Finanzdienstleistern flächen­deckend umgesetzt werden. Mifid II entscheidet künftig darüber, wer Anlagegeschäfte durchführen kann. Banken und Anlageberater erhalten detaillierte Vorgaben, wie Kunden­geschäfte anzubahnen, zu vergüten und zu dokumentieren sind. Sie müssen folglich Informationen über den Antragsteller einholen und diese an die Deutsche Börse oder einen anderen „Approved Reporting Mechanism“ (ARM) übergeben. Daraufhin werden diese Informationen an eine zentrale Datenbank weitergegeben.

Hier setzt Jobrouter mit einem neuen Prozess an. Banken erhalten eine Rückversicherung, dass ihre gemeldeten Informationen auch tatsächlich so ankommen und von der ARM weitergegeben werden, wie sie verschickt wurden.

Dieser Schritt war in der Vergangenheit zeitweise instabil und hat wenig Transparenz und Sicherheit ermöglicht. Der Informations­austausch erfolgt über einen Standard, mit dem Jobrouter kompatibel ist. Dafür gibt es sowohl Kooperationsverträge mit ARMs als auch mit den Telekommunikationspartnern, die den Nachrichtenaustausch zwischen Banken weltweit organisieren. Anläßlich all dieser News befragten wir Fritz-Jochen Weber, den Vorstandsvorsitzender der Jobrouter AG – auch zur Positionierung im Umfeld von IBM i.

„Im gehobenen Mittelstand zuhause!“

Herr Weber, die Jobrouter AG verstärkt das Engagement in Großbritannien. Warum?
Fritz-Jochen Weber: Wir sind seit einigen Jahren dabei, die internationale Präsenz auszubauen. Deshalb ist es für uns nur logisch, dass wir auch nach England gehen. Großbritannien ist ein Markt, in dem wir erhebliche Chancen sehen.

Warum jetzt, wo doch wegen des Brexit viele Fragen offen sind?
Weber: Es gibt zwar offene Fragen, dennoch sind wir überzeugt, dass Großbritannien auch weiterhin ein wichtiger Wirtschaftspartner zu Deutschland bleiben wird.

Was sprach dafür, selbst aktiv zu werden – statt über Partner?
Weber: Wir planen auch in Groß­britannien mit einem Partnernetz. Damit dieses vor Ort aufgebaut und kompetent unterstützt werden kann, brauchen wir aber eine Niederlassung im Land. Das kann man nicht alles von Mannheim aus managen.

Zudem gibt es viele sehr große Unternehmen in Großbritannien, ins­besondere in der Finanzindustrie. Aus Erfahrung wissen wir, dass Unternehmungen dieser Kategorie den Hersteller vor Ort verlangen.

In Deutschland ist die Jobrouter AG auch durch viele Partner vertreten, arbeitet aber zusätzlich im Direktvertrieb. Wie wird das möglichst konfliktfrei organisiert?
Weber: Wir haben mit unseren Partnern keine Konflikte, weil wir uns an klare Spielregeln halten. Das ist das Wichtigste, um Vertrauen aufzubauen.
Wir geben jede Anfrage, die an uns gerichtet wird, an einen entsprechenden Partner weiter. Das schätzen unsere Partner sehr. So kommt es auch vor, dass wir im Auftrag von Partnern bei deren Endkunden aktiv sind. Direkt bedienen wir nur Kunden in der „Elefantenklasse“. Solche also, die nicht bei Partnern kaufen würden.

Erst jüngst wurde das Engagement für IBM-Kunden durch eine Partnerschaft mit der Flex-net.ag ausgebaut. Wie wichtig ist dieses Marktsegment für Jobrouter?
Weber: Sehr wichtig. Diese Kunden sind mehrheitlich dem gehobenen Mittelstand zuzuordnen. Das ist unser wichtigster Anwenderkreis. Hinzu kommt, dass sich Jobrouter ideal anbietet, um die alten Notes-Anwendungen abzulösen.

Zu welchen Anwendungssystemen auf der Plattform IBM i existieren bereits Schnittstellen? Welche technischen Systemvoraussetzungen sind dafür zu schaffen?
Weber: Wir haben Schnittstellen zu DCW und verschiedenen Archiv-Lösungen. Um Jobrouter allgemein gut anzubinden, braucht es nur eine ODBC-Datenbankverbindung.

Aktuell lancieren Sie das neue Mifid-II-Produkt. Wie schätzen Sie das Marktpotential dafür ein?
Weber: Da alle Banken mit einem Investment-Bereich von Mifid II betroffen sein werden, ist der potenzielle Kundenkreis sehr groß. Insofern errichten wir ein neues Angebot – sowohl für Bestandskunden in diesem Sektor als auch für Neukunden.
Im Laufe dieses Jahres werden wir auch eine Swift-Anbindung realisieren und damit ebenso im Bereich der internationalen Handelsabwicklung – Stichwort „Trade Finance“ – interessante Angebote machen. Dies richtet sich dann nicht nur an Banken, sondern auch an international operierende Unternehmen.

Könnten Sie bitte kurz erklären, wie das Produkt funktioniert?
Weber: Es handelt sich um eine umfassende Plattform für die Digitalisierung eines Unternehmens. Dabei steht Jobrouter nicht in Konkurrenz zu den klassischen ERP-Systemen, sondern bindet diese ein. Wir bieten eine Entwicklungsplattform, mit der man schnell und mit wenig Codierung ganze Systeme sowie Prozesse, Daten und Dokumente digital verbinden kann.

Unternehmen nutzen Jobrouter im ersten Schritt oft dafür, manuelle Prozesse elektronisch abzubilden, um ihre Effizienz zu steigern. Das spannende an Jobrouter ist, dass auch im Nachhinein beliebige Systeme, Daten und Dokumente einbezogen werden können, da die Lösung skalierbar und agil ist.

Bereits integriert sind das Archiv sowie die intelligente Belegerkennung – in diesem Kontext wesentlich effektiver und billiger als entsprechende Stand­alone-Lösungen. Zusätzlich zur ebenfalls vorhandenen regelbasierten Prozessautomatisierung wird Jobrouter neue Funktionen zur Inhalts-­gesteuerten Automation anbieten.

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