Autobauer und Versicherer als Vorreiter?

„Big Data“ in der Praxis

Automobilbauer und Versicherungen sind in Deutschland Vorreiter bei der Nutzung von Big-Data-Analysen. Jeweils 21 Prozent der Unternehmen in diesen Branchen setzen diese Methoden der Datenanalyse ein. Das hat eine gemeinsame Studie von Bitkom Research und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ergeben.

Ebenfalls zur Spitzengruppe gehören Chemie- und Pharma-Unternehmen mit 20 Prozent sowie die Energiewirtschaft mit 19 Prozent. „Big-Data-Analysen liefern den Unternehmen die Grundlage für fundierte Entscheidungen“, sagt Dr. Mathias Weber, Big-Data-Experte des Branchenverbandes. „Big Data“ werde zum Beispiel in der Produktionsplanung, im Risikomanagement oder in der Kundenanalyse eingesetzt. Damit können Unternehmen die Produktivität erhöhen oder das Umsatzwachstum ankurbeln.

„Das größte Potenzial von Big Data liegt in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle“, glaubt Weber. Insbesondere in Kombination mit anderen Technologien wie „Cloud Computing“ oder mobilen Anwendungen entstünden derzeit zahlreiche neue Online-Dienste, die von Start-ups oder etablierten Unternehmen auf den Markt gebracht werden.

Mit Big-Data-Analysen werden große Datenmengen aus verschiedenen Quellen in hoher Geschwindigkeit ausgewertet. Basis der Technologie sind Methoden der Speicherung und Verarbeitung von Daten wie In-Memory-Computing (schon mit der Vorstellung der AS/400 im Jahr 1988 eingebaut in die heute DB2 for i genannte integrierte Datenbank) oder nicht-relationale Datenbanken.

Verschiedene Szenarien simulieren

In Unternehmen fließen neben Stammdaten zum Beispiel Informationen aus dem Kundenmanagement, Sensordaten von Maschinen oder Geräten oder externe Daten wie Wetterprognosen in die Analysen ein. „Mit Big Data können verschiedene Szenarien simuliert werden, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten“, sagt Weber. Davon könnten Unternehmensbereiche wie Produktion, Marketing oder Controlling profitieren.

Nach den Ergebnissen der Umfrage zählen bei der Nutzung fortschrittlicher Big Data Analysen die Branchen Telekommunikation (16 Prozent), Handel (14 Prozent), Banken (13 Prozent) und IT/Elektronik (12 Prozent) zum Mittelfeld. Schlusslichter sind die Wirtschaftszweige Transport und Logistik mit einem Anteil von 2 Prozent sowie die Medien mit 1 Prozent.

Doch gerade bei Verlagen und Logistikdienstlern ist seit jeher die AS/400 stark verbreitet, so dass der Verdacht naheliegt, dass die angeblich „repräsentative“ Umfrage aufgrund der marketinggetriebenen Suggestiv-Frage die Wirklichkeit verzerrt, weil für die Studienteilnehmer aus diesen Branchen „Big Data“ kein Hypethema mehr ist, sondern längst gelebte Praxis. Denn die Angaben basieren auf der Frage: „Inwieweit nutzt oder plant ihr Unternehmen fortgeschrittene Analysen von Daten unterschiedlichster Herkunft und Struktur zur Suche nach Erkenntnissen?“

„Big-Data-Analysen werden sich zügig verbreiten, da viele Unternehmen den Einsatz konkret planen oder zumindest diskutieren“, sagt Weber. Das sie mancherorts schon lange nichts Neues mehr sind, fällt bei der Studie unter den Tisch.

Die meisten Unternehmen mit konkreten Planungen finden sich laut Umfrage in der IT/Elektronik mit einem Anteil von 16 Prozent, bei den Versicherungen mit 13 Prozent sowie in der Gesundheitswirtschaft mit 10 Prozent. Um den praktischen Einsatz von „Big Data“ geht es auch am 25. Februar auf dem „Big Data Summit“ in Hanau. Unter dem Motto „Big Data als Business Enabler“ tauschen sich mehr als 500 Technologieanwender, IT-Anbieter, Wissenschaftler und Politiker zu den Trends im Bereich intelligente Datenanalysen aus.

www.bitkom.org

 

 

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