Diethelm Siebuhr, CEO der Nexinto Holding in Hamburg
Wer delegiert, will dennoch nicht alles aus der Hand geben. Die Muskelkraft der Infrastruktur am besten auslagern, aber die Intelligenz tunlichst im Hause lassen – diese an sich korrekte Logik wird auch auf die Business Intelligence zur Steuerung des E-Commerce angewendet. Hier macht diese Logik aber wenig Sinn.
Viele Unternehmen, darunter auch große Player, lassen ihre E-Commerce-Lösungen von IT-Sourcing-Spezialisten betreiben. Die Anbieter garantieren eine hohe Verfügbarkeit und stellen schnell skalierbare Ressourcen und spezifisches Know-how günstig bereit. Die für die Steuerung aller Geschäftsprozesse wichtige Auswertung der erhobenen Daten ist nun aber häufig von den Prozessdaten getrennt.
Eine im Unternehmen verbleibende Business Intelligence funktioniert leider nur eingeschränkt, wenn die Datenauswertung keinen unmittelbaren Zugriff auf die Datenquellen hat: Soll Business Intelligence Wettbewerbsvorteile schaffen, muss sie in der Lage sein, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit abzurufen und sie in höchster Qualität und Präzision als Entscheidungsgrundlage bereitzustellen. Und das natürlich möglichst in Echtzeit, um sofort reagieren zu können.
Effiziente Business Intelligence und ihre Datenquellen sind eng verzahnt. Wer nur die Infrastruktur der Datenquellen auslagert, nutzt die Möglichkeiten seiner Anwendung nicht voll aus. Dafür muss der Betreiber dann gewissermaßen eine eigene BI-Infrastruktur implementieren. Dies wiederum erfordert neue Ressourcen und Know-how und wird sich für viele Unternehmen letztlich nicht lohnen. „Ganz oder gar nicht“ lautet beim Sourcing also die Alternative. Halbe Sachen sind verlustfrei nicht möglich.