26.02.2016 Messevorschau: ERP

Die Cebit und die vernetzte Welt

Von: Berthold Wesseler

Vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Distribution – ein zentrales Softwaresystem für „Enterprise Resource Planning“ (ERP) optimiert die Geschäftsprozesse. Diese zentrale Steuerung wird aktuell stärker denn je nachgefragt. Neun von zehn ERP-Unternehmen rechnen laut Bitkom mit steigenden Umsätzen. An dieser Stelle finden Sie daher im Vorfeld der Cebit die interessantesten News zu ERP und Digitalisierung, die wir für Sie laufend zusammentragen.

  • Das Stelldichein der Global Player in Sachen Digitalisierung gibt es wie im Vorjahr in Halle 4

  • Eine Hightech-Kugelbahn soll am SVA-Demopunkt auf dem IBM-Stand das Motto Keep Your IT Running" visualisieren. Hier lässt sich Ausprobieren, wie Speicherdaten – symbolisiert durch die Kugeln – Loops, Weichen, Höhen und Tiefen überwinden und am Ende den richtigen Weg findet.

Die Cebit, 1986 als „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ aus der Hannover Messe Industrie ausgegliedert, vermittelt an fünf Tagen vom 14. bis 18. März einen ausführlichen Überblick über den ERP-Markt und seine Trends. Auch wenn Oracle, Sage und Infor fehlen – nahezu die gesamte Branche wird in Hannover vertreten sein. Von internationalen Big Playern bis hin zu namhaften Anbietern aus dem Mittelstand, kleineren Unternehmen sowie der Startup-Szene. Und auch Plattformlieferanten sind vor Ort, die für eine stabile Infrastruktur und die nötige Vernetzung sorgen.

In Halle 4 demonstrieren Microsoft, Deutsche Telekom und SAP ihre Ideen zur „digitalen Wirtschaft“. Unter dem Motto „Live Business Is Simple“ führen die Walldorfer am Stand C04 mit Partnern wie All for One Steeb, Cormeta, Itelligence und Sycor vor, wie Unternehmen mit der neuen Business Suite S/4Hana ihre Geschäftsprozesse in Echtzeit vernetzen können – über alle Fachbereiche hinweg.

Wege in die „Digitale Welt“

Microsofts Messestand C31 ist ein 2.000 qm großer Marktplatz für Kunden und Partner, die in unterschiedlichen Szenarien zeigen, wie Unternehmen ihren individuellen Weg in die „Digitale Welt“ gestalten. Microsoft hat sieben Faktoren definiert, die fit für den digitalen Wandel machen. So müssen flexible Infrastrukturen und lebendige Organisationen geschaffen werden; Teams müssen autonom und selbstorganisiert arbeiten können, Mitarbeiter mobiler und Wissen transparenter werden. Außerdem gibt es weitere Partnerstände in anderen Bereichen; auf dem Gemeinschaftsstand des VOI in Halle 3 dreht sich alles um Sharepoint, auf Gemeinschaftsstand in Halle 13 gibt es eine Mischung aus Internet der Dinge, Unified Communication & Collaboration (UCC) und Skype for Business.

Mit einer Standfläche von über 5.000 qm ist die Telekom 2016 nicht nur der größte Einzelaussteller auf dem Messegelände – sie zeigt sich bei Geschäftskunden weiter angriffslustig. Nach neuen Cloud-Partnerschaften mit Huawei, Microsoft und Cisco bricht die Tochter T-Systems beispielsweise mit alten Outsourcing-Mustern. Ab sofort erhalten Großkunden schon drei Monate nach Abschluss der Migration ein Kündigungsrecht, wenn sie mit der Ausführung der verabredeten Leistungen nicht zufrieden sind. An die Stelle traditioneller Outsourcing-Modelle, bei denen Aufgaben und Technologien eines Kunden 1:1 von einem IT-Dienstleister übernommen werden, soll die Transformation auf neue, leistungsfähigere und standardisierte Plattformen treten.

IBM ist wieder gemeinsam mit Partnern wie Akquinet, Avet, Blue Consult, Juniper Networks, SVA, Tech Data oder Vasco in Halle 2 (Stand A10) direkt am Eingang Nord präsent. Ein Fokus richtet sich dort auf die Mitarbeiter: Wie arbeiten sie effizienter mittels Social-Tools mit Kollegen und externen Partnern zusammen? Wie kann ein kognitives System am Arbeitsplatz Aufgaben übernehmen, die täglich nur unnötige Zeit kosten? Solche Fragen werden auf einem Mini-Theater praxisnah demonstriert. Wer vorab seinen „persönlichen Assistenten“ selbst testen möchte, kann die 60-Tage-Trial-Version von Verse und Connections ausprobieren.

Apple@Work

Zudem sind über 100 Mobilefirst-Anwendungen für iOS bereits in Partnerschaft mit Apple fertiggestellt worden. Im nächsten Schritt folgt jetzt die Integration kognitiver Funktionen und die Integration von Apple-Geräten in Unternehmen über den Service Apple@Work; so bleibt vom Einkauf über die Installation und den täglichen Einsatz der Geräte alles in einer Hand. Aber auch die individuelle BYOD-Strategie einer Firma und ein Support-Angebot sind in diesem Service enthalten.

Anhand anschaulicher Showcases verdeutlicht Profi Engineering am IBM-Stand, wie mit Industrie 4.0 und modernen Methoden wie DevOps neue Geschäftsmöglichkeiten realisiert werden. Konkrete Beispielen zeigen Lösungen zur Optimierung von Prozessen auf; speziell für Fertigungsunternehmen werden auch SAP-Lösungen zur Verbesserung der Materialflusssteuerung und Inventurerfassung präsentiert.

Die Experten der Wiesbadener SVA System Vertrieb Alexander GmbH, dem größten europäischen Premier-Partner der IBM, stehen am Demo-Point 70 unter dem Motto „Keep Your IT Running - Ensure Data Balance“ Rede und Antwort. Der Fokus liegt dabei auf individuellen Speicherstrategien von Unternehmen und ihrem Umgang mit Daten. Dazu wird live die AS/400-Alternative Versastack gezeigt - eine integrierte Infrastruktur aus Storwize-Speichern und Ciscos „Unified Computing System“ inklusive UCS-Director und SVC-Knoten. Außerdem ist die gerade veröffentlichte Version 4.0 von Business Volume Qualicision (BVQ) zu sehen, eine von SVA entwickelte Software für Monitoring, Performance-Analyse und Reporting im Speichermanagement.

Das Ulmer Systemhaus Fritz & Macziol zeigt auf der Cebit die Automatisierung mit dem Dynamic Power Cloud Manager in Version 1.7. Diese Management-Suite automatisiert nicht nur den Betrieb von „Linux on Power“, sondern kann zusätzlich Cloud-Lösungen provisionieren. Die neue Version, die im Frühjahr verfügbar wird, stellt über ein intuitiv zu bedienendes, webbasiertes Frontend alle Funktionen bereit, die nur bisher AIX-LPARs adressierten – samt automatisierter Installation sowie Backup und Restore. Administratoren können über DPCM auch Hana-Instanzen installieren, überwachen und administrieren, was Management und Administration von AIX, Power i, Linux und Hana unter einer Benutzeroberfläche auf der Power-Plattform möglich macht.

Werkzeuge zur Planung und Steuerung

Erste Anlaufstelle für Anwender von ERP-Systemen ist die Halle 5. Die Besucher erwartet dort ein umfangreiches Programm,  bestehend aus Ausstellung, Forum mit Keynotes, Fachvorträgen, Best-Practise-Präsentationen und  Live-Vergleichen bis hin zu geführten Touren zu ausgewählten Systemanbietern.

Auf einer Fläche von mehr als 4.000 qm präsentieren sich allein hier etwa 175 Anbieter aus dem ERP-Umfeld, darunter mittelständische Häuser wie Abas, ams.Solution, Intec oder PSI, aber auch Global Player wie Asseco, IFS, Microsoft und SAP. Auch in Halle 2 wird es eine eigene „ERP-Insel“ mit digitalen Lösungen für den Finanzsektor und im Speziellen für die Zielgruppe der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer geben. Neben der Datev präsentieren sich dort auch BMD, Exact Software und Simba.

Wie Mittelständler das Potenzial von Industrie 4.0 sinnvoll und bezahlbar nutzen können, führt in Halle 5 Intec (A05) gemeinsam mit dem SAP-Partner ITML und dem 3D-Druckerhersteller German Reprap in einem Showcase vor.

Wie verändert sich die heutige Arbeitswelt und wie gestaltet das Nutzerverhalten ein modernes ERP-System? Diese Fragen stehen im Fokus des Messeauftritts der Industrial Application Software (IAS) am Stand A17, mit deren Software Canias ERP die Anwender das System selbst an neue Anforderungen anpassen können.

Die Abas Software AG (Stand C18) zeigt in einer Live-Demonstration mit einem Roboter, wie effektiv Unternehmenssoftware mit den Fertigungsprozessen der Industrie verzahnt werden kann.Die Industrie 4.0-Spezialisten bringen dazu einen kleinen Roboter im trendigen Transformers-Look mit nach Hannover. Mit seiner Hilfe soll demonstriert werden, wie umfassend bereits heute die Kommunikation von Robotern mit ERP-Systemen sein kann – und wie Lösungen für den fertigenden Mittelstand aussehen könnten. Doch das ist nicht das einzige Highlight auf dem Stand der Karlsruher in Halle 5: Ebenfalls vorgestellt wird die aktuelle 2016er Version der ERP-Software, die mit einem neuen Business-Intelligence-System ausgestattet ist und Potenziale, aber auch Risiken in fotorealistischen Filmen animieren kann.

Innovating EDI

Im ERP-Park in Halle 5 (Stand E04, Stele 11/12) will sich die Gus Group „fit für die Arbeitswelt 4.0“ präsentieren. Der ERP-Anbieter, der sich auf Prozessindustrie und Logistik spezialisiert hat, stellt in Hannover die neue Version 6.0 seiner Suite Gus-OS vor, die komplett überarbeitet und auf die steigenden Anforderungen einer digitalisierten Arbeits- und Produktionswelt zugeschnitten worden ist. Dafür wurde auch die zugrunde liegende Technologie-Plattform stark erweitert.

Ebenfalls im ERP-Park geben die Berater von MQ Result am Counter 18 Einblick in die Vorgehensweise und die Analysewerkzeuge für ERP-Einführungen und Tipps zur ERP-Auswahl und -Einführung. Die bundesweit aktiven Berater haben für über 200 Kunden Projekte von der Prozessanalyse bis zum Go-live eines neuen Systems begleitet.  Am Counter 6 ist auch der Wiener EDI-Experte Ecosio vertreten, der seine „ERP Exchange Language“ (Erpel) mitbringt. Sie ermöglicht die Vernetzung von ERP-Systemen mittels direkter Integration, einem standardisierten Übertragungskanal und einem einheitlichen Dokumentenformat.

Der Kulmbacher ERP-Spezialist Vlex Software adressiert am Counter 14 wachstumsorientierte Industriefirmen, denen es um die Frage geht, mit neuen oder zielgruppenspezifischen Produkten weitere Käufergruppen zu erschließen. Denn die stetig abnehmende Fertigungstiefe bei gleichzeitig ansteigender Variantenvielfalt führt häufig zu einem immensen Mehraufwand im Handling mit den stetig wachsenden Artikelstammdaten, Konfigurationsbedingungen, Stücklisten und Arbeitsplänen. Darum erfordert eine stärkere Individualisierung des Produktangebotes vor allem eng vernetzte Informationssysteme, ein übergreifend verfügbares Variantenmanagement und eine intelligente Planung, Steuerung und Überwachung der komplexen Kalkulations-, Auftrags- und Fertigungsprozesse.

Mobile Nutzung zentraler ERP-Funktionen

Hier hakt auch Berliner PSI Automotive & Industry GmbH (ehemals Psipenta) ein – mit einer brandneuen Service-App zur Abwicklung einer kompletten Vorfallbearbeitung, von der Erfassung des Vorfalls über die Ersatzteillieferung bis hin zur Abrechnung der Leistungen. Die technische Basis aller PSI-Apps stellen webbasierte hybride Technologien wie HTML5, CSS3 oder Java Script dar. Damit werden alle weit verbreiteten mobilen Plattformen unterstützt – und das plattformspezifische Look & Feel bleibt erhalten.

Die Angebote rund um die Themen Marketing, Vertrieb und Kundenservice werden in dem neuen Ausstellungsbereich „Marketing & Sales Solutions“ in Halle 4 gebündelt. Schwerpunkte sind „Digital Experience Management“, Marketing-Automation und E-Mail-Marketing, Customer-Relationship-Management sowie integrierte Marketing-Infrastrukturen.

Digitale Transformation bei der Kundenansprache

Im Zeichen von Customer Centricity präsentiert die CAS Software AG (Stand A28) kundenzentriertes Beziehungsmanagement. Vorgestellt werden neue, app-basierte CRM-Cloudservices für kleine Unternehmen und neue Funktionen der branchenübergreifenden CRM-Lösung Genesis World. Hersteller variantenreicher Produkte erfahren, wie sie mit dem Konfigurator Merlin das Produktwissen bündeln und bis zu 90 Prozent Zeit bei der Angebotserstellung einsparen.

Auch die Pisa Sales GmbH (A42) rückt die neuesten Entwicklungen ihrer CRM-Suite in den Vordergrund, darunter ein neuer Web-Client mit touchfähiger Benutzeroberfläche und modernem Flat-Design.

SugarCRM (C63) greift gemeinsam mit Partnern das Messemotto „Dconomy“ auf – durch eine neue Art von Kundenbeziehungsmanagement. Weil das Individuum in den Fokus der CRM-Lösung rückt, wird Mitarbeitern aller Organisationsebenen dabei geholfen, ihre Kunden besser zu verstehen und gezielter mit ihnen zu interagieren. So können außergewöhnliche Kundenbeziehungen zwischen Individuen entstehen: i2i. An einem Demo-Punkt auf dem IBM-Stand A10 in Halle 2 sind die Integrationen in das bestehende IBM-Portfolio wie Marketing-Cloud oder Connections ebenso ein Thema wie vertikale Lösungen, insbesondere für die Versicherungsbranche.

Die österreichische Firma Sunrise (A37) hat auf Basis von Microsofts .Net-Technologie das CRM-System Relations in moderner 3-Schichten-Architektur entwickelt, das Präsentations-, Funktions- sowie Datenbank-Layer sauber trennt und die volle Update-Fähigkeit garantiert. Als Präsentationsoberflächen gibt es eine Windows-Smart-Client- und eine Mobile Web-App-Lösung, die auf gängigen Smartphones und Tablets benutzt werden kann. Eine AS/400-Schnittstelle ist vorhanden.

Noxum (B58) will Wege zur prozessorientierten Produktkommunikation ebnen – über die Einführung geeigneter Systeme für Content-Management und Product-Information-Management mit Schnittstellen zu Übersetzungs- und Sprach-Tools, E-Commerce-Lösungen, Media-Asset-Management, ERP-Systemen (auch auf der AS/400) sowie Collaboration-Tools.

Akquinet widmet sich mit Partnern wie Mehrwerk, Prisma Informatik oder Heyde in Halle 5 (Barc-Stand B36) vor allem der Datenvisualisierung mit Qlik Sense – u.a in Form der Integration in Excel: Mittels des eigens entwickelten Add-ons Sense Excel lassen sich dessen Analysefunktionen in Excel nutzen. Anwender können Daten aus verschiedenen Quell-Systemen mit Qlik Sense verknüpfen und unter Benutzung des Excel-Frontends flexibel analysieren.

Um „Enterprise Query“, ein ETL-Werkzeug für Datenextraktion und Ad-hoc Abfragen im Browser, dreht sich alles bei Aruba Informatik (Halle 5, F16). Enterprise Query liefert die gewünschten Informationen in zahlreichen, gängigen Ausgabeformaten. Der SAP-Adapter ermöglicht es zudem, Daten auch aus SAP zu extrahieren. Anwender von IBM i (AS/400) können vorhandene Query/400-Abfragen einfach übernehmen. Ein zusätzlicher Dashboard-Adapter generiert interaktive Dashboards – und das Modul XML-Ausgabe versorgt Fremdsysteme (eShops, Kataloge etc.) mit XML-Daten. Mit der neuen Webedition sind Ad-hoc-Abfragen nicht nur auf die IT-Abteilung beschränkt, sondern bieten einem großen Nutzerkreis im BI-Portal oder auf einem mobilen Endgerät einen kontrollierten Zugang zu den Live-Daten.

Das französische Softwarehaus Symtrax (Halle 3, B12/1) bringt die neue Version 4.5 der Reporting-Suite Star Query mit. Damit lassen sich Berichtsaktualisierungen per Email empfangen; Tabellen und Grafiken werden unter Anzeige der Daten vor und nach Änderung, in die Nachricht platziert.

Einen Themenschwerpunkt setzt die Group Business Software Europa GmbH (Halle 2, A30) bei der Abwehr von Cyberattacken in der E-Mail-Kommunikation mit Microsoft Exchange, SMTP-Gateways und IBM Domino. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird die neueste Entwicklung im Bereich „Data Leakage Prevention“: Datenklau und ungewollten Datenabfluss im E-Mail-Verkehr erkennen und verhindern soll die iQ.Suite DLP. Zusätzlich zur Analyse vertraulicher E-Mail-Inhalte und Dateiformate, sammelt sie jetzt auch Informationen über den E-Mail-Fluss, um so Verhaltensanomalien zu erkennen.

Am Stand D36 im Public Sector Parc (Halle 7) informieren die Bremer E-Government- und E-Justice-Spezialisten von Governikus über die Einbindung von Multikommunikationskanal-Strategien, beweiswerterhaltende Aufbewahrung, die sichere Übermittlung großer E-Akten, interoperables Identitätsmanagement und sichere Kommunikation im Asylbewerberverfahren. Ein weiterer Themenschwerpunkt liegt auf der im Auftrag des Bundesinnenministeriums (Halle 7, A58) entwickelten AusweisApp2.

Übrigens: Der Termin für die übernächste Cebit steht auch schon fest. Sie öffnet vom 20. bis 24. März 2017 ihre Pforten.

www.cebit.de

Bildquelle: Deutsche Messe AG

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