Hohe Investitionen verdoppeln den Verlust

Comarch bekämpft die Krise

Im ersten Halbjahr hat sich der Verlust der Comarch Software und Beratung AG nach einem Umsatzrückgang auf 14,7 Mio. Euro auf 4 Mio. Euro nahezu verdoppelt.

Bilanz

Als Ursache für die roten Zahlen führt Comarch auch die anhaltend hohen Investitionen in die Software-Entwicklung an. „Bei einem durchschnittlichen Vertriebszyklus von sechs bis neun Monaten für ERP-Software konnten sich die im Frühjahr auf den Markt gebrachten Produktneuerungen noch nicht in Softwareverkäufen und damit verbundenen Beratungsumsätzen niederschlagen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Statt der deutschen Tochter einen Sparkurs zu verordnen, treibt der profitable polnische Mutterkonzern Comarch S.A. mit hohen Investitionen die Entwicklung neuer Software-Produkte voran und nimmt dabei die Verluste bewusst in Kauf, um schneller im deutschen Mittelstand Fuß zu fassen.

Der Umsatz des 1. Halbjahres schrumpfte in allen drei Geschäftsfeldern. Mit Standardsoftware – Lizenzen und Wartungsgebühren – wurden im ersten Halbjahr 7,5 (Vorjahr: 8,6) Mio. Euro erzielt. Parallel dazu sanken die Einnahmen aus Beratung und Programmierung bei der Einführung und Betreuung der Standardsoftware, von 5,9 Mio. auf 5,2 Mio. Euro. „Neben einer geringeren Anzahl von Neuverkäufen der ERP-Software wirkte sich hier das Auslaufen eines Großprojekts in 2010 aus“, heißt es zu Begründung.

Im schon lange schwächelnden dritten Geschäftsbereich Systemintegration sackte der Umsatz gar von Umsatz 3,7 Mio. auf 2,0 Mio. Euro; der Einbruch erfolgte im 2. Quartal. Unterm Bilanzstrich steht ein Umsatz in Höhe von 14,7 (Vj. 18,2)Mio. Euro und das Ergebnis nach Steuern von -4,0 Mio. Euro; im Vorjahreszeitraum betrug der Verlust 2,3 Mio. Euro. Ende Juni waren 280 Mitarbeiter (inkl. Freiberufliche) beschäftigt – gegenüber 335 ein Jahr zuvor und 318 zum Jahresende 2010.

Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals durch den polnischen Mutterkonzern Comarch sind wie berichtet bereits erfolgt, zumal der Vorstand „nunmehr für das Geschäftsjahr 2011 mit einem deutlich niedrigeren Umsatz und einem etwas niedrigeren Verlust als im Vorjahr“ rechnet. „Für den Mutterkonzern stellen die Aufwendungen für die Produktentwicklung eine strategische Investition dar, um die Position im IT-Mittelstandsmarkt in der Region Deutschland, Österreich/Schweiz auszubauen“, heißt es im Geschäftsbericht. Im Frühjahr war die neue integrierte Rechnungswesenlösung, die unter dem Projektnamen ISAR (Integrated Semiramis Accounting & Reporting) seit 2009 entwickelt worden war, planmäßig auf den Markt gekommen.

Bei der Weiterentwicklung von Semiramis stand das Release 5.1 im Fokus, das im November zum Vertrieb freigegeben werden soll. So können künftig mit neuen mobilen Lösungen direkt aus dem ERP-System heraus Informationsanwendungen für Smartphones, wie z.B. das iPhone, zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin soll Release 5.1 neue bzw. erweiterte Funktionen im Bereich CRM, CTI-Anbindung und Dublettenprüfung bieten. Diese Neuerungen sowie die durchgängige Unterstützung von Endverbraucherpreisen und Vorkasse sind u.a. für die Zielbranche Online-Handel wichtig. Für die Anforderungen in der Nahrungs- und Genussmittelbranche werden im Bereich der Lagerlogistik neue Funktionen für die Pfand- und Leergutabwicklung sowie die Wiederverwendung von Lademitteln (Containern) bereitgestellt.

Bei der neuen Java-Software ISAR, die jetzt unter dem Produktnamen Comarch Financials Enterprise angeboten wird, waren im zweiten Quartal neue Funktionen für Electronic Banking (Einlesen von Bankauszügen), das Liquiditätsmanagement (Auswertung des Zahlverhaltens) sowie die neue Schweizer Landesversion die Entwicklungsschwerpunkte.

Beim Dokumentenmanagementsystem Comarch ECM (früher Infostore), das auf IBM i sowie jetzt auch auf den Serverplattformen Windows und Linux verfügbar ist, wurden im ersten Halbjahr 2011 vor allem die Client-Funktionen verbessert. So wurde die Performance der Clients weiter gesteigert, eine iPhone-Applikation zur Marktreife entwickelt, der Webclient auf Basis von Ajax-Technologie verbessert und mit der Entwicklung einer neuen Scanning-Applikation begonnen. Das aktuelle Release 10.2, das seit Juni verfügbar ist, bringt auch für den Einsatz auf Windows- und Linux-Plattformen wichtige Neuerungen, etwa bei der automatischen Dokumentenerfassung und -klassifizierung sowie beim Prozessdesign mit dem integrierten Workflow-Tool.

Bei den auf der Plattform IBM i basierenden Produktlinien hebt Comarch die Fertiggestellung von Release 4.0 der SoftM Suite hervor. Hier lag ein Schwerpunkt auf neuen Zusatzkomponenten, die unter der Bezeichnung „ERP Suite Office Plus“ angeboten werden. Diese beruhen auf einer engen Integration von Excel in die Finanzanwendungen und bieten Funktionen zur Finanzplanung. Neu ist auch eine Kassenbuch-Funktion, mit der sich Barverkäufe, wie z.B. für den Belegschaftsverkauf, unterstützen lassen. Für Operator-Jobs wurden neue Benachrichtigungsfunktionen per E-Mail/SMS entwickelt und weitere Abrundungen vorgenommen.

Bei der Rechnungswesensoftware Schilling kommen neue Funktionen zur Anlagenbuchhaltung hinzu. Weiterhin wurde die Entwicklung eines neuen Moduls zum automatischen Buchen von Bankauszügen fortgesetzt, das die vorhandenen Funktionen für elektronische Bank-Buchungen erweitert. Bei der Buchhaltungssoftware DKS wurde an der nächsten Version gearbeitet, die u.a. Erweiterungen im Bereich der Vorsteuerrückerstattung für Österreich, zusätzliche Optionen bei der PDF- und der Excel-Ausgabe sowie erweiterte Funktionen zur Stammdatenpflege bieten wird.

 

Verlust

www.comarch.de


Bildquelle: Comarch

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