22.02.2017 Nicht die Technik – das antiquierte IT-Konzept ist gescheitert

Das Ende von Limux

Von: Heiko Gloge

München war lange ein Vorzeigemodell für den Einsatz von Open-Source-Software in der Verwaltung. Nun hat die Vollversammlung des Münchner Stadtrats den Abschied von Limux besiegelt und eine Neuorganisation der städtischen IT beschlossen – inklusive der Rückkehr zu Windows.

Heiko Gloge, Gründer und CEO des Bremer Thin-Client-Pioniers Igel

Nun ist es amtlich: Die Stadt München stellt ihre Rechner bis Ende 2020 wieder auf Windows um. Das endgültige Aus für das 2003 gestartete Vorzeigeprojekt Limux kommt nicht überraschend, die praktischen Probleme mit Linux als Desktop-Betriebssystem für die öffentliche Verwaltung waren zu groß. Doch die aktuell folgende Debatte mit politischen Schuldzuweisungen, Lobbyismusvorwürfen und unzähligen technischen Detaildiskussionen geht am eigentlichen Kern vorbei.

Jenseits der Zwänge pro oder contra Microsoft

Denn Limux hätte ein Projekt mit überregionaler Strahlkraft werden können, jenseits eines Zwanges pro oder contra Microsoft. Nämlich dann, wenn sich die Stadt München seinerzeit für eine grundlegende Zentralisierung und Virtualisierung ihrer IT-Infrastruktur entschieden hätte, statt lediglich das PC-Betriebssystem auszutauschen.

Denn wie nun schmerzlich offensichtlich wird, taugt Linux nicht als PC-System für einen modernen Workplace. Und dennoch ist nicht Linux per se in München gescheitert, sondern das zugrunde liegende IT-Konzept! Richtig eingesetzt – als schlankes und zentral verwaltbares Betriebssystem – bewährt sich Linux hunderttausendfach für einen ortsunabhängigen Zugriff auf einen virtualisierten Windows-Desktop. Als solches löst es genau die Probleme, die das von Beginn an falsch fokussierte Experiment von München zu Fall gebracht haben – wie zum Beispiel den fehlenden E-Mail-Zugriff vom Laptop.

Dass es auch ganz anders geht, zeigen zahlreiche andere Organisationen mit mehreren tausend Endgeräten. Statt wiederholt in teure Windows-PCs zu investieren und damit antiquierte IT-Konzepte mit horrenden Managementausgaben fortzuschreiben, haben sie ihren IT-Zugriff mithilfe von Virtualisierung endgeräteunabhängig gestaltet. Dabei setzen sie auf ein „Mini-Linux“ für den Remote-Zugriff, wodurch die gesamte OS-Umgebung samt Endpoint-Management „verschlankt“ wird.

Antiquierte IT-Konzepte ad acta gelegt

So überführte etwa der Logistikdienstleister Dachser rund 2.500 Altgeräte mithilfe von Linux in das bestehende Endpoint-Management-System UMS. Lediglich 15 Mitarbeiter sind nötig, um alle 11.000 Endgeräte zu administrieren.

Dass dies auch in der öffentlichen Verwaltung funktioniert, beweist die Stadt Heilbronn, die rund 1.000 ihrer 1.500 IT-Arbeitsplätze auf Thin-Clients mit Igels Linux umgestellt hat. Diese greifen anwenderfreundlich auf im Rechenzentrum isolierte Apps wie z.B. Microsoft Office zu und sparen der Stadt obendrein 27 Prozent der Gesamtkosten gegenüber einer reinen PC-Umgebung.

Inzwischen ist unser Linux auch als Micro-Cloud-Client auf USB-Stick erhältlich, um Notebooks und Heimarbeitsplätze schnell und sicher an eine zentrale IT-Umgebung anzubinden, ohne das bestehende Client-Betriebssystem verändern zu müssen. Statt also wiederholt Tausende von Euros in neue Windows-Clients zu investieren und veraltete IT-Konzepte mit hohen Kosten fortzuführen, wäre es doch eine Überlegung wert, den Fat-Client ad Acta zu legen und endlich im Cloud-Zeitalter anzukommen – mit allen Vorteilen der zentralen Datenhaltung, des universellen Desktop-Zugriffs und einem Endpoint-Management ohne Turnschuhadministration.

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