Mehr Power in der IT sorgt für effiziente Prozesse im Landmaschinenhandel

Das RZ im Bauernhaus

Die Kultivierung landwirtschaftlicher Flächen kann saisonbedingt besondere Werkzeuge fordern. So kann Dauerregen bewirken, dass spezielle Gerätschaften stärker verschleißen und ein höherer Bedarf besteht. Die Industrie wendet sich in diesen Fällen an Anbieter von Landmaschinenteilen, die ihre Kunden möglichst schnell und zuverlässig mit den entsprechenden Ersatz- und Verschleißteilen beliefern.

So auch der Industriehof Scherenbostel aus Wedemark, der mit 50 Mitarbeitern rund 5.500 Kunden beliefert. Dafür steht auch ein Webshop zur Verfügung, mit aktuell 20.000 Teilen im Sortiment. Aufgrund stark gestiegener Kundenzahlen sowie Anforderungen an Schnelligkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit der Lieferungen bei starker Frequentierung des Webshops entschied sich das Unternehmen im Jahr 2011, auf ein modernes und performantes Serversystem umzurüsten, da die alte Anlage den Anforderungen nicht mehr genügte.

Realisiert wurde das Projekt durch das Systemhaus Netzlink aus Braunschweig, das zwei Power-Server 720 mit dem Betriebssystem i5/OS am Industriehof installierte. „Wir profitieren heute insbesondere durch die skalierbare und virenresistente Architektur der Server“, so Sven Slowak, Projektmanager am Industriehof Scherenbostel. Dank dieser Sicherheit könne man sich mehr auf die eigentliche Arbeit konzentrieren und weniger auf die Verwaltung der Serverstrukturen.

Stark frequentierter Webshop

Für die hohen Auftragsvolumina wurde für die Kunden ab dem Jahr 2001 ein Webshop programmiert, für damals rund 10.000 Landmaschinenteile. Die Artikel werden auf großen Stellflächen in den Lagerhallen aufbewahrt, die einer chaotisch-dynamischen Lagerplatzverwaltung unterliegen. Bis heute wuchs das Artikelsortiment auf rund 20.000 Teile, so dass nicht nur der Datenverkehr im Shop enorm stieg, sondern auch elektronische Steuerprüfungen sowie die gesamten Rechnungsabschlüsse das damalige System schlichtweg überforderten. Das Lager wurde aufgrund der verdoppelten Artikelzahl um 5.000 m2 erweitert.

Das bis 2004 eingesetzte Serversystem basierte auf einer Cobol-Programmierung und der Support seitens des Systemhauses war bereits eingestellt. Zudem war es extrem absturzgefährdet und nur mit wenigen aktuellen Programmen kompatibel. Daher stellte der Industriehof Scherenbostel im Jahr 2004 auf eine iSeries (Modell 500) mit der ERP-Software IBS Enterprise um. Doch auch dieses System kam aufgrund des hohen Datenaufkommens hardwareseitig schnell an seine Grenzen und hatte oft eine Auslastung, die 75 Prozent überstieg.

Vom Altsystem zur AS/400

Daher war im Jahr 2010 eine neue Hardware gefragt, die neben hoher Performance auch die Anbindung von aktuellen Technologien sowie Software zulässt und zudem skalierbar ist, insbesondere mit Blick auf die Webshop-Integration, die E-Bilanz sowie die Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU). Eine weitere wichtige Anforderung wurde aufgrund der ländlichen Lage – schwache Netz­abdeckung und sporadische Stromschwankungen – aufgesetzt: Das System sollte absturzsicher sein und bei der Archivierung auch Krisensicherheit bieten.

Der Industriehof wandte sich mit seiner Anfrage direkt an IBM, die für die Umrüstung ihren Partner Netzlink empfahl. Dessen Empfehlung: Für genügend Performance und Speicherkapazität sollten zwei 720-Modelle mit IBM i die Single-Server-Lösung ablösen. Das Programm iTera sollte beide Server per Softwarereplikation der relevanten Anwendungen und Daten spiegeln und so Hochverfügbarkeit garantieren. Zudem sollten diverse Netzkomponenten, etwa Switches, aus Altersgründen getauscht werden.

Für Backup und Archivierung gedacht sind zwei IBM TS3100 Tape Librarys. „Unsere Aufgabe ist nicht nur die Lieferung von Komponenten, sondern auch die Konstruktion und Design­anpassung von Werkzeugen für Erstausrüster“, erklärt Slowak. „Daher müssen wir für unsere Arbeit über entsprechend schnelle Rechner und Speichermedien sowie über eine zentrale Datensicherung verfügen. Denn wir müssen sichergehen, dass unsere Daten bei einem Absturz nicht verloren sind.“

Eine der Vorgaben war die räumlich getrennte Installation der beiden Power-Maschinen. Dafür mussten seitens der Gebäude- und Feuerversicherung verschiedene Auflagen erfüllt werden. „Wir haben zusammen mit den Kollegen von Netzlink zwei völlig neue Räume kreiert, die modernsten Anforderungen genügen“, verweist Projektmanager Slowak auf die energieeffiziente Kühlung durch das Ableiten der Wärme nach außen und den Einzug von Frischluft.

Der erste Serverraum befindet sich heute in einem alten Bauernhaus und ist von außen nicht als solcher erkennbar. Gekühlt wird im „Free Cooling“-Verfahren: Wenn die Außentemperatur niedrig genug ist, wird kalte Frischluft von außen zur Kühlung der Serverräume verwendet. Ein Kältekompressor ist zuschaltbar, wenn die Außentemperaturen sehr hoch liegen. Der Hauptserverraum ist von Büros umgeben und verfügt über eine moderne Kühlung, die keine Geräuschbeeinträchtigung für die Mitarbeiter mit sich bringt. Beide Räume sind zudem mit Feuerlöscheinheiten versorgt.

Auflagen von der Feuerversicherung


Die Maschinen bieten Ressourcen für die rund 250 Rechnungserstellungen und sind maximal bis zu 30 Prozent ausgelastet. „Heute drückt unsere Mitarbeitern auf einen Knopf und der Drucker fängt schon an, die Rechnungen auszuwerfen“, konstatiert Thomas Anderla, technischer Leiter des Industriehofs Scherenbostel. „Und nebenbei läuft die Statistikerstellung unserer Buchhaltung. Das war damals schlichtweg unmöglich.“ Auch für die Mitarbeiter im Außendienst habe sich die Arbeit verbessert. Sie können sich nun bequem mobil in das Netzwerk des Industriehofs einwählen und beispielsweise Aufträge anlegen oder sich auch selbst Daten auf ihr mobiles Gerät herunterladen. Dies war vorher nur über ein Extramodem mit geringem Datendurchsatz realisierbar.

Auch für fünf bis zehn Prozent mehr Geschäfte haben die neuen Server laut Slowak in den nächsten Jahren genügend Ressourcen; in rund drei bis vier Jahren dürfte allerdings eine Erweiterung der Plattenkapazität anstehen. Falls dennoch mehr Prozessorleistung gebraucht werde, könne dies über Freischaltung eines weiteren Prozessors einfach eingestellt werden. „Zudem können wir einzelnen Prozessoren bestimmte Jobs zuweisen und so kritische Prozesse mit besonders viel Leistung versorgen“, so Slowak. Für das Jahr 2013 sei die elektronische Rechnung über EDI geplant; zudem sollen Scan und Archivierung der Eingangsrechnungen elektronisch erfolgen.

Industriehof Scherenbostel
1975 gründete Heinrich Rodenbostel den Industriehof Scherenbostel als Landmaschinen-Ersatzteilhandel. Hervorgegangen aus einem landwirtschaftlichen Hof und Auslieferungslager für Landmaschinen der dänischen Firma Alfred Bilstein A/S, hat sich der Industriehof zu einem der führenden europäischen Lieferanten für Produkte und Ersatzteile rund um die Land- und Kommunaltechnik sowie Weinbau und Baumaschinen entwickelt.
www.industriehof.com

Bildquelle: Industriehof

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