Interview mit Markus Roßkothen, CEO der Paris GmbH

Datango reloaded

Im Markt für digitale Weiterbildung ist man derzeit mit neuen Herausforderungen beschäftigt. Die digitale Transformation ist in aller Munde, doch darf man eines nicht vergessen: den Menschen. Denn Industrie 4.0 = Arbeit 4.0 + Weiterbildung 4.0. Doch wo sind die passenden und notwendigen Weiterbildungsangebote, um Mitarbeiter über alle Generationen hinweg in das Zeitalter des Internet der Dinge zu führen und auch mitgestalten zu lassen?

Markus Roßkothen: „Unser Fokus ist breiter und nicht speziell auf SAP-Anwender ausgerictet; wir gehen in Zukunft auch ganz neue Wege.“

Erst kürzlich ergab eine Bitkom-Studie den Mangel an Angeboten, aber auch an Willen zur Weiterbildung innerhalb der Unternehmen deutlich. Gefragt sind flexible, innovative und auch individuelle Konzepte, um jeden Menschen wissenstechnisch abzuholen, mitzunehmen und durchstarten zu lassen. Das ist das Thema der Paris GmbH; der Name steht für „Process Automation Robotics Information Systems“. Wir befragten ihren CEO Markus Roßkothen zur kürzlich erfolgten Übernahme einiger Vermögensgegenstände der Datango AG.

Herr Roßkothen, warum haben Sie Datango zurückgekauft?
Markus Roßkothen: Zurückgekauft ist nicht ganz richtig. Wir haben im April 2016 die noch im Besitz der Datango AG befindlichen Vermögensgegenstände inklusive der Rechte an diesem Namen und der noch verbliebenen Programmversionen der Datango ­Performance Suite erworben.
SAP hatte vor einigen Jahren die damals aktuelle und speziell für SAP erstellte DPS-Version erworben; die Vorgängerversionen dieser Software hatte SAP aber nicht mitgekauft. Wir haben also nicht Datango von SAP zurückgekauft, sondern unter anderem die noch bei der Datango AG verbliebenen Programmversionen von der Datango AG selbst gekauft.
SAP vermarktet und entwickelt ihre damals erworbene Software als „Workforce Performance Builder“ eigenständig weiter. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass die SAP mit „ihrer“ Lösung einen Fokus auf dem SAP-Markt hat. Unser Fokus ist breiter; wir gehen in Zukunft auch ganz neue Wege.

Sie peilen also auch Zielgruppen jenseits von SAP an. Wo sehen Sie da die größten Chancen?
Roßkothen: Neben SAP sehen wir im Mittelstand – und gerade bei der digitalen Transformation – sehr viele andere gute Unternehmensapplikatio­nen und Schulungsbedarfe, die wir unterstützen. Wichtig ist uns, sich nicht nur auf eine Unternehmens­app­likationsfamilie zu konzentrieren, seien es nun Anwendungen von SAP, von Oracle oder anderen Software-Herstellern, sondern möglichst viele Weiterbildungsbedarfe über sämtliche Geschäftsprozesse, Unternehmensgrößen und Branchen hinweg zu unterstützen.
Unternehmen setzen in der Regel Software diverser Hersteller ein. Unsere Lösung setzt hier an; so behält man die nötige Unabhängigkeit und Flexibilität, die für unsere Kunden oft sehr wichtig ist. Sie können mit einem einzigen Weiterbildungswerkzeug alle Schulungsinhalte erstellen – selbst non-IT bzw. Soft-Skill-Schulungen werden von uns unterstützt.
Die Schulungsinhalte können dann für Präsenztrainings bzw. Blended-Learnings, in MOOCs, Flipped-Classrooms, Microlearning und anderen Formaten eingesetzt werden. Geplante Erweiterungen gehen zudem stark in Richtung von Semi- und Vollautomatisierung von Geschäftsprozessen, da wir gezielt B2C – also „Normalverbraucher“-Bedarfe – in ausgewählten IoT-Settings abdecken wollen.

Mit welchem Hauptargument überzeugen Sie potentielle Neukunden?
Roßkothen: Durch die überdurchschnittlich erfahrenen Mitarbeiter in den Bereichen eLearning, Dokumentation und kontextsensitive „Online Hilfe“! Und durch ein über mehrere Jahre gereiftes Produkt, das immer weiter ausgebaut und verbessert wird.

Datango eignet sich ja auch für den Einsatz mit selbstentwickelten Anwendungssystemen. Können das auch AS/400-Anwendungen sein?
Roßkothen: Stimmt genau. Wir wollen jede Software beim Kunden abdecken können. Dazu zählen insbesondere eigenentwickelte Systeme, auch auf der AS/400. Wie gesagt: Wir legen Wert darauf, unseren Kunden ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem jedweder Schulungs- und zukünftig auch Prozessautomatisierungs- und -optimierungsbedarf spielend einfach abgedeckt werden kann. Durch das Hinterlegen von sogenannten Applikationsprofilen können wir unsere ohnehin schon sehr gute Standard­erkennung von Applikationselementen – wie Schaltflächen, Textfeldern oder Menüs – im Bedarfsfall nochmals flexibel und schnell verbessern und so selbst die außergewöhnlichste Software unterstützen. Bisher haben wir noch jeden individuellen Kundenbedarf erfolgreich abdecken können.

Herr Roßkothen, vielen Dank für das Interview!

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