Kehrt Steeb auf den Wachstumspfad zurück?

DCW-Abgänge kosten Steeb Umsatz

Die SAP-Tochter Steeb kann bei weitem nicht mit der dynamischen Entwicklung des Walldorfer Mutterkonzerns mithalten. Das liegt auch am rückläufigen Geschäft mit IBM-i-Anwendern.

Alexander Arnold

Steeb-Geschäftsführer Alexander Arnold schaffte 2010 nur noch 61,1 Mio. Euro Umsatz

Im vergangenen Jahr war Steeb-Geschäftsführer Alexander Arnold noch optimistisch– und wollte den Umsatz mit damals 210 Mitarbeitern wieder auf das Niveau von 2007 hieven, als das Geschäftsvolumen der Softwareschmiede bei knapp 67 Mio. Euro lag. Doch es war wie in den Jahren zuvor: Steeb musste 2010 erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen und hat wieder Stellen abgebaut.

Allerdings konnte Arnold die Umsatzschmelze bremsen. Stand 2009 ein Umsatzrückgang um 5,6 Mio. Euro von 68,2 Mio. auf 62,6 Mio. Euro zu Buche, war es 2010 ein Minus von 1,5 Mio. auf 61,1 Mio. Euro. Beschäftigte Steeb 2008 immerhin 220 Personen, zählte die Belegschaft Ende 2010 insgesamt 191 Köpfe.

Dieser Umsatzrückgang und Personalabbau ist Folge des Schwunds der AS/400-Anwender unter den Steeb-Kunden. Diese Abwanderung liegt in der Natur der Sache, denn die DCW- und SC/400-Kunden lösen ihre Installationen über die Zeit durch unterschiedlichste Systeme ab. Manch einer wandert dann auf SAP@i ab, bleibt also der Plattform treu. Andere wählen andere Hardware-Hersteller  für das plattformunabhängige SAP-System – und wieder andere auch ERP-Systeme anderer Hersteller.

Erzielte Steeb 2008 mit mehr als 400 IBM-i-Kunden noch schätzungsweise 20,5 Mio. Euro Umsatz, waren es Ende 2010 geschätzt nur noch rund 340 IBM-i-Kunden, die 15,3 Mio. Euro Umsatz brachten. Dies liegt aber auch darin begründet, dass Steeb große Kunden beim Wechsel von DCW auf SAP an die Konzernmutter verliert, da Unternehmen ab einer gewissen Größe generell nicht über Partner, sondern von SAP selbst betreut werden.

Allen Wachstumsrückgängen zum Trotz arbeitet Steeb wie eh und je profitabel und erzielte auch 2010 einen Pro-Kopf-Umsatz von über 300.000 Euro. Natürlich auch deshalb, weil der Entwicklungsaufwand für DCW immer weiter zurückgefahren werden kann und weil der Aufwand in Sachen Fehlerbehebung und Wartung beim 1985 lancierten SC/400 fast bei Null angekommen ist.

2009 wurde eine Umsatzrentabilität von 4,3 Prozent erwirtschaftet, im vergangenen Jahr mit 2,02 Mio. Euro Gewinn eine von 3,3 Prozent. Zudem konnte Steeb den Negativtrend im Midrange-Markt stoppen: Wir schätzen den Umsatz mit 370 AS/400-Kunden auf 15,0 Mio. Euro, also etwas niedriger als 2010. Kann Steeb diesen Aufwärtstrend künftig verstärken, könnte die SAP-Tochter, die insgesamt über 1.000 Kunden betreut, wieder auf einen grünen Zweig kommen – sprich auf den Wachstumspfad zurückkehren.

SAP-Tochter ist die Steeb Anwendungssysteme GmbH übrigens seit 1991. Gegründet hatte der ehemalige IBMer Helmut Steeb das Unternehmen bereits 1974 in Abstatt; es entwickelte mit anfangs sechs Mitarbeitern ausschließlich Software für IBM-Systeme, u.a. für das damals neue System /3 mit 96-spaltigen Lochkarten.

Kunden der ersten Stunde waren Firmen in der Region wie z.B. Intersport, Läpple, Wega-Radio, J.A. Becker, Berner und Renz. Am 1. Juli 2004 erhielt Steeb Verstärkung durch die AS/400-Experten der DCW Software Deutschland GmbH, die SAP im Jahr 2003 übernommen hatte. Mit DCW hatte Steeb seinerzeit rund 400 AS/400-Anwender als Kunden hinzugewonnen; Steeb selbst bediente mit SC/400 vor zehn Jahren einmal über 500 Kunden – alle auf der AS/400.

www.steeb.de


Bildquelle: Steeb Anwendungssysteme GmbH

 

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