01.02.2017 Sharp-Studie zum Büroalltag: Keiner für alle, alle für keinen

Der geplatzte Traum vom Teamwork

Von: Carmen Ritter

Teamwork, Kollaboration, Netzwerken: Willkommen in der Arbeitswelt 4.0, so zumindest die gängige Vorstellung. Dass dies nicht unbedingt der Realität entspricht, zeigt eine neue Studie des Büroexperten Sharp Business Systems, in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Censuswide. Demnach gilt im deutschen Arbeitsalltag vor allem Eines: Jeder ist sich selbst der Nächste.

Laut Studie gibt fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an, dass das Teilen von Informationen in ihrem Arbeitsalltag nicht selbstverständlich ist. Also ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit nicht oder nur eingeschränkt gegeben – was wiederum zu ineffizienten Arbeitsabläufen führt und sich negativ auf die Unternehmensbilanz auswirkt.

Vorsicht, Kollegenschwein

Die Studie offenbart zudem eine Reihe ich-bezogener Verhaltensweisen, die den Büroalltag dominieren und dem Team-Gedanken entgegenwirken – wie die mangelnde Sorgfalt bei Passwörtern.

Aber auch ärgerliche Angewohnheiten führen schleichend zu Missstimmung unter den Kollegen. Häufig genannt werden hier z.B. leere Druckerfächer, weil der Kollege wieder einmal kein Papier aufgefüllt hat – diese Erfahrung macht jeder Zweite (50 Prozent) regelmäßig, weitere 23 Prozent geben zu, selbst des Öfteren kein Papier nachzulegen.

Ärger schlucken oder sich Luft machen?

Obwohl sie regelmäßig unter diesen Verhaltensweisen ihrer Kollegen leiden, ziehen es immerhin noch 27 Prozent der Befragten vor, einfach darüber hinwegzusehen und ihren Ärger zu schlucken. 26 Prozent ziehen, soweit möglich, den verantwortlichen Kollegen per E-Mail zur Rechenschaft oder beschweren sich bei anderen. Weitere 21 Prozent kleben eine Notiz an den Tatort oder an eine für jeden gut sichtbare Stelle im Büro.

Besonders kompromisslos geht es offenbar im Bereich Personalmanagement zu: Hier gaben 35 Prozent der Befragten an, ihrem Ärger vorzugsweise durch direkte Benachrichtigung an den oder die Vorgesetzte Luft zu machen.

„Fast jeder Angestellte kennt solche Verhaltensweisen auf eigener Erfahrung und nimmt die damit einhergehenden Ärgernisse und Nachteile als Teil des Arbeitslebens hin“, so Alexander Hermann, Vice President bei Sharp Information Systems Europe. „Blickt man hinter die Kulissen, haben wir es hier aber mit einem ernstzunehmenden Problem zu tun: Der Teamgedanke leidet erheblich oder ist schlimmstenfalls gar nicht erst vorhanden.“

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

Die Top 10 der Büro-Unsitten

  1. Vergessen ausgedruckter Seiten in der Druckerablage (84 Prozent)
  2. Heimliches Umstellen der Temperatur von Heizung/Klimaanlage (79 Prozent)
  3. Papier im Drucker nicht nachfüllen (73 Prozent)
  4. Dokumente verschieben/Ordnerstrukturen eigenmächtig verändern (70 Prozent)
  5. Verschludern von Passwörtern und Zugangsdaten (64 Prozent)
  6. In Meetings an eigenen To Dos weiterarbeiten (61 Prozent)
  7. Anderen ins Wort fallen (58 Prozent)
  8. Ignorieren technischer Probleme bei gemeinschaftlich genutzten Geräten (54 Prozent)
  9. Vorlagen ändern bzw. sich nicht an Vorgaben halten (49 Prozent)
  10. Wichtige Informationen werden nicht geteilt (46 Prozent)

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