Vom Personalabbau werden laut Verdi alle Standorte in Deutschland betroffen sein, wobei der Schwerpunkt „auf den Dinosauriern der IT-Lösungen“ lasten werde. Ob Entwickler, Supporter, Vertriebler, Berater oder Administrationskraft: Wer nicht verantwortlich für ein Cloud-Produkt sei, müsse um seinen Arbeitsplatz fürchten, heißt es.
Erst im letzten Herbst hatte Infor das Migrationsprogramm „Lift & Shift“ lanciert; dabei geht es letztlich darum, die Kunden von ihren „Software-Oldies“ auf aktuelle Programmversionen in der Cloud zu migrieren. Offenbar soll jetzt bei Entwicklung und Support der von den Kunden geschätzten Oldtimer gespart werden, um einen mehr oder weniger sanften Migrationsdruck zu erzeugen. Wechseln die Kunden, werden die Entwickler und Supporter der Oldtimer tatsächlich nicht mehr gebraucht.
Bereits seit Mitte März schwelen diese Pläne. „Entschieden ist noch nichts“, sagte Christine Muhr auf Anfrage von DV-Dialog. Wie die zuständige Landesbezirksfachbereichssekretärin bei Verdi ausführte, werde in den Gremien immer noch über die wirtschaftliche Notwendigkeit und Alternativen zum ebenfalls angedachten Offshoring diskutiert.
Offenbar sind die Pläne in der US-Zentrale initiiert worden. Ursprünglich wollte die Presseagentur ein Statement der Geschäftsleitung zu Ziel und Umfang der Entlassungen liefern. „Da die Inhalte mit Mitarbeitern in den USA abstimmt werden, müssen wir eine Verzögerung durch Zeitverschiebung einkalkulieren”, hieß es gestern am frühen Nachmittag. Das Statement liege der Agentur vor. Abends folgte dann die lapidare Rückmeldung: „Leider kann Infor kein Statement zu Ihrer Anfrage abgeben.“
Diese Gemengelage dürfte auch die Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat sehr erschweren, denn analog wird wohl jeder Kompromiss in den USA abgenickt werden müssen. Und die USA sind nicht nur das Land von „Lift & Shift“, sondern auch von „Hire & Fire“!
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