27.01.2017 Bis März 2018 sollen 484 Vollzeitstellen wegfallen

Entlassungswelle bei Ricoh

Von: Berthold Wesseler

Ricoh Deutschland hatte im November „eine umfassende Restrukturierung“ angekündigt, um die gesamte Organisation zu „verschlanken“. Insgesamt 484 Vollzeitstellen sollen bis zum Ende des kommenden Geschäftsjahres (21. März 2018) wegfallen, erklärte jetzt Niculae Cantuniar, CEO von Ricoh Deutschland. Das sind mehr als 16 Prozent der Belegschaft. Cantuniar möchte hierbei sozialverträglich vorgehen.

Niculae Cantuniar, seit Herbst 2015 CEO von Ricoh Deutschland

Derzeit beschäftigt der Druckerhersteller Ricoh in Deutschland, seinem größten Absatzmarkt in Westeuropa, rund 3.000 Mitarbeiter. Die Entlassungen sollen überwiegend die Verwaltung betreffen, die vor allem in Hannover angesiedelt ist. In Hannover arbeitet gut ein Drittel der deutschen Ricoh-Belegschaft.

Ziel der Restrukturierung ist es laut Cantuniar, dass Ricoh „langfristig wettbewerbsfähig und erfolgreich agieren kann“. Das Restrukturierungsprogramm habe „keinen Einfluss auf das Ziel des Unternehmens, auch weiterhin führender Anbieter für Druck- und Dokumentenmanagement im deutschen Markt zu sein“. Bereits im Oktober hatte die Konzernmutter Ricoh Company ihre Prognose für das Geschäftsjahr nach unten korrigiert, auch aufgrund des scharfen Wettbewerbs, des starken Yen und des schwachen Pfund.

„Wir nehmen unsere unternehmerische Verantwortung sowohl hinsichtlich unserer Belegschaft, einer transparenten Kommunikation der Planungen sowie der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sehr ernst“, betonte der im Herbst 2015 angetretene CEO Cantuniar. „Wir werden auch weiterhin alle unsere Geschäftsaktivitäten voll und ganz auf die Anforderungen unserer Kunden konzentrieren, um ihnen eine exzellente Service-Qualität und innovative Technologielösungen zu bieten.“ Gleichzeitig würden strategisch wichtige Geschäftsbereiche, wie etwa IT-Services, Business-Process-Services, Kommunikations-Services oder „Additive Manufacturing“ (3D-Druck), gestärkt und ausgebaut.

Seit dem 1. Dezember 2011 führt die Ricoh Deutschland GmbH auch das operative Geschäft der Infoprint Solutions fort. Das war ein im Januar 2007 gegründetes Joint-Venture mit IBM, in dem beide Unternehmen weltweit als Partner eng zusammengearbeitet haben. Ricoh hielt 2007 zunächst 51 Prozent des Joint-Ventures und übernahm dann während der darauffolgenden drei Jahre  schrittweise die verbleibenden 49 Prozent. Mit dem abschließenden Erwerb der letzten Anteile am 1. Juli 2010 wurde das Joint-Venture wie geplant beendet. Seither gehörte Infoprint als hundertprozentige Tochter zur Ricoh-Gruppe, bis diese mit dem Konzern verschmolzen wurde.

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