Interview mit SPH-Chef Peter Hartmann

Entspannter Umgang mit Innovationen

Die SPH AG hat sich seit nunmehr fast 40 Jahren auf das Direktmarketing und den Versandhandel spezialisiert. Der langjährige IBM-Partner hat praxiserprobte Software rund um die Adressen und eine ERP-/CRM-Fulfillmentlösung auf Basis der AS/400 und von Microsoft Dynamics entwickelt, mit der heute 50.000 Aufträge und mehr pro Tag abgewickelt werden können. Im Interview mit DV-Dialog erläutert Firmenchef Peter Hartmann die Strategie bezüglich der IBM-Plattform.

Peter Hartmann, Vorsitzender des Vorstandes des E-Commerce-Systemhauses SPH AG

Herr Hartmann, Sie haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit IBM-Partnern, aber auch mit Ihren IBM-Kunden geführt. Welchen Eindruck haben Sie zum künftigen Support älterer Versionen des Betriebssystems?
Peter Hartmann
: Grundsätzlich habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Anwender mit den bei ihnen im Einsatz befindlichen Lösungen sehr zufrieden sind, auch wenn es sich um ältere Versionen handelt. Eine Beunruhigung hinsichtlich des künftigen Supports konnte ich nicht heraushören. Wir bei der SPH AG haben für unsere Kunden die Version i 7.1 im Einsatz auf unserer Power7. Rückwärts können wir bis Version 5 unterstützen.

Haben Sie bei Kunden den Wunsch feststellen können, auf neuere Releases umstellen zu wollen?
Hartmann
: Nein, diesen Wunsch habe ich nirgendwo vernommen. Die AS/400 oder i5 ist nach Ansicht der Anwender eine so robuste Plattform und die Software auf dieser Plattform hat ihre Leistungsfähigkeit bewiesen, so dass kein Druck zur Umstellung besteht.
Wir waren bei unseren Kunden auch schon in Planungsphasen und -gesprächen zu Umstellungen. In Anbetracht der Kosten, der Zufriedenheit mit dem Status quo und des aus heutiger Sicht doch noch überschaubaren Mehrwerts wurden die Projekte aber alle um drei bis fünf Jahre verschoben. Das halte ich auch für vernünftig, da die Lösungen einwandfrei und zuverlässig laufen und das Anforderungsprofil jeweils nach wie vor weitestgehend abdecken.

Besteht auf Kundenseite die Sorge, wegen mangelnden Supports in naher Zukunft gezwungen zu sein, auf neuere Technologien wie Power7 oder Power8 umsteigen zu müssen?
Hartmann
: Die IBM-Partnerwelt ist sehr selbstsicher und vertraut der IBM, die wiederum für die Version 5.4 einen Support bis zunächst 2016 garantiert hat. Das gibt eine gewisse Planungssicherheit; daher können sich die Partner wie auch die Kunden aktuell entspannt ihren Alltagsaufgaben widmen. Auch wenn wir unser Geld mit Softwareprojekten verdienen, raten wir unseren Kunden nicht zu Umstellungen ohne Not.

Wie positioniert sich SPH in diesem Zusammenhang? Werden Sie, sofern es Kundenwunsch ist, auch ältere Technologien wie OS/400 V5.3 oder V5.4 weiter unterstützen?  
Hartmann
: Durch die IBM-Strategie, Installationen nur bis zum vorletzten Betriebssystemrelease direkt durchzuführen, sind wir hier ehrlich gesagt etwas eingeschränkt. Das bedeutet für die aktuelle IBM-i-Version 7.2 eine direkte Unterstützung nur bis V5R4. Wünscht der Kunde die Unterstützung älterer Technologien wie V5R3, werden wir ganz sicher jeweils auch eine individuelle Lösungsmöglichkeit finden.
In diesem Zusammenhang muss man allerdings auf jeden Fall auch sehen, dass schon allein aus Sicherheitsgründen ein Upgrade auf eine aktuelle Version durchaus sinnvoll sein kann, da IBM für die alten Versionen keine Pflege mehr übernimmt. Das ist grundsätzlich in etwa vergleichbar mit dem jüngsten Auslaufen des Supports für Windows XP.

Das Thema Cloud ist gerade in Ihrem Kernbereich Versandhandel ein Megatrend. Wie positionieren Sie Ihr Unternehmen in diesem Feld?
Hartmann
: Bereits heute bieten wir Kunden das SPH-Direct (Microsoft) und auch IBM-Direkt (IBM) als SaaS-Lösungen an. Darüber hinaus setzen wir auf cloud-basierte Mobility-Services wie Apps, die bestimmte Kennzahlen des ERP in einer App schnell und übersichtlich aufbereiten. Außerdem ist die Anbindung externer, cloud-basierter Lösungen möglich. Dazu zählen Onlinebonitätsabfragen, Adressprüfung und -management oder die Anbindung von Payment-Providern wie z. B. Computop oder Klarna.  

IBM positioniert Power8 als Technologie für „Big Data“. Wie beurteilen Sie die Chancen dafür?
Hartmann
: Hier zeigt sich der Markt in Europa und in Deutschland noch sehr zurückhaltend. Man kann das bedauern, aber das ist die Lage der Dinge. Der amerikanische Markt ist da wesentlich innovationsfreudiger. Allerdings ist dies meiner Meinung nach lediglich eine Frage der Zeit.

Wird SPH auch auf der Basis von Power8 und IBM i 7.2 neue Funktionen für den Versandhandel entwickeln und anbieten? Falls ja: welche?
Hartmann
: Wir werden uns in der Entwicklung in erster Linie auf die Anbindung neuer webbasierter Lösungen beschränken. Alle neu auftretenden Anforderungen, wie z.B. die Integration neuer Zahlungsabwicklungen oder auch steuerlicher Neuerungen, werden wir unseren Kunden weiterhin anbieten. Darüber hinaus werden wir bei unseren langjährigen Be-standkunden selbstverständlich auch immer individuelle Entwicklungsaufträge annehmen und umsetzen. Wir haben unseren Kunden einen Support bis mindestens Ende 2019 versprochen.

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