05.05.2017 Software-Modernisierung durch schrittweise Neuentwicklung

ERP-Projekt bei Peiseler

Von: Jana Klinge

Für die Modernisierung der eigenen ERP-Lösung wechselt Peiseler in Remscheid nun von der Entwicklungsumgebung Visual Age für RPG auf .Net und C# Entwicklung im Microsoft Visual Studio. Damit es ein sanfter und risikoloser Umstieg wird, kommt die iNext-Suite von ML-Software zum Einsatz. Sie baut die Brücke zwischen .Net- und IBM-Welt. Dadurch gibt es keinen harten Systemschnitt sondern einen fließenden Übergang.

  • Rundtische, Wender und 2-Achs-Schwenkeinrichtungen sollen auf engstem Bauraum die besten technischen Eigenschaften haben: Dies ist Peiselers Leitbild für die Teilgeräte-Konstruktion, -Fertigung und -Montage.

  • Das zentralisierte Such- und Informationssystem für die Kundendaten – vor und nach der Modernisierung

  • Die neue Vertriebsanwendung (im Hintergrund die alte) liefert umfassende Informationen für eine optimale Kundenbetreuung und -beratung

Das Traditionsunternehmen Peiseler, 1819 als Manufaktur zur Herstellung von Feilen und Raspeln in Remscheid gegründet, fertigt heute eine deutlich breitere Palette von Teilgeräten und Rundtischen für den Maschinenbau. Der Spezialist im Präzisionsmaschinenbau produziert Hightech-Geräte für die Automobilindustrie und Energiebranche, erzielt einen Jahresumsatz von rund 24 Mio. Euro und beschäftigt an drei Standorten in Deutschland und den USA rund 170 Mitarbeiter.

Als innovatives Unternehmen begann Peiseler schon vor über 30 Jahren mit der Entwicklung eines eigenen ERP-Systems. Dies wurde im Jahr 2000 auf Visual Age für RPG umgestellt, um grafische Oberflächen und eine komfortablere Entwicklungsumgebung nutzen zu können. Die fehlende Weiterentwicklung des Visual Age für RPG sorgte jedoch in den letzten Jahren beim Wechsel auf neue Windows-Betriebssysteme zunehmend für Probleme.

Aus diesem Grund wurden alternative Möglichkeiten geprüft. Dabei kristallisierte sich der hohe Automatisierungsgrad, mit dem die vorhandene Individuallösung die Arbeitsabläufe perfekt unterstützt, als Schlüsselkriterium heraus. Standard-ERP-Lösungen konnten diesen Umfang an Automatisierung nicht bieten. Deshalb wurde nach einer neuen, leistungsfähigen Entwicklungsumgebung für die Modernisierung der eigenen ERP-Lösung gesucht. Kein proprietäres sondern ein etabliertes und weit verbreitetes Standardsystem sollte es sein, für das sich unkompliziert Programmierer finden ließen.

.Net-Desktopclient statt Web

Bewusst entschied man sich bei Peiseler gegen einen webbasierten Ansatz. Zu langsam, zu aufwändig in der Entwicklung, zu eingeschränkt in der Leistung im Vergleich zu Desktoplösungen - das waren die Hauptargumente. Doch auch die Kompatibilitätsprobleme durch unterschiedliche Browser- und Releaseversionen kamen erschwerend hinzu. Als Zielplattform wurde daher .Net  mit seinem vertrauten Look & Feel favorisiert.

Bei der Suche nach einem passenden Werkzeug für .Net-Zugriffe auf das vorhandene IBM Power System stieß man auf die iNext-Suite. Mit ihren Möglichkeiten zur Integration von IBM-i-Daten und Anwendungen ins .Net-Umfeld nahm die Idee von einem sanften Übergang weg vom Visual Age für RPG hin zu moderner .Net-Softwareentwicklung konkrete Formen an. Für IT-Leiter Carlos Fernandes war nach dem Proof-of-Concept klar: „Das ist der optimale Weg für die schrittweise Modernisierung und Neuentwicklung des ERP-Systems. Mit .Net, C# und iNext-Suite im Microsoft Visual Studio nutzen wir die innovativsten und leistungsfähigsten Technologien. So wird die Softwareentwicklung nicht nur wieder effizient sondern macht auch noch richtig Spaß.“

Erste Lösung nach acht Wochen im Einsatz

Mit dem Projektstart begann für das Entwicklerteam bei Peiseler auch die Einarbeitung in die neuen Technologien. Die Programmierung mit C#, der Umgang mit der Entwicklungsumgebung MS Visual Studio und der Einsatz von iNext  für die IBM-i-Zugriffe mussten neu erlernt werden. Dennoch war schon nach acht Wochen die erste selbstentwickelte C#-Lösung fertig.

Dabei handelte es sich um ein zentralisiertes Such- und Informationssystem für die Kundendaten. Es ersetzte mehrere alte Suchmodule und Anzeigen, die vorher nötig waren, um nach verschiedenen Kriterien wie Kundennummer, Name, Ort usw. zu recherchieren. Lästiges Kopieren von Feldinhalten und Springen zwischen verschiedenen Masken gehören in der neuen Kundeninfo der Vergangenheit an. Die komfortable Zuwachs- und Teiltextsuche ist ebenso selbstverständlich wie das Filtern und Sortieren in der Ergebnistabelle sowie der Datenexport in verschiedene Zielformate. Dabei sorgt die iNext-Suite mit schnellen DB2-Datenzugriffen für Performance.

Integrierte Gesamtlösung

Mit gegenseitigen Programmaufrufen wurden die alte RPG- und die neue C#-Lösung zu einer integrierten Gesamtlösung verschmolzen. Zu diesem Zeitpunkt war der Anteil an C#-Programmierung in der Gesamtlösung natürlich noch gering. Aber dieses Verhältnis hat sich im Projektverlauf immer weiter verschoben, bis am Ende das alte ERP-System durch das neue komplett ersetzt sein wird.

Dank dieses sanften Einstiegs in den Umstieg fühlte sich die zunächst nur leicht erweiterte Gesamtlösung für die User nach wie vor vertraut an. Sie konnten nun Schritt für Schritt die Wandlung des vorhandenen ERP-Systems mitgehen und sich über die sukzessiven Erweiterungen und funktionalen Verbesserungen freuen. Viel schneller als früher finden die Anwender nun die gesuchten Daten, können die zugehörigen Zeichnungen gleich am Bildschirm ansehen und haben außerdem die direkte Verknüpfung zum Bearbeitungsprogramm.

Aussortieren – Umstrukturieren - Zentralisieren

Auch in den Bereichen Vertrieb, Einkauf und Fertigung ist die Umstellung auf C#-Programmierung in vollem Gange. Die neue Vertriebsanwendung liefert umfassende Informationen für eine optimale Kundenbetreuung und -beratung. Sie erleichtert das schnelle Finden von Kundendaten. Dabei stehen nicht nur die vollständigen Stammdaten sondern auch Angebote, Aufträge, grafische Umsatzstatistiken sowie sämtliche kundenbezogenen Dokumente stehen sofort zur Verfügung.

Im Mittelpunkt der Modernisierung steht immer der zusätzliche Nutzen für die Anwender. Deshalb wird punktuell vorgegangen – alte Module werden nicht zwangsweise 1:1 in C# neu entwickelt. Aussortieren, umstrukturieren, zentralisieren lautet die Devise, um am Ende wieder eine kompakte, integrative Lösung mit optimaler Prozessunterstützung zu haben.

Manche Softwarebestandteile fallen daher dem Rotstift zum Opfer, andere werden mit geringen, mittleren oder großen Anpassungen neu entwickelt: Egal ob Einbinden von PDFs, Bildern, Dokumenten und Dateien oder Zugriff, Anzeigen, Aufbereiten, Exportieren von Daten, Versenden von eMails, Integrieren externer Daten, Soft-/Hardware u.v.m. geht – die Umsetzung ist mit .Net, C#; Visual Studio und iNext nicht nur möglich, sondern auch noch einfacher als mit den herkömmlichen Techniken.

Outlook-Anbindung geplant

Einer der nächsten Entwicklungsschritte wird die Outlook-Anbindung sein. In verschiedenen ERP-Bereichen soll direkt auf E-Mails zugegriffen werden, so dass beispielsweise die E-Mails eines Kunden direkt in seinen Daten angezeigt und geöffnet werden können. Auch die Umstellung der Ausgangsrechnungen auf das PDF-Format wird kommen, um am Ende die Vision von der papierlosen Fabrik zu realisieren.

Unterstützung finden Fernandes und sein Team nicht nur beim Ettlinger iNext-Hersteller ML-Software. Sie nutzen auch Internetrecherchen und Komponenten von Drittanbietern wie Dev Express, um die Ergebnisse und die Effizienz ihrer Softwareentwicklung stetig weiter zu verbessern.

Brückentechnologie zwischen .Net- und IBM-Welt

Mit der Entscheidung für iNext als Brückentechnologie zwischen .Net- und IBM-Welt kann die DB2 auf dem IBM Power System die Businessdatenbank bleiben. Gleichzeitig entscheidet IT-Leiter Fernandes bei neuen Anforderungen fallweise über die optimale Vorgehensweise:

1. Handelt es sich um neue Funktionalitäten? Falls ja, dann werden diese grundsätzlich mit C# neu entwickelt.

2. Handelt es sich um Fehlerbereinigungen in bestehenden RPG-Modulen? Falls ja, ist es sinnvoll diese Module jetzt mit C# neu zu entwickeln oder ist die Fehlerbehebung im Visual Age für RPG vorteilhafter?

Auf diese Weise will IT-Leiter Carlos Fernandes die Modernisierung und Neuentwicklung des eigenen ERP-Systems innerhalb von fünf Jahren abschließen. „Wir liegen sehr gut in unserem Zeitplan,“ stellt er zufrieden fest. „Derzeit arbeiten wir an der Umstellung des Kernsystems, was 2017/2018 abgeschlossen sein soll.“

Am 19. April gab die Indus-Holding aus Bergisch Gladbach bekannt, dass sie durch den Erwerb einer Beteiligung von 80 Prozent an der Peiseler-Gruppe ihr Segment Maschinen- und Anlagenbau weiter ausbauen will; diese Transaktion steht aber noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Kartellamt.

Bildquelle: Peiseler GmbH / ML Sofware GmbH

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH