Andreas Kirsch, Leiter des DIN-Arbeitskreises AK3 und Vorstand der Guardus Solutions AG
Dazu gehört u.a. die Einführung eines ISO 50001-konformen Energiemanagementsystems sowie die nachweisliche Reduzierung der Energieintensität anhand konkreter Zielwerte im Zeitverlauf. Bei der Ermittlung dieser Kennzahl, welche den Gesamtenergieverbrauch je produzierter Gütereinheit beschreibt, verschaffen Manufacturing Execution Systeme (MES) klare Vorteile. „MES speichern laut aktueller ISO Norm 22400-2 alle qualitäts- und produktionsrelevanten Produkt- und Energiedaten in einer integrierten Datenbasis. Somit können diese Systeme jederzeit den direkten, produkt- und auftragsbezogenen Energieverbrauch ausweisen“, so Andreas Kirsch, Leiter des DIN-Arbeitskreises AK3 und Vorstand der Guardus Solutions AG. Im Rahmen der Norm ISO 22400-2 drücke sich dieser Kennwert im Key-Performance-Indikator „Comprehensive Energy Consumption“ aus.
„Die Bedeutung effizienter Energie- und Ressourcenkonzepte wird aufgrund der Novellierung nochmals deutlich zunehmen. Diese Forcierung spiegelt sich auch in den Aktivitäten des Arbeitskreises AK3 im DIN NA 60-30-05 – dem Initiator der VDMA-Einheitsblätter 66412 Teil 1 und 2 – wider. Aktuell werden dort zentrale Energiekennzahlen auf nationaler Ebene diskutiert, welche im Laufe des Jahres durch den VDMA publiziert werden“, ergänzt Volker Schnittler, Referent ERP- und PPS-Systeme beim VDMA-Fachverband Software, den Entwicklungsstand.
Um die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiv produzierender Unternehmen zu erhalten, genehmigte die Europäische Kommission bis zum 31. Dezember 2012 Steuerbegünstigungen im Energiesteuer- und Stromsteuergesetz. Die nun beschlossene Nachfolgeregelung, die ab Januar für die nächsten zehn Jahre Gültigkeit hat, legt als Gegenleistung für die Gewährung des so genannten Spitzenausgleichs klare Energieeinsparziele fest. Ein Großteil der Unternehmen, die diese Steuerentlastung in Anspruch nehmen wollen, müssen nun für das Antragsjahr nachweisen, ein Energiemanagement-System eingeführt beziehungsweise bereits betrieben zu haben, das den Anforderungen nach ISO 50001 entspricht.
„Mit dieser Vorgabe soll eine nachhaltige Verbesserung der Energieeffizienz und in der Folge eine Senkung des Energieverbrauchs sowie der damit verbundenen Kosten erreicht werden“, erläutert Kirsch die Ziele der neuen Richtlinie. Der Faktor Energieverbrauch spiele auch bei der zweiten Forderung der neuen Energiesteuerrichtlinie eine entscheidende Rolle: der Reduzierung der Energieintensität.
Die Absenkung soll auf Basis nachzuweisender, gestaffelter Zielwerte erreicht werden: von 1,3 Prozent für das Bezugsjahr 2013 (Antragsjahr 2015) bis auf 5,25 Prozent im Bezugsjahr 2016 (Antragsjahr 2018). „Das Erreichen dieser Kenngrößen ist über ein jährliches Monitoring abzubilden, so dass entsprechende Kennzahlensysteme unumgänglich werden“, so Schnittler. MES spielen dabei eine Hauptrolle, denn dank ihrer in der ISO 22400-2 definierten Leistungsumfänge erlauben sie die Bewertung direkter auftragsbezogener Energieverbräuche pro Anlage und Produkt.
Damit wird der erforderliche Zusammenhang zwischen Produktionsauftrag, produzierter Menge und Ausschuss, Maschine und deren Zuständen sowie eingesetztem Werkzeug und Material in Bezug auf den Energieverbrauch hergestellt. Auf dieser Grundlage lassen sich energiebezogene Kennzahlen zur Ermittlung der notwendigen Energieintensität ermitteln und präzise Verbesserungsmaßnahmen zur Energiesenkung im Rahmen des Energiemanagement-Systems ableiten.
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