01.08.2017 Mit Pick-by-Vision auf dem Weg ins digitalisierte Logistiklager

Fiege kommissioniert mit Google Glass

Von: Julian Mester / Marie-Louis Mersch

Zwanzig Datenbrillen setzt der Logistikdienstleister Fiege an seinem Standort in Worms zum Kommissionieren von Waren für einen Hersteller von Elektrowerkzeugen ein. Seit April hat Fiege Logistik den Einsatz der Google-Glass-Brillen, die von der Firma Picavi für die Logistik zur Marktreife gebracht wurden, zunächst getestet und dann weiter ausgebaut. Genutzt wird die jüngst lancierte Glass Enterprise Edition.

  • Das Team bei Fiege Worms hat die Datenbrillen mehrere Monate lang im Lager getestet. Michael Suden (3. von rechts), Managing Director Industry Logistics und Projektleiter, Jens Ritscher (3. von links) und alle Tester waren mit dem Ergebnis zufrieden.

  • Im Vergleich zur Kommissionierung mit Pick-by-Voice oder Pick-by-Scan ist die Arbeit mit Datenbrillen schneller und sicherer.

  • Sicherheit und Usability gehen Hand in Hand: Auch der belgische Kontraktlogistiker Weerts setzt die Pick-by-Vision-Lösung im Zentrallager nahe Lüttich ein.

„Mit den Datenbrillen gewinnen wir wertvolle Zeit – für uns als Kontraktlogistiker ein besonders wichtiges Argument für diese Technik“, wird Michael Suden, Managing Director Fiege Industry Logistics in Worms, in einer Pressemitteilung zitiert.

Denn in Fieges Wormser „Intercontinental Distribution Center“ (IDC) werden nun Elektrowerkzeuge und Gartengeräte einschließlich ihrer Zubehörteile mit den Datenbrillen kommissioniert. Wo zuvor ein Handheld mit Pick-by-Voice genutzt wurde, arbeiten die Lagerarbeiter jetzt mit 20 Datenbrillen im täglichen Echtbetrieb. Sie picken große Gartengeräte oder stellen kleine Zubehörteile und Werkzeuge versandfertig zusammen. Wie genau, das zeigt ein Video über den Einsatz der Datenbrillen.

Effizienz und Ergonomie im Fokus

Vom Logistikzentrum in Worms gelangen die Waren dann zu Kunden in der ganzen Welt. Bei der Arbeit im etwa 80.000 qm großen Standort legt der Logistikdienstleister Fiege besonderen Wert auf Effizienz und Ergonomie.

Während die Kommissionierer dank freier Hände und dem Datenbrillen-Display, das ihnen stets die auftragsrelevanten Daten anzeigt, schneller und sicherer arbeiten, können sie sich gleichzeitig auf die ergonomischen Bewegungsabläufe konzentrieren.

Pick-by-Vision schnell erlernt

Der Pick- und Packprozess, der bei Fiege mit Pick-by-Vision abgewickelt wird, steht in direktem Vergleich zur Leistung der zuvor eingesetzten Kommissioniermethoden Pick-by-Scan und Pick-by-Voice.

„Unsere Mitarbeiter haben eine Zeitersparnis von bis zu zehn Prozent erreicht“, sagt Jens Ritscher, der bei Fiege das Pilotprojekt Pick-by-Vision betreut. Über das Datenbrillen-Display wird der Kommissionierer nun Schritt für Schritt durch seinen Auftrag geführt, indem Picavi die Daten modelliert und in Echtzeit übermittelt.

Einsatz der Datenbrillen wird ausgeweitet

Dabei ist das neue System für die Fiege-Mitarbeiter intuitiv zu bedienen und hat schnell Akzeptanz gefunden. „Unsere Mitarbeiter haben das Picken mit der Datenbrille sehr schnell erlernt. Das Feedback war durchweg positiv. Die Brille sei angenehm zu tragen und zeigt auch nur dann Informationen an, wenn sie benötigt werden“, so Jens Ritscher. Der Einsatz der Datenbrille soll zunächst im IDC Worms auf weitere Prozesse ausgeweitet werden. Ein Roll-out auf weitere Standorte in der Fiege-Welt ist in Planung.

Nach Einschätzung des Glass-Partners Picavi aus Herzogenrath, der Glass Enterprise Edition für Pick-by-Vision im Lager nutzbar macht, ist die Datenbrille Glass Enterprise Edition längst in der Praxis angekommen. Nach Angaben von Picavi arbeiten damit bereits über 30 Kunden – darunter Kontraktlogistiker und Pharmaunternehmen –  und steigern mit Pick-by-Vision im Echtbetrieb ihre Prozesse Effizienz und Sicherheit ihrer Intralogistik.

Userspezifische Layouts

„Picavi hat die Softwareanbindung, die Entwicklung userspezifischer Layouts sowie praxisorientierter Handlings schnell und erfolgreich umgesetzt. Im Ergebnis erzielen wir eine Zeitersparnis von bis zu 30 Prozent bei gleichzeitig erhöhter Arbeitssicherheit“, beschreibt etwa Andreas Paul, Leiter Logistik der Klosterfrau Berlin GmbH den Einsatz von Picavi für Glass.

Das Picavi-Know-How steckt außerdem in der Entwicklung von Zubehör für Wearables: Der Picavi Power Control, Akku und Bedienelement in einem, trägt zur Industrie- und Praxistauglichkeit der Datenbrille bei, indem er sie mit Energie für mindestens eine Schicht versorgt und um fünf große Tasten zur einfachen Prozesssteuerung ergänzt.

Die erst jüngst offiziell lancierte Glass Enterprise Edition zeichnet sich laut Picavi-Geschäftsführer Dirk Franke vor allem durch ihre leichte Handhabung aus – auch für Lagerarbeiter mit Sehschwäche sowie bei erhöhten Sicherheitsvorgaben. Mit dem Schnellwechselmechanismus für Brillen- und Sicherheitsgläser mit und ohne Sehstärke nach EN166 passen sich die Head-Mounted-Displays einfach ihrem Nutzer an und tragen zum Schutz des Werkers in möglichen Gefahrenzonen bei.

Bildquelle: Fiege / Picavi

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