Vibrationshantel: Die Gewichte sind mit Durni-Coat (DNC-AL) beschichtet.
Das Angebot an Standardverfahren, die gemeinsam mit den Kunden laufend weiter entwickelt werden, ergänzen die meisten Werke, unterstützt durch ein speziell entwickeltes Qualitäts- und Prozessmanagement-System, durch ganz spezifische Sonderverfahren. Auf diese Weise optimiert GMT die bewährten Verfahren und Applikationen und entwickelt kontinuierlich neue Möglichkeiten der Materialbearbeitung. Jedes Jahr werden mehr als 200.000 verschiedene Bauteile mit einer Gesamtstückzahl von über 500 Mio. Einzelteilen unterschiedlichster Branchen veredelt: Maschinenbau, Automobilindustrie, Elektronik, Elektrotechnik, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, um nur einige zu nennen.
Die IT für den Verbund der rund 50 Werke in ganz Europa erbringt ein Rechenzentrum in Kerpen bei Köln, dass aus Sicherheits- und Verfügbarkeitsgründen in ein knapp 40 km entferntes RZ in Eschweiler gespiegelt wird. Die Werke sind über mindestens 2 MBit/s schnelle VPN-Verbindungen angebunden, redundant über UMTS oder, wo das nicht möglich ist, über Satellitenverbindung, um das Kabel als Single Point of Failure auszuschalten: Denn wenn der Bagger zuschlägt, wäre auch die Backup-Verbindung unterbrochen.
Das Herz der IT bildet übrigens ein brandneues IBM Power System 720 mit sechs aktivierten Power7-Prozessoren, 128 GB Speicher und knapp 10 TB Plattenkapazität, das im Januar 2011 unter V7R1 installiert wurde. Darauf laufen zentral die über 30 Jahre gewachsenen AS/400-Anwendungen für 2.200 User, mit der alle ERP-Prozesse für die Werke mehrsprachig abgebildet werden, sowie die Lagerverwaltung mit der Standardsoftware Lagos. Dazu kommen Anwendungen für die Fibu (Kissels) sowie für das Personalwesen (Veda).
„2007 haben wir dann in dem Projekt i5web begonnen, diese Host-Anwendungen um ein mit PHP entwickeltes Web-Interface zu ergänzen“, erinnert sich Dr. Rainer Schmitz, Head of IT bei Aalberts Industries Group Material Technology in Kerpen. „Das erlaubt uns heute eine wesentlich einfachere Kommunikation mit der Außenwelt als über die klassische RPG-Programmierung.“
Damit meint Schmitz nicht nur Webservices wie die Abfrage aktueller Rohstoffpreise an der Börse, sondern auch von Daten der Werksserver und Produktionsmaschinen sowie von Kameras, Waagen und anderen Instrumenten der Fertigungssteuerung, bis hin zur Temperatursteuerung der Schmelzöfen. Dazu kommt die Anbindung ergänzender Windows-Anwendungen, wie etwa Sage für den Einkauf oder das Active Directory für die Benutzerverwaltung.
Neben dem gesamten Reporting für die Werke, das ebenfalls über i5web läuft, wurden auf PHP-Basis auch eigenen Module entwickelt, z.B. die Maschinenwartung, ein Dokumentenmanagement oder das Internet-Kundenportal. Genutzt werden für die Entwicklung der ERP-Erweiterungen neben dem Zend Framework auch das kleine schwedische Tool Jp Graph zur Erstellung von Grafiken und die Open-Source-Lösung TCPDF zur PDF-Erstellung.
„Das Schöne an dem Reporting ist, dass dabei die Daten sowohl aus der AS/400- als auch Windows-Umgebung genutzt werden, mit einem Drill-Down bis auf die Ebene der Originaldokumente“, so Schmitz. Die Berichtserstellung sei schnell, da auf SQL konsequent verzichtet wurde, die Verwaltung der Zugriffsberechtigungen über Active Directoy einfach, die Schnittstelle zur RPG-Welt sauber und die Einbindung in Microsoft-Anwendungen wie Sharepoint, Explorer oder Office ebenso problemlos wie die in die Welt der „Green Screens“.
Um eine wirklich saubere Schnittstelle zu den RPG-Anwendungen zu erhalten, verzichtet Schmitz auf die 5250-Bridge zur „Fernsteuerung“ der Programme. Vielmehr hat das Programmiererteam mittlerweile rund zwanzig Anwendungsprogrammschnittstellen (APIs) auf Transaktionsebene geschaffen, mit der die RPG-Programme aus der PHP-Welt heraus bedient werden können, so dass es nicht zu Konflikten bei der Verantwortlichkeit für Daten und Tabellen kommen kann.
Erkauft hat Schmitz das durch relativ lange Ladezeiten der Seiten, auch wenn die AS/400 die HTML- bzw. PHP-Seiten innerhalb von zwei bis fünf Millisekunden bereitstellt. Schmitz spricht von effektiven Ladezeiten zwischen ein und zwei Sekunden im Normalfall, bei komplexeren Report auch schon einmal von einer halben Minute. Eine Ursache dafür sei der Einsatz des Zend Framework als Entwicklungsumgebung. Da der Anwender über i5web jedoch gezielt auf wirklich alle relevanten Informationen zugreifen könne und sie sehr kondensiert nutzen kann, sei die Akzeptanz dennoch gut. Nur: Man könne nicht wirklich schnell damit arbeiten. Außerdem handele es sich um eine lockere Sammlung von Applikationen; es fehle noch die konsistente Navigation. Letztlich sei man für die Anwenderidentifizierung immer noch vom Internet Explorer abhängig, da derzeit nur darüber zu ermitteln ist, ob der PC-Nutzer auch eine entsprechende Berechtigung auf der AS/400 hat.
Das es mit PHP auch performant geht, beweist ein „Manufacturing Execution System“ (MES) auf der AS/400. Das war mit i5web so nicht zu realisieren, weil der MES-Client auf mobilen Endgeräten für die Praxis schlicht zu langsam gewesen wäre, etwa beim Scannen von Barcodes. Deshalb wurde eigens ein MES-Client geschaffen, für den ergänzend zu PHP als Turbo auch Javascript genutzt wird. Außerdem wurde das Zend-Framework dafür auf Tempo getunt – durch Verzicht auf alles, was nicht nötig erscheint. So konnte die Anzeige einer leeren PHP-Seite von 706 auf 208 Millisekunden beschleunigt werden, gemessen übrigens noch auf der alten 520.
Die heute insgesamt über 50 genutzten MES-Clients weisen aber nicht nur kurze Reaktionszeiten auf, sondern sind auch einfach zu bedienen und flexibel auf unterschiedlichster Hardware einsetzbar - auf mobilen Endgeräten, im Schaltschrank oder am Laborarbeitsplatz. Außerdem ist jeder MES-Client individuell konfigurierbar und kann unterschiedlichste Peripherie steuern oder überwachen – ob Drucker oder Waage, ob Messgerät, die Temperatursteuerung im Ofen oder gar eine ganze Produktionsanlage.
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