Breitbandausbau

Grundversorgung im 21. Jahrhundert

Wasser, Strom, Internet - das Netz ist längst Grundversorgung. Es fehlt aber an einer politischen Agenda mit dem Ziel "300 MBit/s für jeden".

Grundversorgung im 21. Jahrhundert

Wer wissen will, wie stark das Internet bereits im Alltag verankert ist, muss sich nur mit einem Immobilienmakler unterhalten. Und zwar mit einem, der Häuser tief in der Eifel verkauft oder einer beliebigen anderen deutschen Region abseits der großen Städte.

Er wird erfahren, das Häuser ohne DSL16000-Anschluss praktisch unverkäuflich sind. Vor allem junge Familien legen sehr viel Wert auf die von ihnen gewohnte und gut genutzte Internetanbindung. Auch Gewerbetreibende und Freiberufler setzen für ihre Werkstätten und Büros heutzutage einen Internetzugang voraus.

Für einen Großteil der Bevölkerung gehört Internet mit ausreichender Geschwindigkeit zur Grundversorgung und hat inzwischen den gleichen Status wie Wasser oder Strom. Niemand würde eine Wohnung ohne eine entsprechende Versorgung beziehen und in Sachen Internet ist das faktisch ebenfalls so.

Leider erfordert der Ausbau der Breitbandnetze einen hohen Investitionsaufwand. Die Telekommunikationsunternehmen sehen sich nicht in der Lage, die Investitionen alleine aufzubringen. "Die Zeiten sind vorbei, in denen wir flächendeckend solch ein Netz bis in jeden Haushalt ausrollen", meinte Telekom-Vorständler Niek Jan van Damme schon 2011 in einem Interview.

Und an dieses Versprechen hat sich die Telekom gehalten. Sie hat statt dessen klassische Lobbypolitik gemacht und die Verpflichtung zum flächendeckenden Ausbau eines Glaserfasernetzes vom Tisch gefegt. Wirtschaftsminister Rösler bleibt nur der Appell, doch bitteschön bis 2018 flächendeckend 50-Megabit-Zugänge zu schaffen.

Angesichts einer Schönfärbe-Rethorik, die ein Megabit für Breitband hält, klingt das sogar nach einem Erfolg. Zukunftsorientierte Politik sieht anders aus. Das Problem ist, wie hin und wieder aus der Internet-Enquete kolportiert wurde, die Tatsache, dass die meisten Politiker gar kein Gefühl für die Bedeutung des Internets haben.

Sicher, noch fehlen Anwendungen, die 300 Megabit zwingend notwendig machen. Doch die Überlegung setzt falsch an. Denn es ist kaum möglich, jetzt bereits die Breitbandanwendungen der Zukunft zu kennen. Hilfreich ist ein Blick auf die klassische Infrastruktur der Autobahnen.

Dass sie zu einer Art beweglichen Lagerfläche (Just in time-Prinzip) werden, war bei den ersten Plänen in den zwanziger Jahren nicht abzusehen. Ebenso wenig war der enorme Ausbau des Individualverkehrs und überhaupt die Mobilität unserer Gesellschaft vorhersehbar.

Ähnlich ist es mit dem Internet. Die meisten Entwicklungen sind ein Produkt des letzten Jahrzehnts, zum Beispiel die Verlagerung von Diensten. So arbeitet die Telekom daran, das Telefonnetz zu einem Teil des Internets zu machen. Auch die Möglichkeit, via Internet Filme und TV-Sendungen in Kinoqualität zu schauen, entstand erst vor wenigen Jahren.

Es gibt eine ganze Reihe von Entwicklungen, die ein Breitbandinternet voraussetzen - etwa Cloud Computing und Big Data. Damit diese Technologien gut funktionieren, ist eine entsprechend schnelle Verbindung notwendig. Auch die wachsende Zahl an Homeoffice-Mitarbeitern, aber auch von Onlineshops mit einem großen Volumen an Foto- oder sogar Video-Uploads durch die Händler erfordern Bandbreite.

Auch Privatleute nutzen das Netz immer intensiver. So ist es zum Beispiel üblich, dass zu bestimmten Tageszeiten jedes Familienmitglied online ist und irgendetwas anderes in Internet erledigt. Doch das wichtigste an der Breitbandzukunft sind die vielen tausend Anwendungen, die heute noch niemand kennt und die ein echter Wolhstandsfaktor sein können - wenn die notwendige Infrastruktur gebaut wird.

Bildquelle: Alex Dreher / pixelio.de

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok