03.05.2017 Interview zur Strategie des IBM-Partners Cenit

„Gut aufgestellt!“

Von: Swetlana Isaak

André Vogt, Direktor „Enterprise-Information-Management“ bei Cenit, erläutert die Strategie des IBM-Partners in Zeiten von Analytics, Predictive und Watson.

André Vogt, Direktor „Enterprise-Information-Management“ bei Cenit

Analytics, Predictive und Watson sind Themen, mit denen IBM derzeit das Geschehen im Markt mitgestalten will. Die Lösungen sind kognitiv, die Plattform ist Cloud und die Zielgruppe ist nach Branchen segmentiert. Wie gehen die IBM-Partner damit um – und welche Strategien der Zusammenarbeit verfolgen sie? DV Dialog befragte dazu André Vogt, Direktor EIM beim Stuttgarter IT-Dienstleister Cenit.

Herr Vogt, die angesprochenen Themen bringen die Notwendigkeit neuer bzw. angepasster Modelle der Zusammenarbeit für die Business-Partner der IBM mit sich. Was bedeutet dies für Cenit als Partner, der seit über 20 Jahren mit IBM zusammen arbeitet?
André Vogt
: Neue Lösungen, neue Themenfelder und adaptierte Formen der Zusammenarbeit – das Thema Veränderung, oder vielmehr Transformation und Innovation ist für Cenit nichts Neues, sondern Teil unserer DNS. Denn um wettbewerbsstarke und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, muss man den Wandel auch intern vorantreiben.

Die Geschichte der Cenit geht vom Hardware-Anbieter zum Software-Anbieter im Reselling-Umfeld bzw. vom System- zum Software- und Beratungshaus. Die damit einhergehende Expertise erlaubt es uns heute, uns als Partner für die Digitale Transformation zu positionieren.

Kurzum, genauso wie IBM mussten wir schon immer den konkreten Entwicklungen der jeweiligen Zeit Rechnung tragen, um auf die Kunden- und Markt­bedürfnisse zu reagieren. IBM gibt hier somit nur indirekt die Richtung oder Strategie vor, da sie sich ebenfalls an den Marktbedürfnissen ausrichtet bzw. diese antizipiert.

Betrachten wir konkret die aktuellen Themen im Markt und bei der IBM: Was tun Sie bei Cenit in Sachen Analytics, Predictive und Watson?
Vogt:
Im Markt wachsen diese Be­griffe immer weiter zusammen. Watson als die „personalisierte KI“, Predictive als Geheimwaffe im BI-Umfeld und die Analyse aller Daten – strukturierter und unstrukturierter – als Basis für Unternehmensentscheidungen. Immer geht es dabei darum, aus einem Thema oder einer Technologie wirtschaftlichen Nutzen für Endkunden zu erwirken.

Den Mehrwert können Unternehmen dabei nur dann wirklich realisieren, wenn die Lösungen ihre branchen­spezifischen Prozesse optimal unterstützen. Das bedeutet, dass die fachliche Expertise der IBM-Partner entscheidend ist. Wir fokussieren uns daher bewusst auf folgende Themen, die wir seit einigen Jahren in den Markt tragen: 360-Grad-Kundenkommunikation im Bereich Finance und ­Industrie, Predictive-Maintenance im produzie­renden Umfeld sowie klassische Prozess­optimierung und -automatisie­rung auf Basis von EIM-Technologien.

Bei den von Ihnen genannten Themen tauchen KI oder Watson nicht auf. Ist Cenit im Umfeld dieses Trends nicht aktiv?
Vogt: Ganz im Gegenteil. Wir sind hier aktiv dabei – und auch schon länger, als man vermuten würde: Zum einen haben wir sehr früh in die Ausbildung von Kollegen im Bluemix-Umfeld investiert und somit früh Watson-basierte Services in unsere Lösungen implementierungsseitig integriert. Zum anderen stehen wir in einem lockeren Austausch mit Forschungs­partnern in Süddeutschland und begleiten das Thema intern.

Was tun wir also aktiv: Im zweiten Quartal dieses Jahres gehen wir erneut mit einer Roadshow auf Tour und stellen unseren KI-basierten Lösungs­ansatz zur Qualitätssteigerung und Kostensenkung vor. Inhaltlich möchte ich nicht so viel verraten, aber bei dieser Lösung geht um Bilder- und Spracherkennung mittels KI im Versicherungsumfeld. Und unsere Lösung „Smart Chat“ – ein verbesserter, innovativer Chatbot – ist hier inkludiert.

In den Gesprächen mit den IBM-Partnern wird immer wieder das Reselling-Modell von Produkten in Relation mit Cloud-Lösungen adressiert. Sehen Sie das eher als Ergänzung oder als Substitut – und wie geht Cenit damit um?
Vogt
: Zunächst ist es als klare Ergänzung zu sehen – und dies gilt für alle Partner. Aber es wird immer wichtiger, eine eigene Identität im Markt zu etablieren, um einen eigenen Mehr­wert gegenüber der Kunden darzustellen. Zertifizierte Mitarbeiter sowie Technologie-Expertise reichen allein nicht mehr aus, um Kunden zufrieden zu stellen. Es gilt vielmehr, die Kundenfragen und -anforderungen tatsächlich zu verstehen und passgenaue, individuelle Lösungen zu finden. Dies meine ich nicht nur auf den Prozess bezogen. Genau darin liegt unsere Stärke.

Wie wollen Sie weiterhin Partner des Kunden sein bzw. bleiben, wenn die IBM-Plattform die Cloud ist?
Vogt: Die Digitalisierung verändert nicht nur unseren Umgang mit Technologie und das dazugehörige Handeln, sondern ebenso das Einkaufsverhalten im B2B-Bereich: Wenn Cloud die Plattform ist und man Schnittstellen zu On-Premise-Systemen integrieren oder eine weitere Cloud-Plattform konnektieren muss, können IBM-Partner wie wir optimale, kundenspezifische Wege anbieten – und in die Betriebsverantwortung übernehmen. Beispiele wären SaaS oder eine auf den fachlichen Prozess abgestimmte Verbindung von diversen Cloud-Lösungen. Diese Leistungen können ohne hohe Anfangsinvestitionen beschaffen werden – damit wird X-as-a-Service über Pauschalen tatsächlich Realität.

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