18.08.2017 UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider (li.) und Nils Wulf im Interview

„IBM i und die Cloud – das passt!“

Von: Berthold Wesseler, Foto: John Ibrügger

Die Cloud gilt als einer der Megatrends der IT-Branche schlechthin. Auch klassische AS/400-Anwendungen können davon ohne weiteres profitieren, erklären die beiden UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider und Nils Wulf im Interview mit DV-Dialog.

  • Die beiden UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider (li.) und Nils Wulf im Interview

    Die beiden UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider (li.) und Nils Wulf im Interview

  • „Für eine Auslagerung spricht oft, dass es zu teuer wäre die Gebäudetechnik und die RZ-Infrastruktur auf ein Niveau zu bringen, das ein Wirtschaftsprüfer akzeptiert – und das auch einem Audit standhält.“ Uwe Schneider (l.)

    „Für eine Auslagerung spricht oft, dass es zu teuer wäre die Gebäudetechnik und die RZ-Infrastruktur auf ein Niveau zu bringen, das ein Wirtschaftsprüfer akzeptiert – und das auch einem Audit standhält.“ Uwe Schneider (l.)

  • „Wir können jede Anwendung auf dem System i mit jedem heute am Markt erhältlichen Cloud-Service kombinieren. Das ist lediglich eine Frage des Know-hows.“ Nils Wulf (l.)

    „Wir können jede Anwendung auf dem System i mit jedem heute am Markt erhältlichen Cloud-Service kombinieren. Das ist lediglich eine Frage des Know-hows.“ Nils Wulf (l.)

  • „Wir sind heute in der Lage, ein Power-System i in eine komplett virtualisierte Private Cloud zu integrieren. Aufgrund unserer Historie kennen wir sämtliche Heraus-forderungen, die damit verbunden sein können.“ Uwe Schneider (l.)

    „Wir sind heute in der Lage, ein Power-System i in eine komplett virtualisierte Private Cloud zu integrieren. Aufgrund unserer Historie kennen wir sämtliche Heraus-forderungen, die damit verbunden sein können.“ Uwe Schneider (l.)

  • „Wir sind heute in der Lage, ein Power-System i in eine komplett virtualisierte Private Cloud zu integrieren. Aufgrund unserer Historie kennen wir sämtliche Heraus-forderungen, die damit verbunden sein können.“ Uwe Schneider (r.)

    „Wir sind heute in der Lage, ein Power-System i in eine komplett virtualisierte Private Cloud zu integrieren. Aufgrund unserer Historie kennen wir sämtliche Heraus-forderungen, die damit verbunden sein können.“ Uwe Schneider (r.)

Cloud Computing bringt diverse Vor- und Nachteile gegenüber den klassischen Formen der Auslagerung von Aufgaben des IT-Betriebs an einen Dienstleister – seien es Hosting, Managed Services, Outtasking oder auch Outsourcing. Welche Optionen die Cloud speziell Anwendern von IBM i eröffnet und was bei ihrer Nutzung zu beachten ist, erläutern die UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider und Nils Wulf. Sie gehen dabei auch auf Anwendungen wie Cognitive Computing oder SAP ein.

Mit heute ca. 70 Mitarbeitern steht der IBM-Partner UBL seit der Gründung 1986 für ein gesundes, organisches Wachstum. Angeboten werden Managed-Services, hochverfügbare Infrastrukturen und die Entwicklung von individueller Software.

Cloud Computing, Hosting, Outsourcing oder Managed-Services – das alles ist mehr oder weniger eine Auslagerung von Aufgaben des IT Betriebs. Was sind die Unterschiede dieser Angebote?

Uwe Schneider:
Klar sind das alles Formen einer mehr oder weniger starken „Auslagerung“ von IT-Funktionen an Dienstleister. Die beiden Ex­treme sind Cloud Computing auf der einen Seite und Outsourcing auf der anderen Seite.

Die Cloud ist eher eine Art „Selbstbedienungsladen für IT“, aus dem sich die Benutzer schnell und flexibel die gewünschten IT-Services und Apps beschaffen können. Das kann ein Outsourcing in die Public Cloud bedeuten, muss es aber nicht. Die Cloud kann ja auch im unternehmenseigenen RZ oder gehostet bei einem Provider betrieben werden. Apps können ebensogut Eigenentwicklungen sein wie gekaufte Standardprodukte à la Office 365 oder Salesforce.com.

Nils Wulf: Das andere Extrem ist das Outsourcing, also die komplette Auslagerung des IT-Betriebs oder eines Geschäftsprozesses an den Dienstleister. Wir positionieren uns in den beiden Bereichen Hosting und Managed-Services zwischen diesen Extremen. Das heißt konkret: Wir übernehmen Teile der Aufgaben zur Gewährleistung des IT-Betriebs beim Kunden, ohne dessen eigene IT-Abteilung zu verdrängen. Wir ergänzen vielmehr bei Bedarf Ressourcen oder fehlendes Know-how.

Schneider: Wir verstehen UBL nicht als Selbstbedienungsladen. Unsere Kunden wollen vielmehr im Rahmen ihrer Sourcing-Strategie ganz bestimmte Aufgaben an uns übertragen. Das kann das Hosting des RZ sein, das können aber auch einzelne Leistungen im Bereich Infrastructure- oder Platform-as-a-Service sein. Unsere Services fügen sich dann in die vorhandene IT-Infrastruktur des Kunden ein.
Wulf: Im Vordergrund steht dabei oft das Thema Skills – gerade im Bereich IT-Infrastruktur, in dem die Komplexität enorm zunimmt. Wenn es darum geht, neue Infrastrukturen aufzubauen, fehlen manchmal in der IT-Abteilung Mitarbeiter mit den dafür nötigen Kenntnissen.

Genauso gut kann es aber auch sein, dass Mitarbeiter von reibungslos funktionierenden Systemen für neue Aufgaben abgezogen werden, denn unsere Kunden sehen den Mehrwert ihrer IT vor allem bei den Applikationen und Geschäftsprozessen. Die bisherigen Aufgaben der von der Infrastruktur abgezogenen Mitarbeiter übernehmen dann wir.

Cloud Computing und IBM i, passt das heute schon zusammen?

Wulf:
Auf jeden Fall, denn die das System i umgebenden IT-Systeme lassen sich ohne Probleme in die Cloud verlagern. Die Plattform IBM i selbst ist für Cloud Computing im Sinne von Selbstbedienung und Elastizität weniger gut geeignet, denn es gibt einige Strukturen innerhalb des Anwendungssystems, die dagegen sprechen.

Schneider: Wir sind heute durchaus in der Lage, ein Power System i in eine komplett virtualisierte Private Cloud zu integrieren. Aufgrund unserer Historie kennen wir sämtliche Herausforderungen, die damit verbunden sein können. Eine Public Cloud auf Basis von IBM i ist mir dagegen noch nicht bekannt.

IBM versucht ja zur Zeit Service-Provider von der Plattform IBM i zu überzeugen. Mit guten Argumenten?

Schneider:
Uns muss IBM nicht überzeugen, denn wir bieten als Vorreiter schon seit fast zwölf Jahren Managed-Services für IBM i an. Natürlich diskutieren wir mit IBM immer wieder die Herausforderungen, die uns begegnen. Aber wir sind schon immer von der Plattform überzeugt gewesen.

Welche Herausforderungen meinen Sie konkret? Und was könnte IBM tun, um Ihnen und auch Ihren Kunden das Leben einfacher zu machen?

Schneider:
Das sind gute Fragen. Lassen Sie mich so antworten: IBM i hat seine Eigenheiten – und wir haben gelernt, unser Geschäftsmodell um diese Eigenheiten herumzubauen. Das heißt: Wir arrangieren uns mit dem, was uns heute zur Verfügung steht. Das sind teilweise historisch bedingte Strukturen, die auch eine IBM nicht so ohne weiteres beseitigen kann.

Rühren diese Strukturen daher, dass IBM i anfangs her als Komplettsystem für den Inhouse-Betrieb im Mittelstand konzipiert worden ist?

Wulf:
Nein, im Gegenteil! Die Architektur des Systems an sich spricht eher für die neuen Betriebsmodelle. Die Probleme rühren woanders her. Gegen IBM i in der Cloud spricht insbesondere die Lizenzpolitik der IBM und die Art und Weise, wie früher Anwendungssysteme programmiert worden sind. Diese Anwendungen leisten ja heute immer noch gute Dienste, sind aber alles andere als Web-basiert.

Schneider: Es sind aber meistens eher kaufmännische als technische Gründe. Auch die Strukturen der Lizenzen der Software-Anbieter erschweren den Weg in die Cloud für Anwender von IBM i. Denn allzuoft werden immer noch die Serien­nummern der Systeme abgefragt, sobald ein Programm gestartet wird. Das verunmöglicht praktisch die Elastizität der Cloud, in der man ja eigentlich die Systeme je nach Bedarf nutzen – also auch schnell austauschen – möchte.

Wulf: Anderes Beispiel: Viele Softwarehäuser legen bei der Preisgestaltung immer noch die Prozessorklasse des Servers zugrunde, auf dem die Anwendung läuft. Das macht es für uns sehr schwer, mehrere Anwendungen für verschiedene Kunden auf einem einzigen großen Server zu betreiben, was die wirtschaftlichste Lösung wäre. Dann würde ich die Anwendungen jedes Kunden in einer kleinen Partition betreiben, müsste aber die Anwendungssoftware für den großen Server lizenzieren. Das wäre viel zu teuer.

Schneider: Das ist aber nicht nur ein Problem von IBM i. Auch bei Microsoft oder Oracle ist die Virtualisierung eine lizenztechnische Herausforderung. Auch da gibt es viele Abhängigkeiten, die den Leuten oft gar nicht bewusst sind.

Wulf: Bei IBM i bleibt die Anwendung stehen, falls die Lizenz nicht gültig ist. Das ist in dem Sinne ein Vorteil, dass der IT-Chef dann um­gehend die Lizenzfragen klärt. Bei Microsoft funktioniert die Software trotz Lizenzverstoß – und der IT-Chef bemerkt ihn oft gar nicht einmal. Und dann gibt es nach einem Audit plötzlich das böse Erwachen.

Worauf muss ein IT-Chef vor allem achten, der seine IT-Systeme ganz oder teilweise in die Cloud verlagern will?

Wulf:
Ein solches Projekt ist komplex und hat viele Dimensionen, die es zu beherrschen gilt. Top-Down betrachtet gilt es zunächst die Compliance- und Rahmenbedingungen zu klären, etwa die Service-Level-Agreements. Die hängen auch ab von der Kritikalität der Services, die in die Cloud verlagert werden. Dann ist die Frage, welche Datenschutzgarantien der Provider anbietet. Weitere Fragen betreffen die Gerichtsstände und das Kleingedruckte in den AGBs. Da muss man schon sehr genau hinschauen.

Die nächste Dimension betrifft die Services selbst. Kauft man nur Performance ein – oder will man auch die Technik hinter diesen Services mitbestimmen? Welche Verfügbarkeit ist gewünscht? Ist eine Bereitschaft rund um die Uhr erforderlich?

Schneider:
Die Frage ist auch: Was genau soll der Provider machen? Das ist gerade im Umfeld von IBM i entscheidend, weil dort die Datenbank integraler Bestandteil des Systems ist. Der Provider, der das System betreibt, hat also durchaus Zugriff auf die Daten. Der IT-Chef muss sich also genau überlegen, was er sehenden Auges zulässt – und wo er zu Maßnahmen wie zum Beispiel Verschlüsselung greift.

Wulf: Noch spannender wird es, wenn auf diesem System individuell entwickelte Anwendungen laufen. Hier müssen z.B. die Serviceprozesse so aufgesetzt werden, dass sie durchgängig sind – vom Kunden zum Provider und wieder zurück. Nur dann können die Teams bei Provider und Kunde effizient zusammenarbeiten.

Schneider: Angesichts dieser Komplexität ist es wichtig, einen Provider mit genügend Erfahrung auszuwählen, der den IT-Chef sozusagen bei der Hand nimmt und durch all diese Dimensionen zum Ziel führt. Denn aus unserer Erfahrung werden gerne die individuell entwickelten Anwendungen zuerst ausgelagert. Man beginnt also mit den anspruchsvollsten Aufgaben.

Warum?
Wulf:
Das hat viele, sehr unterschiedliche Gründe: Es gibt vielleicht nicht mehr genügend Personal für Weiterentwicklung und Pflege. Oder es soll auf einmal ein 24x7-Betrieb sichergestellt werden. Oder es gibt Erweiterungsprojekte, die Ressourcen binden – oder jede Menge anderer Gründe.

Wenn der IT-Chef noch wenig Cloud-Erfahrung hat, ist es gut, wenn dann jemand da ist, der mit ihm all die Dimensionen des Projektes durchdekliniert, um dann gemeinsam die individuell optimal passenden Optionen zu finden. Ein Systemhaus ohne Erfahrung mit Managed-Services kann das ebenso wenig leisten wie ein Berater ohne fundierte Kenntnisse von IBM i.

Wir bieten zusätzlich die Pflege individuell entwickelter RPG-Anwendungen ebenso als Managed-Service an wie den Betrieb von Standardsoftware à la SAP oder Oxaion – inklusive der vorhandenen Anpassungen und Erweiterungen.

Wenn es um die Modernisierung oder Erweiterung bewährter Anwendungssysteme geht, kommt schnell die Public Cloud ins Spiel – etwa für Themen wie Collaboration oder Software-Test mit Infrastructure bzw. Platform as a Service (IaaS bzw. PaaS) oder für CRM-Systeme (Software as a Service, SaaS). Welche Tipps aus der Praxis können Sie geben, damit das Zusammenspiel mit der Private Cloud oder auch klassischen Anwendungen im eigenen RZ des Mittelständlers gelingt?

Schneider:
Wenn wir Standardsoftware wie Office 365 betrachten, gibt es immer die Wahl zwischen dem Public- oder Private-Cloud-Betrieb. Und auch wenn wir IBM-i-Anwendungen mit irgendwelchen Services aus der Cloud verbinden, also Private- und Public-Cloud koppeln, haben wir überhaupt kein Problem damit. Egal ob es moderne Java- bzw. PHP-Programme sind oder uralte RPG-Oldtimer: Entweder gibt es Schnittstellen, die wir nutzen können, oder wir kapseln diese Anwendungen zu Webservices.

Wulf: Wir können jede Anwendung auf dem System i mit jedem heute am Markt erhältlichen Cloud-Service kombinieren. Das ist lediglich eine Frage des Know-hows. Unsere Kunden können daher auch ihre zwanzig oder dreißig Jahre alten RPG-Schätzchen weiter nutzen, aber ergänzt um modernste Technologien – absolut nach dem State of the art. Das können zum Beispiel Amazon-Shops sein oder auch SAP-Produkte und kognitive Services. All das funktioniert tatsächlich.

Das ist auch keine Frage der Plattform, selbst wenn die noch AS/400-Tagen stammt. Jeder IT-Chef, der so ein altes System betreibt, ist daher gut beraten, sein Budget in innovative Services wie Watson zu investieren statt in den Austausch seiner bewährten Anwendungen – nur um dann mit SAP oder Microsoft das Gleiche zu machen wie bisher auch schon. Und das auch nur, falls das Projekt gelingt.

Wo können RPG-Anwendungen mit Cloud-Services „veredelt“ werden?

Schneider:
Immer da, wo es um große Datenmengen geht oder wo noch Menschen manuelle Arbeiten ständig wiederholen müssen. Nehmen wir einen Dienstleister, bei dem viele Anfragen per Telefon, Brief oder E-Mail eintreffen. Oder nehmen wir das Qualitätsmanagement in einem Produktionsbetrieb. Aber in Diskussionen um Themen wie Industrie 4.0 ist der IT-Chef oft gar nicht involviert; das ist ein Thema des Produktionsleiters mit seinen Maschinenlieferanten.

Wulf: Um noch einmal das Thema Service aufzugreifen: Schon bei einem eingehenden Anruf können heute dem Sachbearbeiter die Details zum Kunden angezeigt werden, so dass der das Telefonat viel zielgerichteter führen kann. Denn er weiß, was der Kunde bereits bestellt hat, welche Probleme es eventuell in der Vergangenheit gab – und was der Kunde zusätzlich an Produkten oder Services gebrauchen könnte. Das heißt im Endeffekt: Die Kundenbetreuung wird nicht nur schneller, sondern auch qualitativ besser. Und kommt dann noch ein Chatbot dazu, dann geht da was. Dafür haben wir bereits erste Demoszenarien aufgebaut, um Erfahrungen zu sammeln. Hier kommen auch kognitive Watson-Services ins Spiel.

Sind Watson-Services denn heute schon praxistauglich?

Wulf:
Die Antwort ist eindeutig ja, auch wenn die Durchdringung von Watson-Services im Markt noch sehr gering ist; meistens wird noch getestet. Diese Services sind ja auch sauber dokumentiert, inklusive der Algorithmen. Da macht IBM schon einen sehr guten Job, denn es ist schnell klar, was ein Watson-Service leisten kann und was nicht.

Aber auch hier muss man wie bei jedem Cloud-Service die Rahmenbedingungen verstehen. Wem gehören die Daten und wem Watsons Ergebnisse? Wo werden die Daten verarbeitet, im eigenen Hause oder bei IBM? In Europa oder in Amerika? Und auch all die bereits erwähnten Compliance-Kriterien, wie etwa Sicherheit oder Service-Levels, müssen passen. Sonst wird ein Watson-Service nicht brauchbar sein, selbst wenn wirtschaftlich wäre.

Und sind solche Watson-Services heute schon wirtschaftlich?

Schneider:
Klar kann Watson sich lohnen. Beispielsweise gibt es einen Picture-Recognition-­Service, der automatisch Bilder erkennt. Der kostet pro Transaktion nur Bruchteile von Cents; den kann man guten Gewissens auch mal ausprobieren. Es gibt durchaus lohnenswerte Use-Cases, in denen sich Watson durch Einsparungen, Time-to-Markt oder besseren Kundenservice schnell bezahlt macht.

Mit Hana hat SAP ein anderes Analytics-Produkt entwickelt. Wie würden Sie Hana und Watson vergleichen?

Schneider:
Gar nicht, auch wenn die meisten SAP-Kunden im BW-Umfeld mit der Hana-Einführung beginnen. Hana mag vielleicht ursprünglich einmal für Analytics-Anwendungen entwickelt worden sein, doch das ist Schnee von gestern. Heute ist Hana für mich die Plattform zur Modernisierung der bestehenden SAP-Landschaft. Außerdem reduziert SAP mit der eigenen In-Memory-Datenbank die Abhängigkeit von Fremdprodukten der Datenbank­hersteller. Aber anders als Watson ist Hana kein Analytics-Produkt.

Wulf: Auch ERP-Anwendungen von SAP laufen ja auf Hana. Der Vorteil: Man hat die operativen Daten unheimlich schnell für Auswertungen parat – und man braucht keine zweite Analytics-Datenbank. So spart Hana Zeit und Geld. Ich glaube, das SAP über kurz oder lang die Kunden wesentlich effizienter bedienen kann.

Für die heutigen SAP-Kunden bedeutet die Hana-Einführung zunächst einmal eine große Umstellung…

Schneider:
Das ist so, gerade auch im Umfeld von IBM i. Dort weiß man ja den hohen Integrations­grad von Datenbank und anderen Services, wie zum Beispiel Backup, sehr zu schätzen. Die Datensicherung beispielsweise wird man mit Hana völlig anders lösen müssen; den Komfort von IBM i gibt es hier bei weitem noch nicht. Auch die Hochverfügbarkeitslösungen für Hana sind noch weit vom IBM-i-Niveau entfernt, das wir dort bei Hardware-Mirroring oder Software-Replikation gewohnt sind.

Wulf: Dafür gewinnt man natürlich eine engere Integration in die Anwendungen. Aber der Infra­strukturbetrieb – und wir machen ja beides, sowohl Hana als auch IBM i – ist diametral verschieden.

Macht dann ein „Beiwagen-Betrieb“, in dem heute viele IBM-i-Anwender Hana parallel zu ihrem Midrange-System nutzen, langfristig überhaupt Sinn?

Wulf:
Wollen Sie eine ehrliche Antwort? Das traue ich mich heute nicht zu sagen, denn ich kann es nicht einschätzen!

Schneider: SAP-Strategie wird es sein, alle Kunden auf ihre Hana-Plattform zu bringen. Ob sie aber alle Kunden davon überzeugen kann, wird man abwarten müssen. Das wird von dem Mehrwert abhängen, den sich die Kunden von Hana versprechen. Es kann durchaus lohnenswert sein, eine uniforme Infra­struktur aufzubauen. Und SAP könnte ja auch durch lukrative Upgrade-Konditionen zusätz­liche Anreize schaffen.

Meine Herren, vielen Dank für das Interview!

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH