12.04.2016 Rascher Versionswechsel: IBM i 7.3 kommt am Freitag

IBM unter Zeitdruck

Von: Berthold Wesseler

Systemhäuser und AS/400-Anwender aufgemerkt – das neue Betriebssystem-Release IBM i 7.3 ist schon ab dem 15. April erhältlich. Das ist eine Überraschung, denn eigentlich hat IBM die Versionswechsel beim Betriebssystem langfristiger getaktet. Update: Auch intern scheint der Druck enorm zu sein, unter dem IBM steht. Anders ist kaum zu erklären, dass gestern – wie ursprünglich gemeldet – im Announcement-Letter fälschlicherweise auch Power6 zur unterstützten Hardware gezählt wurde. Wir haben diese Meldung daher am 13. April aktualisiert.

Am 12. April hat IBM die neue Betriebssystemversion IBM i 7.3 und das „Technology Refresh“ TR4 für IBM i 7.2 angekündigt. Der Zeitpunkt dieser Ankündigung ist ungewöhnlich, denn eigentlich will IBM neue Versionen des Betriebssystems in größeren zeitlichen Abständen bringen – und kleinere Neuerungen durch regelregelmäßigen „Technology Refresh“.

IBM i 7.3 doch nicht für Power6

Das neue Betriebssystem IBM i 7.3 unterstützt aber nur Servermodelle ab Power7-Technologie - nicht aber wie IBM 7.2 Power6. Der Vorgänger IBM i 7.2 kam mit der neuen Prozessortechnologie Power8 Anfang Mai 2014 auf den Markt, das Release IBM i 7.1 mit Power7 im April 2010. Mit dem TR4 für IBM i 7.2 werden etliche der Neuerungen auch in das Vorgänger-Release eingebaut. Ein „Technology Refresh“ für IBM i 7.1 gibt es nicht mehr; diese Version läuft jetzt im üblichen Release-Zyklus aus der Wartung.

„Heads Up Everyone!“, warnte Alison K. Butterill, IBM i Product Offering Managerin, ihr Team in einer Mail vor dem vielsagenden Fehler in den Ankündigungsunterlagen. „There is an error in the IBM i 7.3 Announcement Letter. IBM i 7.3 is NOT supported on Power6/6+ hardware and is NOT supported on Pureflex or Blades.“ IBM i 7.3 laufe nur auf Power- und Purepower-Systemen mit Power7, Power7+ oder Power8. Butterill entschuldigt sich in der Mail für die Konfusion: „Somehow the edits were removed. An Epic (a fix) is being created immediately.“

Der Fokus der Neuerungen bei IBM i 7.3 liegt auf den Datenbank- und Sicherheitsfunktionen für analytische und mobile Anwendungsszenarien. Dazu kommen Erweiterungen mit Blick auf Usability und Integration sowie Performance- Verbesserungen, die auch in TR4 für IBM i 7.2 einfließen, das ab dem 20. Mai erhältlich werden soll.

Temporale Datenhaltung

Insgesamt seien praktische alle Komponenten des Betriebssystems und viele zugehörige Software-Produkte überarbeitet und funktional erweitert worden, heißt es im Announcement-Letter zu IBM i 7.3, der laut Butterill bis auf den eingangs erwähnten Lapsus korrekt sein soll. Insbesondere würden auch neue Speicher- und Netzwerk-Hardware unterstützt. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen:

– Die Datenbank DB2 for i bietet erweiterte OLAP-Funktionen und die lang erwartete temporale Datenhaltung, auch Historisierung genannt. Darunter versteht man das Festhalten der zeitlichen Entwicklung der Daten bei ihrer Speicherung. Diese Neuerungen verbessern (auch für klassische DDS-Anwendungen) die Analysemöglichkeiten im Rahmen von Business-Intelligence-Anwendungen und verbessern die Planungs- und Prognose-Optionen. Auch DB2 Web Query for i gibt es der neuen Version V2.2.0.

 „Security Authority Collection“

– Ebenfalls neu ist die sogenannte „Security Authority Collection“. Darüber lässt sich nachvollziehen, wie Anwendungen und User mit Objekten auf dem Server arbeiten. Mit Hilfe der hier gesammelten Informationen lassen sich wichtige Daten und Anwendungen besser schützen.

– Verbessert wurden u.a. auch die Hochverfügbarkeitslösung PowerHA System Mirror sowie die Software-Entwicklung. Nicht nur die Features and Funktionen der klassischen Programmiersprache RPG IV werden erweitert, sondern auch die beiden Open-Source-Umgebungen Git und Orion zu bisher schon verfügbaren Optionen PHP, Ruby, Python, Node.js & Co. hinzugefügt.

Warum dieser Zeitdruck?

Warum IBM so unter Zeitdruck steht und vom gewohnten Releaseplan abweicht, ist noch unklar. Vielleicht machen wichtige Partner wie Google und Samsung über die Open Power Foundation Druck, die Hardware-Entwicklung zu beschleunigen? Da müsste das Betriebssystem auf jeden Fall Schritt halten.

Ungewöhnlich ist auch, dass IBM Power8+, den eigentlich in diesem Jahr erwarteten Zwischenschritt bei den Prozessorgenerationen, nach Informationen von DV-Dialog wie schon bei Powert6 wohl weglässt. Im Mai werden demnach auf Hardware-Seite im wesentlichen nur Verbesserungen bei der Micro-Architektur (Stichwort Connectivity mit Capi und Nvidia) angekündigt. Dafür kommt Power9 schon im zweiten Halbjahr 2017. Man darf gespannt sein, ob es gemeinsam mit Power9 schon im nächsten Jahr die nächste i-Version geben wird.

Bildquelle: Rainer Sturm / Pixelio.de

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