Das Managementteam bei Vaude: IT-Leiter Harald Reiser (Mitte), Finanzchef Erwin Gutensohn und Geschäftsführerin Antje von Dewitz
Vaude positioniert sich als Europas umweltfreundlicher Outdoor-Ausrüster. Deshalb arbeitet das im Bergsport verwurzelte Familienunternehmen bereits seit 2001 nach dem Umweltstandard Bluesign, der die gesamte textile Wertschöpfungskette kontrolliert. Im Jahr 2008 wurde Vaude als erstes Outdoor-Unternehmen nach den von der EU entwickelten strengen Richtlinien des Eco-Management und Audit Scheme (EMAS) ökozertifiziert. Die Unternehmensgruppe, zu der auch die Klettermarke Edelrid gehört, ein Hersteller hochwertiger Kletterausrüstungsprodukte wie Gurte, Seile und Helme, verfügt über vier eigene Produktionsstätten in Deutschland, China und Vietnam. Vaude beschäftigt weltweit etwa 2.000 Mitarbeiter, davon rund 480 in Deutschland. Das Unternehmen wies im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 100 Mio. Euro aus. 60 Prozent des Umsatzes werden in Deutschland erwirtschaftet.
„Wir ticken, denken und handeln anders als andere und hinterfragen Konventionen und vermeintliche Grenzen des Machbaren“, charakterisiert Geschäftsführerin Antje von Dewitz das Selbstverständnis des Unternehmens. Eigenschaften, die sich nicht nur im Betriebsklima, sondern auch in der unternehmenseigenen IT-Infrastruktur widerspiegeln. In der spielt seit zehn Jahren das ERP-System Infor AS, im Bereich der Buchhaltung ergänzt durch MAS90, die zentrale Rolle. Jetzt kam eine leistungsstarke Konsolidierungssoftware dazu, die sich problemlos in die IT-Umgebung integrieren ließ. Wir befragten Finanzchef Erwin Gutensohn und IT-Leiter Harald Reiser.
Welche Anforderungen werden bei Vaude an IT-Lösungen gestellt?
Erwin Gutensohn: Grundsätzlich versuchen wir vorab, alle Investitionen einer fundierten ROI-Betrachtung zu unterziehen. Das Ziel sind klar definierte und möglichst kurze Amortisationszeiträume. Das ist nicht immer ganz einfach, muss aber der Ansatz sein. Nur darauf zu spekulieren, dass eine IT-Lösung uns eventuell einen pauschalen Nutzen bringt, ist zu gefährlich. Wir befinden uns in der komfortablen Lage, stark zu wachsen, eine Entwicklung, die üblicherweise mit einer steigenden Zahl von Beschäftigten einhergeht. Bei innovativen IT-Lösungen, die es uns ohne negative Einflüsse auf die Geschäftsprozesse ermöglichen, Neueinstellungen zu vermeiden oder zumindest zu verzögern, lässt sich der ROI meist sehr genau kalkulieren.
Harald Reiser: Was unsere IT-Strategie betrifft, setzen wir auf ein hohes Maß an Unabhängigkeit von externen Ressourcen. Wir versuchen möglichst viel Know-how in unserem eigenen zwölfköpfigen EDV-Team zu halten, beispielsweise für das technische Internet, das ERP-System oder auch das Produktdatenmanagement.
Wie viel investiert Vaude jährlich in den Ausbau der IT?
Gutensohn: Aktuell fließen jährlich ca. 1,5 Mio. Euro in Modernisierung und Ausbau unserer IT-Infrastruktur – Tendenz steigend. Das begründet sich zum einen durch das Wachstum, zum anderen aber auch durch das Bestreben, immer besser zu werden.
Demnächst werden wir z.B. in ein Videokonferenzsystem investieren. Wir haben bereits Erfahrungen mit Skype gesammelt. Die Nutzung dieser neuen Kommunikationstechnologien ist für uns strategisch wichtig. Da wir in Fernost produzieren, sehen wir hier erhebliche Sparpotentiale, indem die Zahl der teuren, zeitraubenden und natürlich auch umweltbelastenden Fernflüge deutlich reduzieren.
Zur kaufmännischen Konsolidierung und im Controlling setzen Sie seit Herbst 2010 auf Lucanet. Was hat Sie dazu veranlasst?
Gutensohn: Ausgangspunkt war ein intern aufgesetztes Business-Intelligence-Projekt. Im Bestreben, mehr Transparenz in einem ersten Schritt nach innen, in einem zweiten Schritt auch nach außen zu schaffen, haben wir das gesamte Berichts-, Reporting- und Planungswesen auf den Prüfstand gestellt.
Sehr bald hat es sich gezeigt, dass es vorteilhaft ist, das Reporting und die Konzernbilanzierung von dem Bereich Planung zu trennen.
Was waren die wichtigsten Kriterien, die für Lucanet sprachen?
Gutensohn: Zur Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette über die Standorte in mehreren Ländern setzen wir seit über zehn Jahren das ERP-System Infor AS ein. Ergänzt wird es in der Buchhaltung durch MAS90. Es war uns daher wichtig, nach einer modernen, leistungsstarken Konsolidierungssoftware Ausschau zu halten, die sich problemlos in unsere Datenumgebung integrieren lässt. Lucanet deckt sowohl die Konzernrechnung wie auch das Reporting ab. Die Tatsache, dass nicht nur ein, sondern eine Reihe namhafter Anbieter von BI-Lösungen über Schnittstellen unterstützt werden, war für uns ein Indiz für die Flexibilität der Software.
Zudem verfügt Lucanet über ein ausgesprochen fundiertes Wissen bei der Erstellung komplexer Konzernbilanzen. Dieses Know-how ist in die Entwicklung von Lucanet.World eingeflossen. Diese Software deckt de facto alle Anforderungen beim Konzernabschluss prüfungssicher ab. Mittels eines Zusatzmoduls bietet die Software die Möglichkeit, auch die Finanzplanung in demselben Datenmodell und derselben Benutzeroberfläche abzubilden. Somit stehen alle notwendigen Funktionen für eine integrierte Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz- und Liquiditätsplanung für das Finanz- und Konzern-Controlling sowie für die legale Konsolidierung von Ist- und Plandaten zur Verfügung. Das in der Vergangenheit notwendige ständige Wechseln zwischen der klassischen Fibu und dem Reporting-System entfällt. Mithilfe einer „Drill Down“-Funktion lassen sich während eines Planungsvorgangs bestehende Konten schnell und komfortabel einsehen und deren Inhalte bewerten.
Wie verlief die Implementierung?
Gutensohn: Die Produktpräsentation fand im August 2011 statt. Im September haben wir den Vertrag unterschrieben und Ende September die Schnittstellen eingerichtet. Innerhalb von zwei Wochen war die komplette Hardware und Software installiert. Anfang November haben wir mit der Konsolidierung der betriebswirtschaftlichen Daten begonnen und diese Mitte Dezember beendet.
Reiser: Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen haben wir unsere IT bereits vor Jahren weitgehend virtualisiert. Lucanet lässt sich problemlos in virtualisierten Umgebungen betreiben. Ein weiterer Pluspunkt der Software ist die Unterstützung von Open-Source-Datenbanken. Wo immer möglich, setzen wir seit Jahren auf Open Source.
Gutensohn: Um einen kompletten Planungsprozess umzusetzen, benötigte ich in der Vergangenheit etwa eine Woche. Das kann ich heute innerhalb eines Tages erledigen. Außerdem können wir nun in kürzester Zeit spezifische Reportings, etwa für Banken, erstellen.