Chemiekonzern hadert mit gescheitertem SAP-Projekt

IT-Desaster: Avantor verklagt IBM

Überrascht zeigten sich die Pressesprecher der IBM von einer Klage der Firma Avantor Performance Materials wegen einer offenbar gescheiterten SAP-Einführung. Verlangt werden nun „mehrere 10 Mio. Dollar“ Schadensersatz.

IBM drückte Bedauern aus und hat erklärt, die Anschuldigungen seien falsch und die Forderungen keineswegs gerechtfertigt. Man habe vertragsgemäß eine Lösung implementiert, die der auch in Griesheim aktive Chemiekonzern produktiv nutze, und werde sich mit allen Mitteln gegen die Anschuldigungen zur Wehr setzen.

Laut Anklageschrift vom 8. November soll die IBM dem Kläger im Jahr 2010 ihre SAP-Branchenlösung Express Life Sciences Solution aufgeschwatzt haben, die maßgeschneidert für das Unternehmen sei. Das mit 13 Mio. Dollar veranschlagte Projekt sei allerdings zum „Desaster“ geworden, als es im Mai 2012 in Betrieb gehen sollte. Das System habe auf der ganzen Linie versagt. Die EDI-Schnittstelle verweigerte demnach sofort nach der Inbetriebnahme ihren Dienst, es konnten keine Bestellungen verarbeitet werden, einige Bestellungen gingen sogar verloren. Es wurden keine Papiere für den Zoll ausgedruckt. Schließlich habe das fehlerhafte System dazu geführt, „dass gefährliche Chemikalien an dazu ungeeigneten Orten gelagert wurden“.

Die Implementierung habe die Produktion „fast zum Erliegen“ gebracht, heißt es weiter. Man sei von IBM in Sachen Tauglichkeit des Produkts für das eigene Geschäftsumfeld bewusst in die Irre geführt worden. Es habe sieben Monate gedauert, bis man sich von den Folgen dieser gescheiterten Implementierung erholt habe.

Außerdem ist von einem kompletten Missmanagement des Go-live-Projektes die Rede durch „unfähige und rücksichtlose Berater“, die „zahlreiche Design-, Konfigurations- und Programmierfehler“ gemacht hätten. Avantor behauptet, dass „IBM die Fähigkeiten der proprietären Softwarelösung in betrügerischer Absicht missinterpretiert hat und durch weiteres Fehlverhalten das Scheitern der Implementierung an den US-Standorten provozierte”. Man sei zudem bewusst über den misslichen Verlauf des Projekts im Unklaren gelassen worden, das zu guter Letzt völlig überhastet live geschaltet worden sei, obwohl man IBM mehrmals darauf hingewiesen habe, dass ein pünktlicher Abschluss des Projekts nicht so wichtig sei wie ein garantiert funktionstüchtiges System.

Avantor zitiert auch IBM-Mitarbeiter, die von ihrer Firma dazu ange­halten worden seien, nicht nach den „Best Practices“ von SAP vorzugehen. IBM-Mitarbeiter, die im Sommer zur Rettung des Projekts zurate gezogen wurden, hätten sogar von der „schlechtesten SAP-Implementation aller Zeiten“ gesprochen.

Bildquelle: Altmann / pixelio.de

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