Heidi Schmidt, die Vorsitzende des Vorstands von Common Deutschland: Common ist keineswegs ein "Haufen grauhaariger Green-Screen-Gurus"
Die Aufarbeitung der vergangenen Jahre war in den letzten Wochen die Hauptarbeit des im Herbst 2012 neu angetretenen Vorstandsteams. „Die öffentlich gemachte Spesenaffäre war nur der finale Höhepunkt einer jahrelangen inhaltlich und strukturell verpassten Neu-Orientierung des Vereins, die letzten Endes zu einem dramatischen Mitgliederschwund führte“, heißt es in einer Pressemitteilung. Heute hat der Verein weniger als die Hälfte der ehemals aktiven Firmen an Bord.
Für Heidi Schmidt, die Vorsitzende des Vorstands von Common Deutschland, war es daher sehr wichtig, das Vertrauen der Anwesenden in die vorgelegten Konsolidierungskonzepte als auch generell für die zukünftige Zusammenarbeit zu erhalten. Schatzmeister Wolfgang Greulich berichtete für das Wirtschaftsjahr 2012 bei einem Rohertrag von 225.000 Euro ein negatives Ergebnis von 12.000 Euro. Ohne die im Herbst letzten Jahres vereinnahmte Sonderumlage hätte dem Verein die Zahlungsunfähigkeit gedroht.
„Für das laufende Geschäftsjahr steht daher die Kostenkonsolidierung im Fokus“, heißt es, so dass „bei ähnlichem Umsatz aus Mitgliedsbeiträgen, Workshops und Jahreskonferenz ein positives Ergebnis erreicht werden kann“. Dazu muss natürlich der Mitgliederschwund gestoppt und eine attraktive Jahrestagung geplant werden.
Zum Zweck der Kosteneinsparung wurde auch die Geschäftsstelle räumlich halbiert. Durch die Kündigung sämtlicher Beschäftigungsverhältnisse minimierte der neue Vorstand zudem die Personalkosten; betroffen ist insbesondere die langjährige Geschäftsstellenleiterin Christa Beck, die aufgrund ihrer Verdienste erst im vergangenen Herbst zum Ehrenmitglied ernannt worden war. Ihr wurde jetzt zum 30. Juni gekündigt; ist ab sofort freigestellt.
Weitere gravierende Einsparungen verspricht man sich durch die Kürzung der Spesen und Reisekosten um knapp 80 Prozent. Der Vorstand betonte in diesem Zusammenhang, dass alle Rechtsstreitigkeiten, die sich aus den Querelen des letzten Jahres ergeben hätten, inzwischen beigelegt sind.
Doch die finanzielle Stabilisierung ist nur eine Hausaufgabe, die der Vorstand zu leisten hat. Vielleicht noch wichtiger ist der „Relaunch“ des Vereins, um endlich wieder neue Mitglieder zu gewinnen. Common, am 21. Februar 1987 in Bad Orb gegründet, versteht sich seither als DAS Sprachrohr der AS/400-Anwender gegenüber der IBM; keine andere Plattform wahrt und vertritt die Interessen ihrer Anwender gegenüber dem Hersteller in ähnlicher Form.
Diese Unterstützung und das Commitment der IBM wurde auch von Ralf Dannemann, Direktor Power Platform Systems & Technology Group, eindeutig bestätigt - allerdings nur, wenn es dem Verein selbst in den nächsten Monaten gelingt, vor allem junge Menschen anzusprechen und für die Mitarbeit im Verein zu begeistern. Denn mittel- und langfristig kann die User-Group nur dann erfolgreich sein, wenn auch eine strukturelle Erneuerung stattfindet. „Dafür ist auch das zielgerichtete Engagement der Vereinsmitglieder und damit kreative Innovation nötig,“ heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. „Ohne eine glaubwürdige inhaltliche Zukunftsstrategie dürfte der geplante Mitgliederzuwachs ein Traum bleiben.“
Daher wird es darum gehen, den Vereinszweck, die Werte und die Ziele der Vereinsarbeit sowie den Nutzwert für aktive Mitglieder neu herauszuarbeiten. Schmidt setzt dabei auf einen Weg der Bewahrung und Erneuerung, wobei persönliche Kontakte und der Erfahrungsaustausch mit „Gleichgesinnten“ wieder stärker in den Vordergrund rücken sollen. Common will für jeden Mittelständler mit Power-i-zentrierter IT Vorteile bieten - unabhängig davon, welches Betriebssystem und welche Software auf dem System i bzw. auf der AS/400 genutzt wird.
Es soll immer möglich sein, über die Kontakte in und durch die Common einen kompetenten Ansprechpartner für Probleme zu finden - egal ob im Soft- oder Hardware-Bereich, bei der Lösungssuche für knifflige Business-Cases oder sogar bei der Personalsuche. Die bisher und auch weiterhin laufenden Veranstaltungen (Jahreskonferenz, Anwenderkreistreffen in den Regionen, Fachgruppen für SAP, Storage oder DCW) sind zwar wichtig, jedoch ist Schmidt klar, dass die dort angebotenen Informationen, wenn auch mit ein wenig Suche, heute häufig kostenlos in diversen Foren und Webinaren zu finden sind. Common will hier durch Kompaktheit der Information, persönliche Kontakte sowie hochwertige Kompetenz und Erfahrung im Kreis der Aktiven punkten.
Die Öffnung für Themen aus dem AIX/Linux-Umfeld, aus den Bereichen Infrastruktur (Verkabelung/Netzwerk/Speicherlösungen) sowie anderen Diensten (Webservices/Microsoft-Server etc.) zählt Schmidt ebenso zu den Inhalten wie aktuelle Trendthemen in der IT. „Die Common muss unbedingt von ihrem verstaubten Image weg“, fordert Schmidt. Common sei keineswegs „Haufen grauhaariger Green-Screen-Gurus“, die die aktuellen Trends und Entwicklungen in der IT-Welt verpasst hätten. Das glauben viele – zu unrecht. „Dass das nicht stimmt, gilt es in die Welt zu tragen - packen wir´s an!“
Bildquelle: PKS GmbH