Rüdiger Gunther, General Manager Central EMEA bei Vision Solutions in München
Mit etwa 12.000 Unternehmen in 70 Ländern rund um den Globus als Kunden für Software-Produkte wie Mimix, iTera oder Double-Take hat Vision eine weltweite Marktpräsenz. Diese ist durch die Wurzeln in der AS/400-Welt geprägt, aber – auch durch mehrere Akquisitionen – längst nicht mehr darauf beschränkt.
Der Investor Clearlake verwaltet Beteiligungen an etwa 20 Unternehmen im Wert von 3,5 Mrd. Dollar. Darunter sind auch Softwarehäuser wie Calero, Converge One, Netmotion Wireless, Pomeroy, Syncsort oder Heat Software. Clearlake positioniert Vision Solutions als Anbieter von Software für Datenschutz, „High Availability“ und Cloud-Migration auf IBM Power Systems, Windows und Linux.
Behdad Eghbali, ein Managing Partner bei Clearlake, will Visions „Buy & Build“-Strategie unterstützen, mit der Software für den Rundum-Schutz von Rechenzentren (weiter-)entwickelt werden soll. Sowohl das klassische Vision-Geschäft auf den Power Systems als auch der Bereich Double-Take solle ausgebaut werden, so Eghbali. (Update vom 21. Juni 2016: Gestern gab Clearlake Capital den Abschluss der Übernahme bekannt.)
Warum Thoma Bravo nach zehn Jahren seine Beteiligung verkauft, ist nicht ganz klar. Man habe Vision Solutions gemeinsam mit dessen Management in allen Belangen weiterentwickelt; das Unternehmen sei effizienter geworden, sei in neue Märkte vorgestoßen und habe den Service verbessert. In den vergangenen zehn Jahren habe Vision den Umsatz um 300 Prozent und den EBITDA um 750 Prozent gesteigert; jetzt sei die Zeit reif für den nächsten Wachstumsschritt mit einem neuen Partner, denn Thoma Bravo investiere immer in Zehn-Jahres-Zyklen – und dieser Zyklus sei nun beendet.
Es gibt aber auch Spekulationen über andere Gründe. Da gab zum Beispiel Entlassungen in Amerika und Gerüchte über Umsatzrückgänge, da wäre aber auch ein Downgrade des Ratings durch die Agentur Moody’s vom vergangenen November, das eine höhere Verzinsung für die Schuldenlast (275 Mio. Dollar) von Vision bedeutet. Als Hauptgründe für das schlechtere Rating führte Moody’s übrigens rückläufige Lizenzumsätze bei Double-Take und Fälligkeit signifikanter Kreditlinien in diesem und im nächsten Jahr an. In diesem Rating wird der Vision-Umsatz für die zwölf Monate bis Ende Juli 2015 mit 143 Mio. Dollar beziffert. Das Rating ist jetzt aber insofern nicht mehr relevant, als dass der neue Investor auch die Schulden übernimmt und eine Umschuldung geplant hat.
„Unser Geschäft in Deutschland läuft weiter wie gewohnt“, sagte Rüdiger Gunther, General Manager Central EMEA bei Vision Solutions in München, auf Anfrage von DV-Dialog. „Hierzulande laufen die Geschäfte gut, besonders im Umfeld von Power i.“ Dabei ständen Themen wie die Migration auf Power8 und der Einstieg in Cloud-Lösungen auf der Agenda, etwa mit Disaster-Recovery oder Backup in der Cloud. „Für uns ist der Eigentümerwechsel eine gute Nachricht“, so Gunther weiter. Der neue Investor wolle investieren und strebe ein weiteres Wachstum an. Ganz oben auf der Prioritätenliste der Investitionen stehe Visions Cash-Cow – das hochprofitable Geschäft im Umfeld des Power System i.
Gerade das Vertrauen in dieses Geschäftsfeld sei ein entscheidendes Argument für das Investment von Clearlake gewesen, sagt Vision-CEO Nicolaas Vlok. Und wie in den Anfangstagen des Engagements von Thoma Bravo habe man jetzt auch wieder Zugriff auf Kapital für eigene Akquisitionen.
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