17.04.2017 Effizientes Transportmanagement bei Riha Wesergold

Prickelnde Logistik

Von: Marcus Walter

Lange Wartezeiten für Lkw gehören bei Riha Wesergold in Rinteln der Vergangenheit an. Ganz ohne Slotbuchung oder anderen Mehraufwand für Spediteure hat es der Getränkehersteller geschafft, seine Prozesse deutlich zu straffen. Dahinter steckt die 2016 eingeführte Transportmanagement- und Telematiksoftware Opheo der Initions AG, die in die bestehenden Prozesse integriert und an das Warenwirtschaftssystem Trend SWM angeschlossen wurde, was zu stark automatisierten Abläufen führt.

Dank Telematik läuft auch die Kommunikation mit den Fahrern rationeller; alle Auftragsdaten werden per Knopfdruck direkt an in den Fahrzeugen installierte Tablets übermittelt.

Riha Wesergold ist ein mittelständischer Hersteller von nichtalkoholischen Getränken, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1934 reichen. Das Unternehmen mit Sitz in Rinteln produziert an drei deutschen und vier ausländischen Standorten (in Spanien, Polen, der Schweiz und in Costa Rica) verschiedene Mineralwässer, Säfte, Nektare, Limonaden, Schorlen und Hamburger Teegetränke.

Die drei inländischen Riha-Betriebe in Rinteln, Waibstadt und Dodow weisen zusammen eine Produktionsfläche von über 70.000 m2 auf, haben mehr als 52.000 m2 überdachte Lagerfläche und 89.000 m2 Freilager. Die Tageskapazität liegt in Rinteln mit 2,3 Mio. Kartons und 1,9 Mio. Flaschen deutlich über Waibstadt (1,5 Mio. Kartons, 1,4 Flaschen) und Dodow (700.000 Kartons, 1,5 Mio. Flaschen). Für die Ver- und Entsorgung der deutschen Produktionsstandorte gibt es eine eigene Lkw-Flotte mit 109 Sattelzügen. Außerdem sind rund 80 Fahrzeuge von Subunternehmern im Einsatz.

Zeitersparnisse an mehreren Stellen

Die größtenteils in Trend SWM auf dem IBM-Sysem i erfassten Lieferaufträge werden über eine Schnittstelle an Opheo übergeben und dort zu optimierten Touren für die 109 eigenen Lkw verarbeitet. Hinzu kommen die Touren für rund 80 Fahrzeuge von Subunternehmern – und die direkt in der Software von der Hamburger Initions AG erfassten Fremdaufträge. „Pro Tag bearbeiten wir allein am Standort Rinteln mit vier Disponenten 150 bis 200 Aufträge“, stellt Versandleiter Alfons Tebben fest. Demnächst werde sich die Arbeitsaufteilung jedoch ändern, da einer der Disponenten in diesem Jahr in den Ruhestand wechselt. Weil die Software und ihr Dispo-Cockpit zu einem deutlichen Produktivitätsfortschritt geführt habe, soll der Nachfolger vorrangig für die Akquisition zusätzlicher Frachten eingesetzt werden.

Zu Zeitersparnissen führt Opheo an mehreren Stellen. Noch bevor die Aufträge an die Lkw übermittelt werden, stehen die Plandaten im ERP-System zur Verfügung. Von hier aus dienen sie zum Ansteuern des vollautomatischen Hochregal-Lagers. Das automatische Kommissionieren und Bereitstellen der Tour wird per Knopfdruck gestartet, nachdem sich der Fahrer in der Disposition gemeldet hat.

„Bis der Lkw am Tor angedockt hat, stehen in der Regel die ersten Paletten in der richtigen Reihenfolge bereit, so dass der Beladevorgang unverzüglich beginnen kann“, beschreibt Tebben diesen Prozess. Effizient funktioniere auch die Kommunikation mit den Fremdspediteuren, die ihre Transportaufträge am Vortag mit konkreten Hinweisen erhalten, ab wann die Touren zur Beladung bereit stehen. In der Software lässt sich festlegen, ob der Transportauftrag per E-Mail oder Fax an den Spediteur versendet wird; in jedem Fall sorgen die automatischen Nachrichten für die eingangs erwähnten kurzen Abfertigungszeiten.

Prognostizierte Ankunft

Dank der Telematiklösung Opheo Mobile läuft auch die Kommunikation mit den Fahrern rationeller. Alle Auftragsdaten werden per Knopfdruck direkt an in den Fahrzeugen installierte Tablets übermittelt. Damit erhalten die Fahrer eindeutige Angaben, die in der Regel keine weitere Abstimmung erfordern. Stattdessen werden die Aufträge in der vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet und mit dem jeweils aktuellen Sendungsstatus an Opheo zurückgemeldet. Für die Navigation sorgt der PTV Truck Navigator, der in Opheo Mobile integriert wurde.

„Unsere Telefone klingeln jetzt deutlich seltener – und bei Kundenanfragen nach dem Verbleib ihrer Bestellung sind wir ohne Rücksprache sofort auskunftsfähig", sagt Tebben. In diesem Zusammenhang hebt der Versandleiter besonders die Prognosefunktion der Software hervor, die den genauen Zeitpunkt der Ankunft abhängig von der aktuellen Verkehrslage berechnet. „Diesen Vorteil konnte uns nur Opheo bieten“, erinnert sich Tebben, der vor der Investitions-Entscheidung mehrere Transportmanagementsysteme genau analysiert hatte.

Fremdaufträge leichter zuordnen

Im Sommer 2015 stand die Entscheidung für die am besten geeignete Gesamtlösung fest, erinnert sich Geschäftsführer Thomas Mertens. Danach nahm die Software-Einführung ihren Lauf, wobei der Zeit- und Kostenrahmen eingehalten worden sei. Im Januar 2016 ging die Lösung in Rinteln in den Live-Betrieb. Die Standorte Dodow und Waibstadt folgten im Februar und Mai. Im Oktober ging der Schweizer Standort in Zurzach an den Start.

Dank Telematik und Dispo-Cockpit können die Disponenten jetzt auch geeignete Fremdaufträge leichter zuordnen. „Ich weiß nun auf einen Blick, welcher Lkw sich in der Nähe einer potenziellen Rückladung befindet“, sagt Tebben. Gehöre das Fahrzeug zu einem anderen Standort genüge eine formlose Abstimmung mit den Kollegen via Live-Chat. Danach könne der neue Auftrag per Mausklick disponiert werden und ist sofort für alle Disponenten aller drei Standorte sichtbar. „Diese Transparenz und Einheitlichkeit ist ein weiterer großer Nutzen“, so Tebben weiter. Jetzt könnten sich seine Mitarbeiter und er bei Bedarf schnell in die Planungen der Kollegen hineindenken, was bei kurzfristigen Personalausfällen sehr hilfreich sei.

Automatisch erinnert

Ein weiterer Vorteil der mobilen Telematiklösung ist die Schnittstelle zum Telemetrie-Datensystem Fleetboard, mit dem sämtliche Lkw von Riha Wesergold ausgestattet sind. Während der Fahrt sammelt Fleetboard die aktuell noch verfügbaren Lenk- und Ruhezeiten und stellt diese via Opheo Mobile im Dispo-Cockpit zur Verfügung. Gleiches gilt für die ebenfalls integrierte Funktion für die Fahrerkartenkontrolle. Die Ablauf- und Kontrolltermine für alle 140 Fahrer wurden in den Stammdaten von Opheo hinterlegt; rückt ein fälliger Termin näher, generiert die Software automatisch eine Erinnerungs-Nachricht, die dann nur noch an das jeweilige Fahrer-Tablet weitergeleitet werden muss.

Ähnlich verhält es sich mit den anstehenden Werkstatt-, Prüf- und Wartungsarbeiten an den Fahrzeugen: Die manuell eingepflegten Werkstatttermine werden automatisch bei der Disposition berücksichtigt. Die betroffenen Lkw und Auflieger stehen dann für die Dauer des geplanten Werkstattaufenthalts nicht mehr für die Disposition zur Verfügung.

Übrigens: Neben der Zeit spart Riha Wesergold jetzt jede Menge Papier. Ausgedruckt werden hier jetzt nur noch die Lieferscheine, da die Empfänger nach wie vor auf diesen Beleg bestehen. Alles andere läuft digital. Eingespart wurden vor allem die Kommissionierscheine, die früher als Planungsgrundlage dienten. Tebben schätzt, dass seine Mannschaft heute rund 85 Prozent weniger Papier verbraucht als vor der Software-Einführung. Exakte Aussagen zu den Kosteneffekten der Tourenoptimierung und den damit verbundenen CO2-Einsparungen will der Versandleiter hingegen erst in ein paar Monaten treffen. Dann soll auch das Reporting-Modul eingeführt und die tatsächlich gefahrenen Kilometer mit den früheren Strecken verglichen werden. Sicher sei nur, dass es auch hier deutliche Einsparungen gebe.

Bildquelle: Wesergold

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