Prof. Karl Ganzhorn ist im Alter von 93 Jahren verstorben.
Foto mit Geschichtswert aus dem Sommer 2008: Von links der damals scheidende IBM Entwicklungs-und Forschungschef Herbert Kircher, Laborgründer Prof. Dr. Karl Ganzhorn und der neue IBM Entwicklungs- und Forschungsleiter Erich Baier.
Von der „Denkfabrik im Grünen“ zum Hightech-Center der Zukunft - so fasst IBM die mehr als 60 Jahre Entwicklung des Labors in Böblingen auf der Homepage selbst zusammen. 1953 von Professor Ganzhorn und sieben Mitarbeitern auf dem Schönaicher First als einzige deutsche IBM-Entwicklungsstätte gegründet, sei das Entwicklungszentrum in der „blauen“ Welt schnell zum Inbegriff für Innovation „made in Germany“ geworden.
Nach dem Studium ging Ganzhorn 1952 direkt zu IBM, wo er 1953 ein Entwicklungsteam aufbaute, aus dem 1958 das Böblinger Entwicklungslaboratorium wurde – mit Ganzhorn als Leiter. Er beeindruckte wohl auch den IBM-Chef Thomas Watson, der nach einem Besuch in Böblingen seinen Leuten gesagt haben soll: „Geben Sie dem jungen Mann alles, was er wünscht.“
In diesem Labor wurde z.B. die IBM 360/20 als kleinstes Mitglied der 1964 vorgestellten neuen Mainframe-Familie entwickelt. Ganzhorn avancierte zum Vorstandsmitglied (Geschäftsführer ab 1967) für Entwicklung und Forschung bei IBM Deutschland, von 1973 bis 1975 zum Direktor für Wissenschaft und Technologie bei IBM Europe und von 1975 bis 1978 zum Vizepräsident für Telekommunikationssysteme der Systems Communications Division des Gesamtkonzerns. Danach leitete er die Sparte Technologie und Forschung bei IBM Deutschland, bis er 1986 in den Ruhestand wechselte. Er setzte sich jedoch nicht zur Ruhe, sondern veröffentlichte bis zum Schluss Bücher, so zum Beispiel 2009 eines über die Physik der Wünschelrute.
Ganzhorn engagierte sich auch außerhalb der IBM, u.a. als Honorarprofessor an der Uni Karlsruhe, 1969/71 als Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und von 1978 bis 1987 als Mitglied des deutschen Wissenschaftsrates.