Das Rechenzentrum von Google nutzt eine Kühllösung, bei der Hunderte von Lüftern heiße Luft von den Server-Racks in eine Kühleinheit abführen, von der anschließend wieder kühle Luft zugeführt wird.
Diese Entwicklung beobachtet Rüdiger Gilbert, Vice President IT Business Deutschland bei Schneider Electric. Er empfiehlt den Einsatz moderner Kühlsysteme sowie eine wohlüberlegte Auswahl des RZ-Standortes. Zwar sind Rechenzentren und Server zuletzt energieeffizienter geworden – ihr gesamter Stromverbrauch sank laut Bitkom zwischen 2008 und 2011 um vier Prozent – jedoch erhöhten sich im gleichen Zeitraum die Stromkosten um zwölf Prozent. Der konsequente Umstieg auf Green IT könnte diesen Stromverbrauch nach Ansicht von Experten um rund ein Viertel senken. Insbesondere könnte der Stromverbrauch von Servern gesenkt werden, wenn sie nicht voll ausgelastet sind. Nicht unerhebliche Einsparungspotentiale gibt es auch bei der Klimatisierung sowie beim Betrieb unterbrechungsfreier Stromversorgungen (USV).
Laut Bitkom-Studie geht der Trend zu größeren Rechenzentren mit mehr Servern. So sank die Zahl der – aus wenigen Serverschränken bestehenden – kleineren Rechenzentren in Deutschland zwischen 2008 und 2011 um fünf Prozent auf rund 31.500. Die Zahl der größeren und mittleren Rechenzentren mit mindestens 500 physikalischen Servern wuchs hingegen um 15 Prozent auf ca. 500. Neue Rahmenbedingungen, wie steigende Energiekosten und eine geringere Sicherheit in den Versorgungsnetzen, aber auch neue Nutzungsarten, führen laut Gilbert zum Umdenken: „Wollen RZ-Betreiber ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten, ist der Einsatz moderner Betriebsmittel unverzichtbar.“
„In einem durchschnittlichen Rechenzentrum verbrauchen Klimatisierung und USV rund 40 Prozent des gesamten Stroms“, beschreibt Bitkom-Vizepräsident Volker Smid den hohen energetischen Stellenwert dieser Komponenten. Nicht nur bei der Konzeption eines neuen RZ, auch bei der Konsolidierung bestehender Anlagen spielen sie daher eine Schlüsselrolle.
„In vielen Rechenzentren existieren noch Klimatisierungen wie zu Zeiten, als der Mainframe dominierte. Dabei wird die Kühlluft in einen Doppelboden geführt und der Raum und die Racks werden entsprechend gekühlt. Diese Art der Klimatisierung entspricht jedoch nicht mehr den heutigen hohen Anforderungen“, beschreibt Experton-Berater Wolfgang Heinhaus das Dilemma.
Gefährliche Wärmenester im Rechenzentrum
Die Zuluft kommt laut Heinhaus nicht immer dort an, wo sie gebraucht wird. Dann können Hotspots (Wärmenester) entstehen, die Ausfälle der IT-Komponenten provozieren. „Noch vor etwa zehn Jahren lag die mittlere Wärmelast bei ca. 0,5 kW/m2. Durch die zunehmende Integration und Packungsdichte der IT-Komponenten ist der Mittelwert inzwischen bei 1,5kW/m2 angekommen. Es sind Klimageräte im Betrieb, die bis zu 60 Prozent des Energiebedarfs eines RZ ausmachen“, so Heinhausen. Moderne Umluftklimageräte dagegen könnten den Verbrauch gegenüber Kompressorkühlsystemen um 40 Prozent reduzieren.
„Fehler in der Strukturplanung des RZ verursachen unnötige Kosten und haben für den Betrieb schwerwiegende Folgen“, warnt Gilbert. Dies gelte sowohl für die Konstruktion als auch für Umzüge oder Erweiterungen. Um Energieeffizienz zu gewährleisten, seien die Energie-, Klima- und Sicherheitskomponenten gut aufeinander abzustimmen, so dass alle Schränke gleichmäßig ausgelastet seien.
Und: Indirekte freie Kühlung reduziert die Energiekosten für die Klimatisierung um bis zu 60 Prozent, denn bei kalten Außentemperaturen übernimmt das eingebaute Freikühlregister 100 Prozent der Kälteerzeugung. Je nach Standort kann diese Art der Kühlung bis zu 150 Tage im Jahr betrieben werden. Aus diesem Grund verlegen immer mehr große IT-Konzerne ihre Rechenzentren in kühlere Gegenden wie Nordeuropa, um die klimatischen Bedingungen zu nutzen und einen Betrieb der Kühlanlagen ohne Kompressor zu ermöglichen.
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