Lagerverwaltungssystem um Versandsteuerung erweitert

Ringe mit neuer Regie

Die auf Sicherungsringe spezialisierte Seeger-Orbis GmbH steuert sämtliche Lagerbewegungen einschließlich Chargenverfolgung, Kommissionierung und Inventur mit dem Lagerverwaltungssystem Opus-WMS und dem Staplerleitsystem Opus-SLS – und jetzt auch den Versand. Für jeden Auftrag erstellt Opus-G, ein inhabergeführtes Softwarehaus mit Sitz in Jork bei Hamburg, nun eine eigene Verpackungsvorschrift, die jeden Arbeitsschritt vorgibt.

  • Seeger-Orbis hat ein weit gefächertes Produktspektrum mit rund 10.000 Artikeln auf Lager.

  • Lagerleiter Rolf Dannenbaum kann durch eine „geschickte Systemparametrierung“ Überlastsituationen vermeiden.

  • Die Kundenauftragsbearbeitung ist in die Bereiche Kommissionierung und Verpackung aufgeteilt.

  • Die Lager-Software Opus-WMS hat für die Kommissionierer alle Informationen parat – auch vom ERP-System auf dem System i.

Die falsche Verpackung kann teuer werden. 100 Euro berechnet Volkswagen seinen Zulieferern, wenn die bestellte Ware nicht in dem geforderten „Kleinladungsträger“ (KLT) oder in der richtigen Anordnung angeliefert wird. Dabei existieren für jedes Werk und jeden Artikel eigene Regeln, die immer wieder verändert und verfeinert werden.

Für die Mitarbeiter von Seeger-Orbis sind die Kundenwünsche hier nicht mehr zu überblicken; Anfang 2011 hatte sich die Zahl der relevanten Verpackungs-Regeln bei dem Hersteller von Sicherungsringen, Passscheiben und Zubehörartikeln mit Sitz in Königstein auf 113.796 erhöht.

Seeger-Orbis, Marktführer bei den im Maschinen-, Anlagen- und Automobilbau unverzichtbaren Sicherungsringen, beschäftigt in Deutschland rund 280 Mitarbeiter, die 2011 einen Umsatz von 50 Mio. Euro erwirtschafteten. Das zur nordamerikanischen Barnes Group gehörige Unternehmen betreibt im Taunus seine deutsche Produktions- und Vertriebszentrale für ein weit gefächertes Produktspektrum mit rund 10.000 unterschiedlichen Artikeln. Der Begriff „Seeger-Ring“ steht in der Industrie seit vielen Jahrzehnten für Qualität.

Dessen fehlerfreien Versand gewährleistet die Lagersoftware WMS (Warehouse-Managementsystem) von Opus-G , die seit 2007 im Einsatz ist und sich außergewöhnlich schnell für neue Prozesse und Ausnahmen konfigurieren lässt. „In der Regel sind neue Anforderungen innerhalb weniger Tage implementiert“, bestätigt Lagerleiter Rolf Dannenbaum. Nach der Einführung optimierte man in Königstein zunächst die internen Abläufe, war doch damals die Grenze der Lieferfähigkeit nahezu erreicht.

Chargentracking inklusive

Zu Beginn stand die Empfehlung, die Kundenauftragsbearbeitung in die Bereiche Kommissionierung und Verpackung aufzuteilen. Jetzt werden die Aufträge hinsichtlich Artikelvariante, Menge und Verpackungsvorschrift durch verschiedene Mitarbeiter mehrmals kontrolliert. Die damit verbundenen Änderungen ließen sich problemlos in Opus-WMS abbilden. Auch im Fertigwaren- und Versandlager Opus-WMS die Regie übernommen. Mit dem Modul Bestandsmanagement behält Seeger-Orbis die Übersicht über die durchschnittlich rund 8,5 Millionen gelagerten Artikeleinheiten.

Vor der Einlagerung erhält das System via Schnittstelle vom übergeordneten ERP-System Movex (mittlerweile in Infor ERP M3 umgetauft) die Bestellavise der zu erwartenden Zukaufteile. Den tatsächlichen Wareneingang meldet Opus-WMS anschließend an M3 auf das System i zurück; die AS/400 und ihre Nachfolger werden neben anderen Datenbanken von der Opus-Suite vollständig unterstützt.

Zur fortlaufenden Lieferantenbewertung ist ein umfangreiches Regelwerk für die Qualitätssicherung – Stichwort QS-Beprobung - hinterlegt. Eigene Erzeugnisse werden nach der Produktion mit einem Barcode versehen und in ein sechsgassiges Schmalganglager mit 6.700 Stellplätzen befördert. Die Regalbediengeräte sind dafür mit Fahrzeugterminals ausgestattet, die vom Staplerleitsystem Opus-SLS mit wegeoptimierten Fahraufträgen versorgt werden.

Während des gesamten Prozesses werden die Chargenbestände getrennt nach ihrem Qualitätsstatus geführt, denn im Opus-WMS ist das Chargentracking bis zur Einzel-Auslieferung im Kundenauftrag standardmäßig vorgesehen. Auf dieser Basis können Sperren auch auf Teilmengen von Ladeeinheiten angewendet werden.

Inventur gespart

Das Lager ist in diverse Nachschub- und Kommissionierzonen eingeteilt, wobei die unteren Regalebenen als Bereitstellzone zum Kommissionieren der täglich rund 850 Auftragspositionen dienen. Aus den vom ERP-System empfangenen Rüstlisten erzeugt Opus-WMS in einer optimierenden Batchbildung die Kommissionieraufträge für mehrere Kommissionierwellen pro Schicht.

Für jeden Kommissionier-Batch werden vor dem Start der eigentlichen Kommissionier-Rundgänge die erforderlichen Umlagerungen aus der Nachschub- in die Kommissionierzone vorgegeben und an das Staplerleitsystem Opus-SLS übertragen. Erforderliche, aber in der Kommissionierzone aktuell nicht bevorratete Artikel werden damit aus der Nachschub- in die Greifzone verbracht. Im gleichen Umlager-Batch erfolgt das wegeoptimierte Freiräumen von Kommissionierplätzen, die mit nicht benötigten Artikeln belegt sind.

Jeder Kommissionierer bearbeitet datenfunkgestützt im Multi-Order-Picking-Verfahren bis zu sechs Aufträge simultan. Hierbei werden die Mitarbeiter wegeoptimiert durch das Fachboden- und das Schmalganglager geführt. Jeder Pick wird durch Scannen von Entnahme- und Zielbehälter verifiziert. Die Kommissionierbehälter werden für den aktuellen Kommissionier-Rundgang per Scannung mit den Kommissionierwagen „verheiratet“.

Auftragspositionen, die durch Ganzpaletten bedient werden können, werden nicht im Komissionierrundgang gepickt, sondern über eine entsprechende LE-Bereitstellung direkt in der Verpackungszone („Pick & Pack“). Begleitet wird die Kommissionierung durch eine permanente Inventur, wodurch sich Seeger-Orbis die aufwändige jährliche Vollaufnahme erspart. Für diesen Vorgang hatte der Automobilzulieferer zuvor zwei Arbeitstage sowie zahlreiche Hilfskräfte benötigt. Die fertig kommissionierten Aufträge werden an speziellen Packplätzen weiterbearbeitet. Als zusätzliche Sicherheit werden alle Kundenaufträge durch mindestens zwei Mitarbeiter unabhängig voneinander verifiziert.

20 Prozent zuverlässiger

Anschließend werden die KLT auf den vorgeschriebenen Ladungsträgern wie Paletten, Kisten oder Gitterboxen zu Versandeinheiten zusammengeführt. Parallel werden in Echtzeit die notwendigen Begleitpapiere und Warenanhänger - gemäß den erforderlichen Normen wie VDA, Odette oder AIAG - direkt am Packplatz gedruckt.

Das Verladen wird schließlich durch das Scannen der Packstücke an den Verladetoren registriert. Hierbei prüft Opus-WMS, ob die Zuordnung des Packstücks zur Lieferung plausibel ist. Im Hintergrund werden dann bereits die Avis-Daten aufbereitet, die vorab per EDI an den Kunden gesendet werden.

Selbst eine 99prozentige Lagerauslastung würde die Auftragsbearbeitung nicht beeinträchtigen, denn Lagerleiter Dannenbaum kann durch eine „geschickte Systemparametrierung“ Überlastsituationen vermeiden. Entsprechend positiv fällt Dannenbaums Resümee aus: „Wir haben die Lieferzuverlässigkeit gegenüber unseren Kunden sehr schnell um 20 Prozent gesteigert - und das bei einer Reduktion der Arbeitszeit von weit mehr als 30 Prozent.“

www.seeger-orbis.de

www.infor.de

www.opus-g.com

Bildquelle: Seeger-Orbis GmbH

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