Steeb-Chef Dr. Alexander Arnold spricht von „vielen guten Chancen, die dieser Zusammenschluss für Kunden, Mitarbeiter, Partner bietet“.
Wie der SAP-Partner All for One Midmarket AG, Filderstadt, gestern Abend mitteilte, wurde eine entsprechende Absichtserklärung mit der SAP AG bereits unterzeichnet. „Die derzeit laufenden Verhandlungen erfolgen auf exklusiver Basis“, heißt es in der Ad-hoc-Meldung weiter. Der Vollzug des Erwerbs solle noch 2011 erfolgen, setze aber eine Einigung mit SAP über die Inhalte des Kaufvertrags voraus, ebenso die Zustimmung des Aufsichtsrates der All for One Midmarket AG und des SAP-Vorstandes sowie die Erlaubnis der Kartellbehörden.
„Der gesamte Prozess ist gut vorbereitet“, gibt sich Lars Landwehrkamp, Vorstandssprecher All for One Midmarket AG, optimistisch. „Allen Beteiligten ist förmlich anzumerken, wie sehr ihnen am Erfolg des Zusammenschlusses gelegen ist.“ Pläne für das gemeinsame Unternehmen zielen demnach auf Größe, Vertriebsstärke, SAP-Outsourcing und Expertise in den SAP-Zukunftsthemen. Laut Steeb-Chef Dr. Alexander Arnold ergänzen sich beide Unternehmen „hervorragend“ in ihren Kompetenzen. Man sich zudem einig „in der Bewertung der vielen guten Chancen, die dieser Zusammenschluss für Kunden, Mitarbeiter, Partner und nicht zuletzt für SAP bietet.“
SAP hatte das AS/400-Haus Steeb bereits vor dem Launch von R/3 im Jahr 1991 erworben, um nach mehreren gescheiterten Anläufen im lange schon angepeilten Zielmarkt Mittelstand stärker Fuß zu fassen. Mitte 2004 war Steeb dann mit dem auf Finanzlösungen für den Mittelstand spezialisierten Softwarehaus DCW verschmolzen worden, das SAP 2003 von dem SAP-Mitbegründer Dr. Claus Wellenreuther erworben hatte.
Viel Freude hatte SAP mit der Tochter Steeb allerdings nicht. Seit 2008 entwickeln sich die Umsatz- und Mitarbeiterzahlen rückläufig – und das Konfliktpotential mit den unabhängigen Systemhauspartnern ist unübersehbar. Da scheint es nur konsequent, dass SAP den Schlussstrich zieht. Umgekehrt will All for One mit Steeb die Marktposition als SAP-Komplettdienstleister im Mittelstand schneller ausbauen.
Heute beschäftigt Steeb rund 190 Mitarbeiter und erzielte im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010 Umsätze von insgesamt rund 61 Mio. EUR mit etwa 1.000 Kunden – fast ausschließlich in Deutschland. All for One ist etwas größer und schaffte im letzten Geschäftsjahr mit rund 420 Mitarbeitern 78,8 Mio. Euro Umsatz – mit ebenfalls etwa 1.000 Kunden.
Laut Michael Kleinemeier, Regional Präsident DACH bei SAP, soll das „gesamte SAP-Ökosystem“ von dem geplanten Verkauf profitieren. „All for One gilt alleine bereits als sehr vertriebsstark“, argumentiert Kleinemeier. Er legt dann aber auch den Finger in die Wunde und sagt, dass er von einem neu formierten Unternehmen „kräftige Zusatzimpulse für unser Mittelstandsgeschäft im Heimatmarkt Deutschland“ erwarte.
Ob der Vertrag trotz aller Logik zustande kommt, dürfte aber noch von einigen kniffligen Details abhängen – insbesondere von der weiteren Pflege des ursprünglichen Steeb-Produktes SC/400 und der DCW-Software; damit arbeiten heute immerhin noch schätzungsweise 370 Steeb-Kunden. Diesen Kunden hat SAP klare Zusagen gemacht – und kann sich nicht so ohne weiteres aus der Verantwortung stehlen.
Bildquelle: All for One Midmarket AG, SAP, Steeb