11.04.2017 Die Top5-Auslöser für ein Oracle-Lizenzaudit

Schwarmintelligenz kontra Abzocker

Software-Audits führen in Unternehmen immer wieder zu ungeplanten Ausgaben – etwa in Form von hohen Kosten für Nachlizenzierungen und Back-Support. So auch bei Oracle, einem der weltweit führenden Software-Konzerne. Über seine ERP-Suite JD Edwards, diverse Konnektoren für seine Datenbank und andere Middleware sowie Tools für die Sofware-Entwicklung und den Betrieb von Anwendungen auf Basis seiner Java-Plattform ist Oracle auch in der AS/400-Welt aktiv.

Markus Oberg, Chairman der „The Lighthouse Alliance“

Kaum ein Kunde wird von Oracle rein zufällig für ein Lizenzaudit ausgewählt. Es mag sein, dass es derartige „License Reviews“ gibt, doch in der Regel existiert ein handfester Auslöser – ein sogenannter „Software Audit-Trigger“, glaubt jedenfalls Markus Oberg. Der Chairman der 2016 neu gegründeten „Lighthouse Alliance“ weiß, wovon er spricht, denn als Partner und Business-Development-Manager bei der Hamburger Prolicense GmbH hat er dieses Startup-Projekt als Modell für den detaillierten Erfahrungsaustausch in Bezug auf Software-Audits jeglicher Hersteller mit ins Leben gerufen.

Audit-Playbooks und Handlungsempfehlungen

Die Auslöser für ein Oracle-Audit können demnach – wie auch bei anderen Herstellern – sehr vielfältig sein. Die Audit-Erfahrungen der Mitglieder werden herstellerübergreifend gesammelt und strukturiert aufbereitet zur Verfügung gestellt. Es entstehen Audit-Playbooks, Handlungsempfehlungen, Shortpaper, rechtliche Bewertungen und weitere Dokumente, je nach Bedarf der Mitglieder. Das aufgrund der Vernetzung angesammelte Know-how steht jederzeit zur Risikoreduktion bereit.

„Wir bauen eine Schwarmintelligenz auf, sodass jedes unserer Mitglieder von den anderen profitiert. So verlieren Software-Audits ihren Schrecken“, verspricht Oberg. Diese Idee scheint attraktiv, denn die Lighthouse-Allianz hat seit ihrer Gründung Mitglieder mit zusammen über 370 Mrd. Euro Umsatz und mehr als einer Million Mitarbeitern. „Die Lighthouse Alliance-Mitglieder verwalten Milliarden an Software-Assets. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen gegen Software-Audits als reines Geschäftsmodell der Vendoren“, fügt Christian Grave hinzu, Geschäftsführer bei Prolicense und ausgewiesener Experte für Oracle-Audits.

Audits - ein Geschäftsmodell der Hersteller

Audits scheinen ein lohnendes Geschäft zu sein. Gerade Oracle ist für eine rigide Durchsetzung seiner Interessen durch Software-Audits bekannt. Laut Grave existieren dort eine Reihe solcher Audit-Trigger. Die Top 5 seien:

1. Oracles Vertrieb erreicht seine Sales-Quoten nicht: Wie in allen Software-Unternehmen werden den Vertriebsmitarbeitern bestimmte Quoten auferlegt. Die jeweilige Berechnungsgrundlage und das Berechnungssystem können beliebig komplex sein. Wird die festgelegte Quote nicht erreicht, ist es aus Sicht des Vertriebes ein probates Mittel einen Kunden für ein Lizenz-Audit vorzuschlagen. In Fachkreisen wird dies als sogenannter „Shake-Up“ bezeichnet. Der Kunde muss wachgerüttelt werden, damit er etwas kauft bzw. dem Vertrieb wieder zuhört.

2. Der Kunde bittet Oracle um Hilfe bei der Kostenreduzierung: Vielleicht nutzt er bestimmte Produkte nicht mehr, oder der Kostendruck im Unternehmen ist generell hoch. Eine Reduktion der Support-Ausgaben ist für Oracle jedoch sehr unangenehm. Die Supportmargen liegen regelmäßig über 90 Prozent; dies will man sich nicht entgehen lassen. Kunden sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Abteilung, die Hilfe bei der komplizierten Oracle Lizenzierung anbietet, auch die Abteilung ist, welche die Audits durchführt – nämlich Oracle „License Management Services“ (LMS).

3. Die schiere Größe des Kunden: In der Regel denken große Kunden, dass sie eine Art Immunität besitzen, weil sie reichlich Lizenzen kaufen bzw. viel Wartungsgebühren zahlen. Doch dem ist nicht so. Je mehr Produkte ein Kunde von Oracle einsetzt – sei es Hardware und/oder Software – umso eher kann er zum Ziel eines Audits werden. Je komplizierter es wird, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass er einen Fehler bei der Lizenzierung gemacht hat. Eine einzige Unachtsamkeit bei der Virtualisierung der IT-Umgebung kann schon mehrere Millionen Euro kosten.

4. Austausch der Hardware: Eigentlich ist jedem bekannt, dass die Oracle die Lizenzierung auch von der Umgebung abhängig macht, auf der die Software betrieben wird. Doch ist im Markt immer wieder zu sehen, dass gerade bei Hardware-Umstellungen die Minimum-Regelungen, Core-Faktor-Tabellen oder andere wichtige Lizenzregeln nicht richtig umgesetzt werden. Wird dann auch noch virtualisiert, ist das Chaos perfekt.

5. Der IT-Chef hat keine Ahnung, welche Oracle-Produkte das Unternehmen benutzt: An dieser Stelle gibt es zwei Unsicherheiten. Zum einen fehlt oft die Transparenz, welche kostenpflichtigen Optionen und Packs genutzt werden – sei es gewollt oder ungewollt. Die andere Unsicherheit besteht darin, dass sich der IT-Chef nicht darüber im Klaren ist, was alles Oracle-Produkte sind: Siebel, JD Edwards, Peoplesoft, Taleo, Hyperion, Eloqua….Alles im Griff? Gerade Großkonzerne sind sich oft nicht im Klaren darüber, dass vielleicht irgendein Unternehmensteil etwas dieser Software nutzt. Bei M&A-Transaktionen tauchen diese Probleme regelmäßig auf, wenn der akquirierte Unternehmensteil in die virtualisierte Umgebung eingebunden wird und vergessen wurde, dass da vielleicht die HR-Abteilung eine Software nutzt, die man besser nicht in einer virtualisierten Cluster-Umgebung nutzt.

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