Alexander Loibl ist IBMi Leader Germany
Herr Loibl, täuscht der Eindruck, dass es seit einigen Jahren immer weniger Benchmarks für IBM i gibt?
Alexander Loibl: Die Durchführung von Benchmarks ist ein sehr aufwendiges und kostenintensives Verfahren. Es kann deshalb nicht im gleichen Umfang für alle unterstützten Betriebssysteme (AIX, Linux und IBM i) der Power Systeme durchgeführt werden. Benchmarks sind ein wichtiges Marketinginstrument, eignen sich aber nicht für ein Sizing in einer konkreten Kundensituation.
Warum investiert IBM nicht mehr in i-Benchmarks?
Loibl: IBM ist bestrebt, im Zusammenhang mit neuen Produkten immer die Industriebenchmarks durchzuführen, die für die Einsatzbereiche dieser Produkte sinnvoll sind. Will man die Leistungsfähigkeit der Hardware darstellen, werden selbstverständlich Testumgebungen gewählt, die ein maximales Ergebnis versprechen. Hier hat IBM i gegenüber AIX dadurch einen kleinen Nachteil, dass es bei Unix im Allgemeinen mehr Stellschrauben gibt als bei IBM i, weil hier stets das beste Verhältnis von Performance und Einfachheit in der Administration angestrebt wird. Denn eines ist klar: All diese Stellschrauben müssen ja auch bedient werden.
Ganz analog zu Automatik versus Schaltgetriebe beim Auto bedeutet Automation administrativer Aufgaben in der IT, wie etwa bei der Speicherverwaltung, immer einen kleinen Performanceverlust! Da die Hardware identisch ist, unterscheiden sich die Ergebnisse zwischen AIX bzw. Linux und IBM i kaum voneinander. CPU-intensive Benchmarks werden in der Regel mit AIX durchgeführt, während bei I/O-intensiven Workloads – wie etwa beim SAP BI Mixed Workload – dem IBM i der Vorzug gewährt wird.
Gibt es Daumenregeln, wie sich AIX- Benchmarks auf IBM i übertragen lassen? Oder ist das nicht möglich bzw. sinnvoll?
Loibl: Der für IBM i relevante CPW-Benchmark, der die Leistung von Systemen bei gemischtem Workload misst (wie es bei den meisten IBM-i-Kunden auch vorkommt), wird wie gewohnt immer veröffentlicht. Da IBM i eine integrierte Datenbank hat und die Datenbankperformance stark von der jeweiligen I/O-Umgebung abhängig ist, macht es meines Erachtens auch kaum Sinn, nur die „reine“ Datenbankperformance zu messen. Auch die schiere Prozessorleistung sagt da wenig aus.
Jede Kundenumgebung ist anders – und erfordert ein individuelles Sizing. So werden etwa im x86-Bereich die meisten Benchmarks in nicht virtualisierten Umgebungen gemessen. Wobei SAP-Tests gezeigt haben, dass durch die x86-Virtualisierung erhebliche Leistungsverluste auftreten können.
Bei Power-Systemen ist dagegen die Virtualisierungsschicht integraler Bestandteil der Hardware, also im Systemdesign bereits berücksichtigt und mit geringem Overhead implementiert. Somit werden bei Power-Systemen immer sämtliche Benchmarks ohne Ausnahme bereits inklusive der geringen Virtualisierungsverluste ermittelt.
Welche Aussagen zur Performance der Betriebssystemversionen i 6.1 und
i 7.1 bei Power7-Benchmarks gibt es?
Loibl: Generell ist die IBM bestrebt, mit jeder neuen Version eines Betriebssystems auch die Performance zu verbessern; gleichzeitig werden aber auch neue Funktionen bereitgestellt, die wiederum zusätzliche Ressourcen beanspruchen.
Ein gutes Beispiel für den Leistungsgewinn ist der angesprochene „SAP BI Mixed Workload“-Benchmark. Hier wird unter IBM i 6.1 ein Performancegewinn von 56 Prozent gemessen, falls statt eines Power6-Modells mit acht Kernen ein entsprechendes Power7-Modell verwendet wird. Läuft dieses Power7-Modell mit i 7.1, beträgt der Leistungsgewinn sogar 80 Prozent gegenüber der Power6-Maschine mit IBM i 6.