26.09.2017 DSAG fordert einfache Updates und funktionierende Sicherheitskonzepte

Stabiler ERP-Kern wäre die Basis

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe sieht im Hinblick auf Lizenzierung, Sicherheit und Produkttransparenz noch wichtige Aufgaben für SAP zu lösen, wird auf dem 18. DSAG-Jahreskongress 2017 deutlich. Zur dreitägigen Veranstaltung unter dem Motto „Zwischen den Welten – ERP und digitale Plattformen“, die von heute bis Donnerstag in Bremen stattfindet, werden rund 4.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Acht Keynotes, über 280 Vorträge und 175 Partner auf einer Ausstellungsfläche von 14.000 Quadratmetern bilden den Rahmen für das größte SAP-Anwendertreffen in Europa.

  • Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG

    Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG: „SAP ist technisch auf dem Weg. Das reicht uns allerdings nicht. Von SAP brauchen wir Lösungen, die funktionieren – mit einfachen Updates und Sicherheitskonzepten!“

  • Um die Digitalisierung voranzutreiben, brauchen Unternehmen einen stabilen ERP-Kern, der die wesentlichen Geschäftsprozesse abbildet, sich aber schnell und einfach updaten lässt

    Um die Digitalisierung voranzutreiben, brauchen Unternehmen einen stabilen ERP-Kern, der die wesentlichen Geschäftsprozesse abbildet, sich aber schnell und einfach updaten lässt.

  • Das „Innovations-System“ Leonardo ist noch nicht in der Praxis angekommen.

    Das „Innovations-System“ Leonardo ist noch nicht in der Praxis angekommen.

Um die Digitalisierung voranzutreiben, brauchen Unternehmen einen stabilen ERP-Kern, der die wesentlichen Geschäftsprozesse abbildet, sich aber schnell und einfach updaten lässt. „Da sind wir heute noch nicht“, konstatierte Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, in seiner Keynote. Zusätzlich müsse der Kern mit flexibel konfigurierbaren Lösungen ergänzt werden. Nur so würden sich End-to-End-Prozesse als Bestandteile digitaler Geschäftsmodelle auch über Unternehmensgrenzen hinweg realisieren lassen.

„Die Lösung besteht nicht etwa, wie vielfach behauptet, in einer IT-Infrastruktur der zwei Geschwindigkeiten. Wir werden hybride Systeme einsetzen, um die Herausforderung der digitalen Transformation zu bewältigen“, erklärte Lenck. „Hybride Szenarien erfordern jedoch vollumfängliche und präventive Sicherheitskonzepte. Hier muss SAP liefern.“

Welche Relevanz haben SAP-Lösungen?

Wie begegnen SAP-Anwenderunternehmen aktuell dieser Situation und wo steht SAP? Dazu hat die DSAG im Frühsommer eine Online-Umfrage unter ihren Mitgliedern durchgeführt; befragt wurden über 500 Entscheider aus IT- und Fachbereichen. 70 Prozent der Befragten messen S/4Hana eine hohe bis sehr hohe Relevanz für die digitale Transformation zu, aber auch die Business Suite ist für über die Hälfte eine Zukunftsperspektive für Digitalvorhaben.

DSAG-Mitglieder setzen demnach auf beide Lösungen. „Für uns Anwender ist es wesentlich, dass SAP hinsichtlich des Reifegrads und der Leistungsumfänge der neuen Produkte mehr Transparenz schafft und auch die Weiterentwicklung der Business Suite stärker vorantreibt“, lautet der Aufruf der DSAG an SAP.

Keine Doppellizenzierungen

Die Cloud-Plattform der SAP scheint für viele DSAG-Mitglieder noch eine Unbekannte zu sein, ergab die Befragung. Mehr als die Hälfte billigt ihr demnach kaum bis keine Relevanz zu, obwohl genau sie für die flexiblen digitalen Geschäftsprozesse entwickelt wurde. Und auch die anderen Cloud-Lösungen werden von den mehr als 3.300 DSAG-Mitgliedsunternehmen für die digitale Transformation kaum in Betracht gezogen.

Eine ihrer Aufgaben sieht die DSAG folglich darin, kritisch zu hinterfragen, wie weit diese Cloud-Lösungen (etwa Ariba, Success Factors oder Concur) wirklich in bestehende IT-Umgebungen integrierbar sind und wo deren konkreter Nutzen für SAP-Anwender liegt.

Außerdem geht die DSAG davon aus, dass die Weiterentwicklung von Zusatzprodukten um den digitalen Kern herum vornehmlich in der Cloud erfolgt, auch wenn die Kunden bereits Lizenzen für ihre klassischen Geschäftprozessanwendungen erworben haben. Von daher muss darauf geachtet werden, dass es so nicht zu Doppellizenzierungen kommt. Dafür setzt sich die DSAG weiterhin ein.

Leonardo noch nicht angekommen

Sehr deutlich fällt das Urteil über das „Innovations-System“ Leonardo aus, mit dem SAP Anwendungen und Microservices zum Beispiel für das Internet der Dinge, maschinelles Lernen, Blockchain sowie Analytik und Big-Data-Analysen bereitstellt. 82 Prozent messen der neuen Marke wenig Bedeutung in ihrer IT-Strategie bei, was laut Lenck auch an der erst kürzlich erfolgten Markteinführung liegen kann.

„Eine Voraussetzung für den Erfolg sind Aufklärungsarbeit und verständliche Informationen seitens der SAP“, so Lenck. Er fordert insbesondere auch, „dass die Digitalisierungs-Strategie der SAP für Unternehmensentscheidungen sichtbar ist.“ Denn SAP wird durchaus als wichtiger, wenn auch nicht als einziger Partner bei der Digitalisierung gesehen: 79 Prozent schreiben SAP eine wichtige Rolle zu (2016: 74 Prozent).

Die wichtigsten Herausforderungen, die SAP im Bereich Internet of Things noch meistern muss, sehen DSAG-Mitglieder bei den Themen Sicherheit und Lizenzen sowie indirekter Nutzung. Konkret bedeutet das u. a.:

  • IoT-Projekte benötigen eine durchgängige Security-Architektur bzw. entsprechende Governance-Modelle.
  • Einheitliche Standards müssen geschaffen und eingehalten werden, um heterogene Landschaften zu betreiben
  • Der Übergang von alten auf neue Verträge muss bestehende Ansprüche bewahren und durch ein einheitliches Preis- und Lizenzmodell unterstützt werden.
  • Benötigt wird ein nachhaltiges und klares Pricing-Model, das sich am Geschäft orientiert und die Risiken überschaubar hält, auch in einer IoT-Umgebung.

Ohne die Klärung dieser und weiterer Punkte werden Digitalisierungsvorhaben sich nicht adäquat umsetzen lassen, lautet die Botschaft des DSAG-Vorstandsvorsitzenden. Gemäß ihrer Selbsteinschätzung stehen Unternehmen laut Umfrage noch immer am Anfang der digitalen Transformation.

Aus dieser Situation heraus ergibt sich für SAP folgender Auftrag, den Marco Lenck formuliert: „SAP ist technisch auf dem Weg. Das reicht uns allerdings nicht. Von SAP brauchen wir Lösungen, die funktionieren – mit einfachen Updates und Sicherheitskonzepten!“ Lenck fordert zudem „verlässliche Informationen, damit Unternehmen ihre Digitalisierungsstrategie definieren können. Und last, but not least transparente Kosten mit atmenden Lizenzmodellen, die nachhaltige Business Cases ermöglichen“.

Ausgewählte Forderungen auf einen Blick

  1. SAP muss hinsichtlich des Reifegrads und der Leistungsumfänge der Produkte mehr Transparenz schaffen.
  2. Ein vertikales Lizenzmodell ist dringend notwendig, das fair und businessgerecht, unabhängig von On-Premise- und Cloud-Szenarien, Lizenzkosten abrechnet – egal ob gemietet oder gekauft.
  3. Hybride Szenarien erfordern vollumfängliche und präventive Sicherheitskonzepte.
  4. SAP muss ihre IoT-Strategie offenlegen. Diese muss zu den Kunden-Roadmaps passen.
  5. SAP muss nachweisen, dass Plattformen wie Ariba, Success Factors oder Concur wirklich integrierbar sind und wo deren konkreter Nutzen für SAP-Anwender liegt.

Bildquelle: DSAG

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