Claudia Nemat ist Vorstand Europa und Technik bei der Deutschen Telekom AG
Wenn in der Öffentlichkeit über Netze diskutiert wird, dann geht es meistens um die verfügbare Bandbreite für den Kunden. Im Mobilfunk sind aktuell dank LTE bis zu 100 MBit/s möglich; im Festnetz sind es mit VDSL bis zu 50 MBit/s – abhängig vom Stand- bzw. Wohnort. In der Zukunft wird auch ein anderer Wert größere Bedeutung bekommen – die Latenz.
Man könnte das beschreiben als die Effizienz von Netzen. Mit Latenz ist die technisch bedingte Verzögerung in Netzen gemeint, die durch den Durchlauf der Datenpakete in Bauteilen wie Netzknoten (Switches) entsteht. Gerade Anwendungen in Echtzeit – die einen immer größeren Anteil des Verkehrs im Netz ausmachen (Video, Collaboration, E-Health) brauchen geringe Latenz, sonst leidet die Qualität – egal welche Bandbreite der Anschluss beim Kunden hat.
Die heutige Netzarchitektur ist historisch gewachsen – wie ein Haus, das anfangs für eine dreiköpfige Familie gedacht war, jetzt aber Anbau um Anbau um Anbau erweitert wurde und Platz für 100 Menschen bietet. Deshalb kombiniert die Deutsche Telekom mit dem neuen Netzkonzept „Tera Stream“ die Cloud- und Netztechnologien mit einer modernen Steuerung – diese Architektur vereinfacht die verschiedenen Netz- und Steuerungsebenen radikal. Eine Idee, die bisher nur auf Papier existierte und die als Zukunftsvision für den Zeithorizont 2020 gilt. In Zagreb wird die Telekom-Tochter Hrvatski Telekom jetzt den ersten Piloten starten. Damit ist der Konzern führend in der Branche. Wir wollen eine Architektur entwickeln, die so kostengünstig und einfach wie noch nie produziert werden kann.