Marktstagnation oder ein Wirtschaftsabschwung (Positionen 6 und 7) werden ebenso wie die Gefahr eines verschärften Wettbewerbs auf Platz 8 im Vergleich zu 2014 als weniger risikoreich eingestuft. Die Top 10 komplettieren das Risiko der politischen/sozialen Unruhen sowie die Gefahr von Diebstahl, Betrug und Korruption.
Die Top Ten im Überblick:
Der Klimawandel und Naturkatastrophen sowie technische Innovationen wie der 3D-Druck oder die Nanotechnologie dominieren die langfristige Risikoagenda. Laut Allianz sind Unternehmen am schlechtesten auf Cyberrisiken vorbereitet. Reputationsverlust und Betriebsunterbrech-ungen gelten als größte Schadenursachen nach IT-Sicherheitsvorfällen.
„Ein Risiko kann mehrere andere nach sich ziehen“, weiß Chris Fischer Hirs, CEO von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), dem Unternehmens- und Spezialversicherer des Konzerns. „Naturkatastrophen und Cyberangriffe können den Betrieb nicht nur in einem einzigen Unternehmen unterbrechen, sondern eine ganze Branche oder kritische Infrastruktur betreffen.“ Das Risikomanagement müsse diese neue Realität widerspiegeln. „Unternehmen, die frühzeitig die Folgen von Wechselwirkungen erkennen, können Schäden minimieren oder bestenfalls sogar komplett vermeiden“, glaubt Hirs. „Um moderne Risiken zu beherrschen, müssen Unternehmen auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmensfunktionen stärken.“
Betriebsunterbrechungen sind nicht nur global, sondern auch in Deutschland (55 Prozent) weiter das Top-Risiko für Unternehmen. Auf Platz 2 in Deutschland folgen als Aufsteiger des diesjährigen Rankings Cyberrisiken (32 Prozent), die im Vorjahr noch auf Platz 6 und 2013 noch außerhalb der Top-10-Risiken rangierten. „Die deutsche Wirtschaft ist weltweit vernetzt und hoch digitalisiert und damit stark gefährdet durch Internetkriminalität”, erklärt Dr. Christopher Lohmann, CEO Germany und Zentraleuropa bei AGCS. „Die Gefahren aus dem Netz sind mittlerweile in den Vorstandsetagen angekommen. Dabei konstatieren CEOs wie CIOs die Grenzen der technischen Aufrüstung in der IT-Sicherheit.“
Einen 100-prozentigen Schutz gebe es nicht. Jedes Unternehmen müsse daher entscheiden, ob es die verbleibenden Sicherheitsrisiken selber tragen oder weitergeben möchte. Lohmann verweist auch auf den engen Zusammenhang zwischen BU und Cybergefahren. Laut einer Studie des VDMA verzeichneten bereits rund ein Drittel der deutschen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau Produktionsausfälle in Folge von IT-Sicherheitsvorfällen.
Obwohl das Bewusstsein für Cyberrisiken zunimmt, werden deren Folgen weiter oft unterschätzt. Knappe Mittel und unzureichende Risikoanalysen gelten als weitere Gründe, warum IT-Chefs nicht besser auf die Abwehr von Cyberrisiken vorbereitet sind. „Cyberrisiken sind sehr komplex. Verschiedene Stakeholder wie IT-Sicherheitsarchitekten und Business-Continuity-Manager müssen ihr Wissen teilen, um Bedrohungsszenarien zu identifizieren und zu bewerten“, erläutert Jens Krickhahn, Practice Leader Cyber & Fidelity bei AGCS Financial Lines für Deutschland & Mitteleuropa. „Bislang in Silostrukturen gefangenes Wissen muss in einer ‚Denkfabrik‘ gebündelt werden, um Risiken ganzheitlich zu verstehen. Auch sollte der ‚Faktor Mensch‘ nicht unterschätzt werden, da Mitarbeiter fahrlässig oder absichtlich IT-Sicherheitsvorfälle verursachen können.“
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