Stromausfälle werden wahrscheinlicher
Es ist Winter, es ist kalt und es hat sogar schon geschneit. Obwohl wir hier von osteuropäischen Verhältnissen mit Dauerfrost und einem Meter Schnee weit entfernt sind, scheint das allgemeine technische Chaos im Winter jedes Jahr größer zu werden.
So gibt es bei der Deutschen Bahn seit etlichen Jahren in jedem Winter Verspätungen und Ausfälle in großer Zahl. Und in diesem Jahr könnte es erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zu großflächigen Stromausfällen kommen. Zumindest meinen das einige Akteure aus der Energiebranche, wie Spiegel Online vor kurzem (wohlig schaudernd)
berichtet hat.
Sollte so etwas passieren, wird nicht nur die Bahn stillstehen. Prof. Dr. Thomas Rose vom Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik (FIT) wollte es etwas genauer wissen. Der Leiter des Forschungsbereichs "Risikomanagement und Entscheidungsunterstützung" befragte in einem
Workshop Vertreter von Energieversorgern, Behörden und Rettungskräften zu ihren Notfallplänen.
Doch das ist nur die eine Seite. Unternehmen und Konzerne bereiten sich schon seit langem auf längerfristige Stromausfälle vor, vor allem die IT-lastigen Geldinstitute und Versicherungen. Doch was ist mit kleineren Unternehmen?
"Kleinere Mittelständler und Kleinunternehmen können sich nur äußerst schlecht auf flächendeckende Stromausfälle vorbereiten", meint Thomas Rose. "Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für den Notfall sollte zwar Standard sein, hilft aber natürlich nicht bei einem Blackout über mehrere Tage."
Nach Ansicht des Risikoforschers ist eine USV als erste Maßnahme der wichtigste Punkt, auf den kein Mittelständler verzichten sollte - auch kein Kleinunternehmen mit nur wenigen Mitarbeitern. "Die USV erlaubt das kontrollierte Herunterfahren der IT, so dass es nicht zu Datenverlusten kommt. Das ist beim Wiederaufbau des Geschäftsbetriebs nach dem Ende des Stromausfalls enorm wichtig."
Doch dann wird es schwierig. Ein dauerhafter Notstrombetrieb ist bestenfalls für größere Unternehmen eine bezahlbare Option. Rose empfiehlt stattdessen, zunächst eine Analyse der Risiken und Gefahren vorzunehmen. Dazu gehört in erster Linie eine Bestandsaufnahme sämtlicher Geräte, die mit Strom funktionieren.
"Sehr wichtig ist eine Einschätzung, welche Anlagen ohne Strom in einen unkontrollierten Zustand geraten, weil zum Beispiel eine Kühlung oder eine Pumpanlage nicht mehr funktioniert," hebt Rose eine oft übersehene Folge von Stromausfällen hervor.
Stark IT-gestützte Arbeitsprozesse haben außerdem häufig das Problem, dass sie von externen "Mitspielern" abhängig sind. So kann bei einem regionalen Stromausfall die Internetverbindung unterbrochen sein, da die benachbarten DSL-Netzknoten der Telekom vom Strom abhängig sind. Eine eigene USV für den längeren Betrieb hilft da nicht.
Und selbst wenn der Stromausfall in einer weiter entfernten Regionen passiert, kann trotzdem die IT empfindlich gestört sein. Das Stichwort lautet hier "Cloud Computing". Sogar wenn der eigentliche Cloudanbieter ein Rechenzentrum mit einem eigenen Kleinkraftwerk besitzt, kann trotzdem nicht mit den Clouddiensten gearbeitet werden, wenn eine ganze Region fast vollständig aus dem Internet verschwindet.
"Die Empfehlung an alle Unternehmen lautet, einen Notfallplan aufzustellen. Dort sollte genau geregelt werden, auf welche Weise der Betrieb einen kontrollierten Ruhezustand erreichen kann," meint Rose. "Sehr viel mehr können kleinere Unternehmen leider nicht machen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem jeder machtlos ist."
Bildquelle: Björn Schledorn /
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