Anwender von Software bewegen sich hier stets im Spannungsfeld zwischen dem Bewahren von Bewährtem und dem Erneuern von Strukturen, um zusätzlichen Anforderungen gerecht werden zu können. Als im Jahr 1975 gegründetes Softwarehaus hat die SPH AG die Entwicklungen über Jahrzehnte begleitet.
In den Anfängen des kommerziellen Software-Einsatzes war es üblich, dass Unternehmen über eine eigene Basissoftware verfügten, die von eigenen Entwicklern oder externen Softwarepartnern erstellt und gepflegt wurde. Auf diese unternehmenseigenen Unikate waren die Firmen in der Regel auch stolz, denn sie hatten eine Lösung, die kein anderer hatte. Sicher hatten diese Anwender in den frühen Zeiten der IT so auch Alleinstellungsmerkmale und individuelle Vorteile gegenüber Mitbewerbern.
Es blieb der Wunsch, sich vom Wettbewerb abzugrenzen. Allerdings wurden die Softwarekonstruktionen mit dem Anstieg der Anforderungen immer bizarrer. Die Systeme wurden mit erheblich mehr Daten gefüttert und kamen an ihre Grenzen. Der scheinbare Ausweg war, dass Hersteller neue Systeme auf den Markt brachten, bei denen sich das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Regel um den Faktor vier verbesserte.
Die Betriebssysteme erlaubten die Weiternutzung der alten Software. Die Anwender konnten so weiter ihre Unikate pflegen und hier und da zusätzliche Balkone anbauen. Das Ergebnis ist bekannt und heute manchmal noch anzutreffen: Die Software kommt in die Jahre, Mitarbeiter – die geistigen Väter der Eigensoftware – scheiden aus und was bleibt, ist ein Kunstwerk an Software, das keiner mehr warten und effizient bedienen kann.
Die SPH AG hat für den Versandhandel bereits im Jahr 1982 einen ersten Standard auf Basis der IBM/34 entwickelt. Nach vier Jahren erfolgte der Wechsel auf die IBM/36, 1986 ein Ausflug in die Welt der IBM/38 und dann der Sprung in die Datenbankwelt der DB2 auf der AS/400, die bis heute in Sachen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Funktionalität nicht zu überbieten ist. Das war die Geburtsstunde der Versandhandelslösung SPH-Direkt, die in weiterentwickelter Form noch heute bei vielen Kunden im Einsatz ist.
Der Glaube, damit zukunftssicher aufgestellt zu sein, wurde rasch von den Entwicklungen überholt. Im Jahr 2001 haben wir erkennen müssen, dass der Markt eine Windows-Oberfläche verlangt und die Zeit der sogenannten „grünen Welt“ vorbei ist. Als Konsequenz wurde unser Standard Windows-fähig gemacht.
Technische Änderungen in der Software-Entwicklung und die Möglichkeiten völlig neuer Kommunikationsformen haben in den Jahren 2007 und 2008 neue Fragen aufgeworfen.
Die Integration nicht nur von Word und Excel in die Software, sondern auch von Internet, Mailservices bis hin zu Webservices aus jeder Softwareplattform stellten Systemhäuser wie uns erneut vor die Grundsatzfrage: Sind Eigenentwicklungen angesichts der Innovationsdynamik noch sinnvoll oder ist das Aufsetzen auf eine der Lösungen der ganz Großen des Marktes angezeigt?
Unser Unternehmen hat sich entschieden, auf den Standard Microsoft Dynamics AX aufzusetzen. Diese moderne Basissoftware bildet im Standard Funktionen für alle kaufmännischen Bereiche ab und sieht in einer Roadmap bis in das Jahr 2018 kontinuierliche Weiterentwicklungen vor. Unsere Aufgabe sowie die Aufgabe aller Systemhäuser, die sich für einen Standard entschieden haben, ist es, die breite Basissoftware für die jeweilige Zielbranche zu optimieren. Microsoft hat diesen Gedanken in seiner Entwicklungsstruktur mit sogenannten Layern berücksichtig, die speziell für die individuelle Entwicklung vorgesehen ist.
Unsere Empfehlung an Anwender lautet: Kaufe einen Standard und lasse diesen für das eigene Unternehmen optimieren. Dabei ist die Entscheidung für Standards keine philosophische Glaubensfrage, sondern orientiert sich an harten Fakten. Kriterien für eine Softwarelösung müssen immer ihre Wirtschaftlichkeit, Funktionalität, Anwenderfreundlichkeit für Mitarbeiter und Kunden und Innovationsfähigkeit sein.
Wer auf Standards setzt und auf dieser Basis Individualisierungen für sein spezielles Business realisieren lässt, sichert seine Investition und ist gewappnet für künftige Entwicklungen. Individualisierte Standardsoftware steht nicht für Bewahren oder Erneuern, sondern für Bewahren und Erneuern.
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