16.05.2017 Erfolgreich online im Reich der Mitte

5 Tipps für den Internet-Auftritt in China

Von: Alex Nam

Folgende fünf Tipps sollten Unternehmen beachten, damit ihre Expansion in den chinesischen Markt nicht am Internet-Auftritt und der digitalen Kommunikation scheitert.

Markteintritt in China

Der Markteintritt in China birgt insbesondere in Bezug auf die digitale Kommunikation Hindernisse für ausländische Unternehmen.

Mit einem Exportvolumen von über 76 Milliarden Euro deutscher Waren und Industriegüter im Jahr 2016, steht China als Export- und Expansionsmarkt bei vielen Unternehmen hoch im Kurs. Doch trotz seiner Attraktivität birgt der Markteintritt in China, insbesondere in Bezug auf eine reibungslose digitale Kommunikation, zahlreiche Hindernisse für ausländische Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Studie des Content-Delivery-Network-Spezialisten CDNetworks exemplarisch die Website-Performance von rund 1.800 europäischer Marken in China. Das Ergebnis zeigt, dass 85 Prozent der untersuchten Unternehmen aus Europa das enorme Geschäftspotential im chinesischen Markt nicht nutzen kann, da ihre Online-Auftritte schlicht und ergreifend zu langsam sind. Treten die gleichen Probleme bei Software-as-a-Service-Angeboten oder Cloud-Anwendungen auf, kann dies das Aus für das gesamte Geschäftsmodell bedeuten. Systeme, die in Deutschland problemlos funktionieren, benötigen in China mitunter so lange für die Datenübertragung, dass es zum Abbruch nach Zeitüberschreitung kommt.

Neben der großen Entfernung sorgen vor allem die automatische Überprüfung seitens der sogenannten „Great Firewall“ sowie die fragmentierte Internet-Infrastruktur und schlechte Konnektivität für Schwierigkeiten. Außer diesen Herausforderungen gibt es noch eine Reihe weiterer Punkte, die Unternehmen beachten sollten.

Checkliste für den Internet-Auftritt in China

1. Benötigte Lizenzen

Alle Websites in China benötigen eine sogenannte „Bei’an“-Lizenz, Internetseiten mit einem in China gehosteten Zahlungssystem zusätzlich auch eine so genannte „ICP“ – Internet Content Provider – Lizenz. Für verschiedene vertikale Märkte sind dazu weitere Lizenzen erforderlich – ohne sie ist das Website-Hosting nicht durchführbar. Unternehmen sollten sich unbedingt vorab über die Rechtslage beraten lassen. Selbst kleine Fehler können dazu führen, dass eine Website auf der schwarzen Liste landet und damit für immer gesperrt ist. Es lohnt sich also für Unternehmen, einen Spezialisten für den chinesischen Markt zu konsultieren, die Performance der eigenen Website in China zu testen und die Inhalte gründlich zu überprüfen.

2. Ladezeiten

Eine bekannte Herausforderung für Websites sind die Ladezeiten. Die sogenannte Latenz beruht u.a. auf der physikalischen Entfernung, die Daten vom Ursprung bis zum Benutzer zurücklegen müssen. Inhalte aus Europa oder den USA nach China zu übertragen benötigt ohnehin eine gewisse Zeit und die automatischen Prüfungen der sogenannten „Great Firewall“ verzögern den Prozess zusätzlich.
Gleichzeitig sind Internet-Nutzer es heute nicht mehr gewohnt, lange zu warten. Ungeduldige User springen bereits nach wenigen Sekunden ab und klicken die nächste Website an. Websites europäischer Marken benötigen jedoch laut aktueller Studien in China im Durchschnitt eine halbe Minute Ladezeit. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Besucherzahlen manch einer Website eher überschaubar bleiben. Doch viele Verantwortliche kennen die Ladezeit ihrer Site in China gar nicht – hier lohnt sich ein Performance-Test.

3. Hosting-Standort

Viele Unternehmen versuchen das Latenzproblem zu lösen, indem sie ein Rechenzentrum in Hong Kong für das Hosting ihrer Website nutzen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass die Metropole zwar zu China gehört, jedoch trotzdem außerhalb der „Great Firewall“ liegt. Natürlich können Firmen den Hosting-Standort auch direkt nach China verlegen, allerdings müssten sie dann idealerweise Hosting-Standorte in allen Metropolen bzw. in der Nähe aller ihrer Zielkunden haben – das ist sehr aufwendig und kostspielig. Hier kann ein Content-Delivery-Network-Anbieter, der über die notwendige Infrastruktur verfügt und eine gute Performance in China gewährleisten kann, eine gute Alternative sein.

4. Sicherheit

Dos und DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) gehören zu den größten Herausforderungen beim Schutz einer Website, das gilt auch für den chinesischen Markt. Hier empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Anbieter für cloud-basierten DDoS-Schutz. Dieser sollte möglichst viele Präsenzpunkte (PoPs) im Zielland besitzen und diese mit DNS-Methoden und DDoS-Absorptionsinfrastruktur kombinieren, um ungewöhnlichen Datenverkehr auf der Website zu analysieren und automatisch darauf zu reagieren. So wird bereits der Beginn eines Angriffs identifiziert, eine Warnung ausgelöst und der DDoS-Datenverkehr über viele andere Präsenzpunkte absorbiert.
Daneben empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Anbieter, der auch Sicherheitslösungen für Cloud Security, Schutz gegen Hacking (SQL-Injection und XSS Session Hijacking), Business Abuse (Screen Scraping, Formular-Spam und gefälschte Konten) anbietet. DNS-Schutz, verhaltensbasierte Firewalls für Web-Anwendungen, Bot-Shields und IP Reputation Filtering sowie ein verstärkter Datenschutz durch PCI-Compliance, Secure Socket Layer (SSL) oder Digital Rights Management-Systeme (DRMS) sind weitere wichtige Punkte.

5. Website-Inhalte

Aufgrund der langsamen Übertragungsgeschwindigkeiten bevorzugt man in China textlastige Seiten, über die die Benutzer alle benötigten Informationen an einem Ort abrufen können, statt sich durch mehrere Unterseiten zu navigieren. Das bedeutet, dass Unternehmen ein in Europa als modern und schick angesehenes, minimalistisches Website-Design nicht 1:1 für den chinesischen Markt kopieren sollten, Ausnahme sind hier Web-Apps.

Es ist außerdem wichtig zu verstehen, warum bestimmte Inhalte Probleme verursachen können. Einige Social-Media-Sites wie Facebook oder Twitter sind in China blockiert. Falls auf einer Unternehmens-Waebsite entsprechende Social Media Buttons in einer Seitenleiste auftauchen, kann dies die gesamte Seite blockieren. Andere Inhalte können aus kulturellen Gründen Grund zum Anstoß geben oder von den automatischen Suchalgorithmen fälschlich als bedenklich eingestuft werden. Eine Prüfung der Inhalte ist daher unbedingt empfehlenswert.

Ausblick:
In den nächsten Monaten sind in China zudem wichtige Änderungen zum Thema Website und Cyber-Security angekündigt, sodass Unternehmen dieses Thema im Auge behalten sollten.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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