„Eine Hybrid Cloud ist immer dann sinnvoll, wenn große, nicht permanent andauernde Lastspitzen abgefangen werden sollen“, André Kürten, Partner Account Manager bei Host Europe.
IT-DIRECTOR: Herr Kürten, welche Bedeutung schreiben Sie dem Thema „Cloud Computing“ für das Jahr 2014 zu?
A. Kürten: 2014 werden wir das Thema „Cloud Computing“ mit gleicher Intensität wie im Jahr 2013 verfolgen. Für uns als Hosting-Provider bedeutet das, dass wir unser Augenmerk verstärkt auf die fein-granulare Betrachtung der Work Loads, Cost-Modelle und Vereinheitlichung der dahinterliegenden Prozesse legen. Bereits etablierte Produkte werden dabei erweitert und erreichen den nächsten Entwicklungszyklus.
IT-DIRECTOR: Wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
A. Kürten: Das Interesse auf Unternehmensseite ist weiterhin ungebrochen. Allerdings wird der Fokus verstärkt auf Sicherheitsmaßnahmen gelegt, insbesondere im Kontext der anhaltenden Berichterstattung um den NSA-Skandal. Welche realen Vorteile sich bieten, wenn Hybrid-Modelle Bestandsumgebungen ergänzen und flexibilisieren, rückt ebenfalls in den Blickpunkt. Bei einer aufmerksamen Betrachtung der Gesamtbetriebskosten (TCO = Total Cost of Ownership) lassen sich monetäre Vorteile herausstellen. Das überzeugt Unternehmen.
IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
A. Kürten: Die Antwort darauf fällt meist recht eindeutig aus und hängt vor allem davon ab, welche Anforderungen Unternehmen an die Service Level Agreements (SLA) stellen und welchen Grad an Individualität die Infrastrukturen für Großunternehmen bieten müssen. Oft stehen wir vor Situationen, dass insbesondere Großunternehmen eigenes IT-Know-how mitbringen und teils eigenentwickelte Applikationen auf ausgewählten Plattformen betreiben möchten. Mit unserem Produkt „Individual Private Cloud“ definiert der Kunde mit uns gemeinsam, welche Rahmenparameter erfüllt werden müssen und welcher Skalierungspfad erwartet wird. Die Public Cloud wird interessant, wenn es um standardisierbare Workloads geht. Oft müssen Lastspitzen über entsprechende „Load Balancer“ abgefangen werden, die wir über agile Kostenmodelle abrechnen. So zahlen die Unternehmen nur die Ressourcen, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt wiederum die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
A. Kürten: Die Hybrid Cloud vereint Private- und Public-Cloud-Ressourcen und ist für Unternehmen eine Möglichkeit, ohne größere Investitionen ihre bereits vorhandenen IT-Umgebungen kurzfristig um zusätzliche Ressourcen zu erweitern. Den Kern der Hybrid Cloud bildet ein dedizierter Ressourcenpool. Wenn Unternehmen mit steigendem Traffic rechnen, können sie schnell und unkompliziert zusätzliche Ressourcen in einer geteilten Cloud-Umgebung nutzen. Der Vorteil dabei ist, dass man zeitlich begrenzt auf große Rechenkapazitäten zurückgreifen kann, die in einer flexibel gestalteten Cloud-Umgebung liegen. Unternehmen können also kostentransparent auf dynamische Anforderungsänderungen reagieren und bleiben somit wettbewerbsfähig.
IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
A. Kürten: Eine Hybrid Cloud ist immer dann sinnvoll, wenn große, nicht permanent andauernde Lastspitzen abgefangen werden sollen. Die Einsatzzwecke sind dabei sehr vielfältig. Wir richten uns mit dem Angebot schwerpunktmäßig an den Onlinehandel. Für E-Commerce-Plattformen ist beispielsweise ein typisches Szenario, dass sie aufgrund einer Marketingkampagne oder Verkaufsaktion mit einem starken Traffic-Anstieg rechnen. Doch auch Projekte in anderen Branchen, die über einen kurzen Zeitraum mehr Last auf Bestandssysteme verursachen, kann man mit der Hybrid Cloud abfedern.
IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
A. Kürten: Das hängt immer vom Anwendungsszenario ab. Bei entsprechender Planung ist der Aufwand gut kalkulierbar. Wenn eine Migration ansteht, empfehlen wir, das Projekt in enger Abstimmung mit uns zu planen.
IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid-Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Umgebung oder umgekehrt?
A. Kürten: Auch hierbei spielen wieder viele Faktoren eine Rolle: In erster Linie sind das die zur Verfügung stehende Netzwerktopologie, die Datenmenge und -typen. Das alles muss in der Planung berücksichtigt werden. Nach einer Analyse lassen sich die Unterscheidungsmerkmale der Daten beschreiben, woraufhin wir entsprechende technologische Maßnahmen umsetzen. Die Wahl der geeigneten Storage-Area-Network-Lösung (SAN) in der Planungsphase ist essentiell.
IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in der Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid-Cloud ablegt?
A. Kürten: Das ist stark abhängig von den verwendeten Applikationen und dem zugrundeliegenden Konzept. Es ist wichtig, diesen Punkt in der Konzeptionsphase gut zu durchdenken, dann haben Unternehmen zu jeder Zeit den vollen Überblick.
IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich grundsätzlich die Verwaltung von Lizenzen in Hybridlandschaften?
A. Kürten: In komplexen Landschaften bietet es sich an, das Thema „Software Asset Management“ dediziert zu betrachten und im Gesamtkonzept zu integrieren. Das kann bei entsprechend großer Diversität einen nicht zu unterschätzenden Verwaltungsaufwand mit sich bringen. Dafür sollten Unternehmen unbedingt Spezialisten einbinden.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen hier Management-Tools?
A. Kürten: Sie spielen eine sehr große Rolle, da Kunden selbstbestimmt steuern können, wann und welche Ressource benötigt wird und wann nicht. Der Kunde sollte Hoheit über die Priorisierung der möglichen Ressourcen haben.
IT-DIRECTOR: In welchen Punkten sind Hybrid Clouds noch „ausbaufähig“ bzw. „verbesserungsbedürftig“?
A. Kürten: Aktuell arbeiten wir an möglichen Automatisierungen für die autarke Detektion von bevorstehenden Lastschwankungen. Das würde den Mehrwert für Unternehmen noch einmal erhöhen, denn dann wären sie auch für unerwartete Peaks gewappnet.
IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Hybrid Cloud voraus?
A. Kürten: Wenn die positive Ressonanz auf das Konzept anhält und der Kunde durch einfaches Managen leichter Einfluss auf die wichtigsten Parameter nehmen kann, wird unsere Glaskugel „rosa-rot“.