Ein neuer Blickwinkel: Im Bereich IT-Konsolidierung rückt die Agilität der Infrastrukturen in den Fokus.
„Unternehmen brauchen auf dem Weg zu einem digitalen Unternehmen eine Strategie. Diese muss vom betriebswirtschaftlichen Nutzen und Bedarf ausgehen und nicht von den technischen Möglichkeiten. Es muss geschäftliche Gründe geben, um eine Informationsplattform aufzubauen, und man muss sich von alten Technologien trennen, um den Weg für neue frei zu machen“, empfiehlt Frank Ridder, Managing Vice President bei Gartner. Viele digitale Technologien werden seinen Erfahrungen zufolge durch die IT ins Unternehmen gebracht oder von den Geschäftseinheiten eingefordert, ohne vorher im Dialog miteinander den Gesamtnutzen fürs Unternehmen zu erörtern. Das heißt, der eigentliche Nutzen von digitalen Technologien wird nicht strategisch erarbeitet. Das Ergebnis ist oft eine Fehlinvestition.
Nach Ansicht von Marktbeobachtern ist es notwendig, die Rolle des CIOs als Businesspartner und Innovationstreiber zu stärken und seinen Einfluss bei der Gestaltung geschäftsrelevanter Prozesse auszubauen. Einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge unter 700 CIOs in 36 Ländern beurteilen fast zwei Drittel der Befragten ihre aktuellen Möglichkeiten in dieser Hinsicht als nicht optimal. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit fußt jedoch nicht auf mangelnden verfügbaren Mitteln: Über drei Viertel der CIOs verzeichnet mindestens gleichbleibende, oft auch steigende Budgets. Häufig schränken das abweichende Verständnis der Geschäftsbereiche über die Rolle der IT im Unternehmen oder divergierende Prioritäten die Effektivität der IT ein. Ein weiteres wichtiges Thema auf der Agenda der CIOs ist die Suche nach Talenten mit Fähigkeiten zu strategischem und unternehmerischem Denken. Gefragt sind Mitarbeiter mit Kenntnissen bei der Businessanalyse sowie in den Bereichen Analytics und Big Data.
Untersuchungen des IT-Herstellers CA Technologies weisen zwei Bereiche aus, in denen IT-Investitionen aktuell prioritär eingesetzt werden: Enterprise Mobility und Cloud Computing. Enterprise Mobility bietet sowohl Kunden als auch Mitarbeitern neue und komfortable Möglichkeiten, Unternehmensanwendungen mobil zu nutzen. Dies führt allerdings auch zu einer neuen Komplexität in der IT-Umgebung und schafft Herausforderungen beim Management sowie der IT-Sicherheit. Zweite Priorität hat die Cloud. Mit der Cloud erhalten Anwender mehr Agilität für ihre Unternehmensanforderungen. Die Technologie bietet durch ihre neue Art der Nutzung und des Verbrauchs die Möglichkeit für innovative Lösungen. Darüber hinaus verändert sie die Kostenstruktur weg von festen Investitionen hin zu Pay-per-use-Modellen. Heute ist die Private Cloud noch das verbreitetste Cloud-Modell, allerdings wächst auch der Einsatz der Hybrid Cloud schnell.
Die Praxis zeigt, dass viele Anwender ihr Unternehmensmodell im Hinblick auf die Umsetzung von Kundenanforderungen und den Wandel hin zum Managed Service Provider (MSP) überdenken. Die sogenannten „disruptive“ Technologien stellen laut CA eine große Chance dar, und die aktuelle Untersuchung belegt, dass Unternehmen auch schnell auf diesen Wandel im Markt reagieren. „In Sachen IT-Infrastruktur stehen wir vor einer vollkommen neuen Ära, in der das Netzwerk künftig ganz klar den Mittelpunkt einnimmt. Die aktuellen Veränderungen bei Mobility- und Cloud-Diensten führen dazu, dass Unternehmen und Service-Provider an einer stärkeren Konsolidierung ihrer IT nicht vorbeikommen“, ist sich Sunil Potti, Vice President bei Citrix, sicher. Mit der Weiterentwicklung seines All-in-One-Web-Controllers Netscaler und der Kooperation mit Partnern im Bereich Software Definied Networks (SDN) arbeitet Citrix daran, seine führende Position bei Cloud-Networking-Plattformen auszubauen.
Das von VMware eingeführte Konzept eines Software Defined Datacenters (SDDC) erweitert bekannte Virtualisierungskonzepte – Abstrahierung, Poolbildung und Automatisierung – auf alle Ressourcen und Services im Rechenzentrum. Die Komponenten des SDDC können gemeinsam oder in mehreren Schritten implementiert werden: Computing- und Netzwerkvirtualisierung sowie Software Defined Storage bieten Abstrahierung, Poolbildung und Automatisierung für Computing-, Netzwerk- und Storage-Infrastrukturservices. Das automatisierte Management liefert ein Framework für richtlinienbasiertes Management von Anwendungen und Services im Rechenzentrum. In einem Software Defined Datacenter ermöglicht die Automatisierung das Provisioning und die kontinuierliche Verwaltung logischer Computing-, Storage- und Netzwerkservices.
Nach Angaben von VMware werden durch die Virtualisierung im gesamten Rechenzentrum die Investitions- und Betriebskosten deutlich reduziert sowie die Geschwindigkeit der Anwendungsbereitstellung spürbar erhöht. Das Software Defined Datacenter kann als Private, Hybrid oder Public Cloud realisiert werden. Die Anwendungen werden in jedem Szenario vollständig von der zugrundeliegenden Infrastruktur abstrahiert, damit diese auf verschiedenen Hardwarestacks, Hypervisoren und Clouds ausgeführt werden können.
Namhafte IT-Anbieter betrachten Software Defined Networking als logischen nächsten Schritt bei der konsequenten Konsolidierung von IT-Infrastrukturen. Anfang Oktober hat HP ein offenes Ecosystem für Software Defined Networking (SDN) vorgestellt. Das SDN Developer Kit stellt Entwicklern wesentliche Tools zur Verfügung, mit denen sie SDN-Applikationen entwickeln, testen und überprüfen können. Dazu haben sie Zugriff auf die SDN-Infrastruktur des Anbieters sowie das gesamte Spektrum an Supportdiensten. Der „SDN App Store“ erschließt Entwicklern darüber hinaus ein neues Geschäftsmodell für den Verkauf ihrer Anwendungen: Kunden können im Appstore SDN-Applikationen suchen, kaufen und direkt auf ihren Virtual Application Networks SDN-Controller herunterladen.
„SDN bietet der Netzwerkbranche die Gelegenheit, revolutionäre Innovationen anzustoßen. Wir stehen gerade vor einem gewaltigen Sprung nach vorn“, glaubt Bethany Mayer, Senior Vice President bei HP. Zu den Partnern des Ecosystems, die sich für das Developer Kit registriert haben, gehören Aastra, Bluecat, Citrix Systems, Ecode Networks, F5, Infoblox, Infranics, Intel, Microsoft, Mimos, PwC, Qosmos, Radware, Real Status, Riverbed, RMIT University, Shoretel, SAP, Tech Mahindra, VMware, Versatile und Websense. Als kostenfreie Zugabe beim Kauf eines virtualisierungsfähigen Servers vom Typ Proliant Generation 8 bietet HP seit kurzem eine Virtual Storage Appliance (VSA) an. Durch Kombination des Servers mit dieser Software-Defined-Storage-Komponente entsteht nach Angaben des Herstellers eine leistungsfähige Lösung für das Software Defined Data Center.
Auch Speicherspezialist Netapp bietet inzwischen Lösungen für Software Defined Storage. „Ganz gleich, wo die Datenverarbeitung letztlich stattfindet, der CIO wird immer die Verantwortung für die Unternehmensdaten innehaben. Die Einführung neuer Multi-Cloud-Architekturen macht das Datenmanagement komplexer, weil Daten verteilt werden und keiner direkten Kontrolle unterliegen. Unsere Vision besteht darin, eine Enterprise-Datenmanagement-Lösung mit „clustered Data Ontap“ als Kern zu schaffen, die unabhängig von Datentyp und Speicherort die gesamte Speicherlandschaft des Kunden einbezieht“, erklärt Alexander Wallner, Area Vice President Central EMEA bei Netapp.
Nach Einschätzung des Speicherherstellers wechseln mehr und mehr Unternehmen zu Hybrid-Cloud-Umgebungen, um Kosten zu optimieren, Chancen zu ergreifen und Risiken zu verringern. Vor diesem Hintergrund müssen Daten nahtlos mehrere Clouds in Form von privaten, öffentlichen und hybriden Modellen passieren. Dabei muss die IT-Abteilung über geeignete Infrastrukturen sowie die notwendige Kontrolle verfügen, um Daten über einzelne Cloud-Ressourcen hinweg zentral zu managen, zu steuern und zu transportieren.
Um diesem tiefgreifenden Wandel zu begegnen, erweitert Netapp seine Strategie und sein Engagement, um für unterschiedlichste Konstellationen von Private- und Public-Cloud-Ressourcen ein nahtloses Management anzubieten. Strategie des Anbieters ist es nach eigenen Angaben, das Storage-Betriebssystem „Data Ontap“ als universelle Datenplattform über verschiedene Cloud-Umgebungen hinweg einzusetzen. Netapp möchte seine Position im Markt für Software Defined Storage mit clustered Data Ontap weiter ausbauen und Applikationseigentümer mit API-Integrationen ausstatten. Dies beinhaltet verstärkte Investitionen in den Anschluss an Cloud-Service-Provider, leistungsfähigere Servicequalität und erweiterte API-Integrationen in aufkommende Lösungen wie Openstack und Cloudstack.
Bei allen Vorteilen, die IT-Konsolidierungen auf Basis von Software-Defined-Anything-Konzepten haben, sollten nach Ansicht von Joe Skorupa, Vice President bei Gartner, einige Kriterien nicht übersehen werden. Unternehmen müssen sich bewusst sein, dass SDN-Lösungen signifikante Auswirkungen auf die IT-Sicherheit haben können. Sicherheitsstrategien müssen erweitert und angepasst werden, um mit den Funktionalitäten und Möglichkeiten, die SDN eröffnet, Schritt zu halten. Auch psychologische Aspekte sollten nicht unterschätzt werden. „Die Adaption von SDN erfordert radikal neue Denkweisen, die altgediente Netzwerkspezialisten ,verängstigen‘ können. Es gilt deshalb, IT-Mitarbeiter mit der Projektleitung bei der Umsetzung von SDN-Konzepten zu beauftragen, die neben Erfahrung auch über die Begeisterungsfähigkeit verfügen, visionäre Ideen zu realisieren“, so Skorupa.
IT-Infrastrukturen müssen agiler werden
Um IT as a Service zu ermöglichen, sind bestimmte Anforderungen beim Management von Cloud-Umgebungen essentiell, dazu zählen:
Quelle: VMware
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